Another F*cking Week – KW 06/2020

Money trees is the perfect place for shade“

Mit diesem Auszug aus dem Song „Money Trees“ von Kendrick Lamar meldet sich Fyoumoney zurück. Ich musste selbst mal schauen, wann es die letzte Ausgabe von „Another Fucking Week“ gab und musste feststellen: Es war KW 16 in 2019. Es musste also erstmal eine dicke Staubschicht vom Keyboard gepustet und der Server von Windows 95 upgedated werden aber jetzt simma zurück.

Warum die lange Pause? Ohne mit Details und dem üblichen „busy, busy“ langweilen zu wollen – es hatte sich auch ein wenig das Gefühl eingestellt, es sei „alles gesagt“. Der persönliche Vermögensaufbau muss nicht kompliziert sein. Ganz im Gegenteil: Wenn der Samen erstmal gepflanzt ist und der Leser von den Grundsätzen überzeugt ist, kann man eigentlich alles automatisch laufen lassen und muss sich vielleicht einmal im Jahr ein Tag um etwas kümmern. Easy.

Ich habe den Blog nie als Mittel der Einkommensgenerierung gesehen, so lange er sich selber trägt. Themen, wie P2P und wer hat gerade den geilsten Onlinekurs für das Options-Trading musste ich daher zum Glück nie anfassen. Andere Blogs toben sich bei der Aktienanalyse aus, gucken wo es gerade 0,1% mehr auf das Tagesgeld gibt oder mahnen täglich auf den Coffee to go zu verzichten. Für mich gilt: „Don’t sweat the small stuff“. Niemand hat je die finanzielle Freiheit wegen nem Latte bei Starbucks verpasst. Genauso gilt: Alles was Zeit kostet aber nicht mehr Rendite bringt, ist ein Verlustgeschäft oder Liebhaberei. Daher sind für mich Aktienanalysen im besten Fall Hobby, im schlechtesten Fall Selbstbetrug.

Warum also jetzt das „Comeback“? Zunächst einmal macht mir das Schreiben über Finanzen einfach Spaß. Wenn man Emails von Lesern erhält, die nach dem Lesen des Blogs angefangen mit dem Investieren, ist das super! Außerdem ist halt doch noch nicht alles gesagt. In einer Masse von P2P Blogs, Aktienanalysten und Minimalismus-Jüngern, braucht es einen Blog, der den Mittelfinger empor hält und den Blick auf das wesentliche richtet. Zudem darf der Bereich der gepflegten Finanzsatire nicht in Vergessenheit geraten ;-).

Was habe ich die letzten Monate gelernt? Mein Fokus hatte sich in den vergangenen Jahren bereits etwas verändert. Als meine Reise zur finanziellen Freiheit (und mein Berufseinstieg) begann, war ich sehr auf die Kostenseite fokussiert. Sparquote über alles. Fasziniert habe ich Kalkulationen gelesen, wie viel mich mein Kaffee auf Dauer kostet und dass man sein Bier anstatt von der Craft Brauerei lieber beim Discounter kaufen sollte, und die Differenz würde bei 7% Rendite über die Jahre ein VERMÖGEN erwirtschaften. Minimalisten predigten die dreifache Benutzung des Teebeutels und ich hörte zu. Dazu sei gesagt: Sparsamkeit und ein Blick auf die Sparquote ist wichtig und Voraussetzung für den Vermögensaufbau. Allerdings ist der starre Fokus darauf wenig zweckmäßig. Denn wahr ist auch: Wenn du in Deutschland 42.000 Euro im Jahr verdienst, kannst du dir so viele Starbucks-Kaffees sparen, wie du lustig bist, du wirst die finanzielle Freiheit trotzdem nicht erreichen.

Viele Ratgeber scheinen die Kostenseite als den großen Hebel für den Weg in die finanzielle Freiheit zu sehen. Die Einkommensseite wird dagegen als gegeben angenommen. Eine fixe Komponente. Und oft macht es Sinn: Sein Einkommen zu steigern kostet viel Zeit. Es ist unangenehm und verlangt Überwindung. Und nein, nicht für jeden wird es möglich sein. Dennoch ist die Einkommensseite der viel längere Hebel für den Vermögensaufbau.

Kritiker sagen: „Jaja, aber die Ausgabenseite steigt bei den meisten Menschen proportional mit“. Selber schuld. Außerdem glaube ich das nicht. Klar, gebe ich heute mehr für Restaurants, Urlaub und Schwachsinn aus. Dennoch, bleibt am Ende des Jahres mehr übrig als bei einer 100% Sparquote auf mein Einstiegsgehalt angewendet. Meine Sparquote ist immer noch hoch. Ich lebe in einer kleinen Bude in New York City. Bringe mir mein Lunch selber mit. Allein dadurch spare ich gegenüber Kollegen einen vierstelligen Betrag im Monat – ohne mich einzuschränken. Das ist mir einfach nicht wichtig. Dafür fliege ich häufiger in den Urlaub und gönne mir mal was am Wochenende.
Long Story, short: Sparquote ja, aber mittelfristig muss der Fokus auf der Einkommensseite liegen. Fast jeder kann hier was bewegen – die meisten sind nur zu bequem in ihrer derzeitigen Situation. Da fühlt man sich lieber wie ein Held, wenn man sich den Coffee to go gespart hat.

Wie laufen die Investments? Naja, wie sollen die in den letzten Jahren nicht laufen? Eine ordentliche Rendite zu erzielen, war in dieser Zeit keine Schwierigkeit. Gefühlt sind die einzigen Investoren, die derzeit kein Geld machen, die Tesla-Shorts.


Dabei scheinen wir manchmal zu vergessen, dass Zyklen noch immer existieren. Auch diese Hausse wird enden und ich glaube es könnte weh tun. Derzeit ist jedoch so viel Liquidität im Markt, dass die Kurse immer weiter steigen. Zinsen werden weiter niedrig gehalten. Ich arbeite viel mit Private Equity Firmen zusammen. Die haben so viel Cash auf der Kante, dass mich das etwas optimistischer stimmt, was den nächsten Abschwung angeht. Wenn die Kurse endlich wieder runter gehen, gibt es genügend Marktteilnehmer, die für Liquidität sorgen könnten aber an einer Glaskugel mangelt es mir auch weiterhin leider. Von daher gilt bei mir weiterhin, dass ich die Märkte nicht versuche zu „timen“ und langfristig Geld anlege. Eine kleine Cashreserve halte ich dennoch für das Aktien-Outletshopping bereit.

Was macht eigentlich Mick Knauff? Ehrlich gesagt: Keine Ahnung, vermutlich Aktien-Newsletter verticken. Viel lustiger finde ich in letzter Zeit Jim Cramer. Jim hat eine eigene Show auf dem Sender CNBC – und lasst mich euch sagen: Ich war SELTEN so entertained. In „Mad Money“ sitzt Jim in einem Studio und fasselt über Aktien. So weit, so uninteressant. Aber der beste Teil der Show ist, wenn Zuschauer anrufen. Das läuft dann ungefähr so: „Hey Jim, grösster Fan aller Zeiten. Was hälst du von Unbekannter Solar-Aktie XYZ?“. Jim: „Bah, mag ich gar nicht. Kauf nicht.“ Dann nächster Anrufer: „Yo, soll ich Facebook-Aktien kaufen?!“. Jim: „Ich mag die T-Shirts, die Zuckerberg trägt, definitiv kaufen.“
Davon ungefähr 20-30 Stück in 10 Minuten. Das ist ganz großes Kino. Es ist, als ob man eine beliebige Aktiengruppe auf Facebook verfilmen würde.

Ansonsten bin (und war es auch während meiner Abwesenheit) auf Twitter aktiv – also bitte gerne folgen.

Cheers.

5 Kommentare

  1. Great to have you back! Der gelassene und leicht ironisch/satirische Blick auf die Finanzszene aus Übersee gefiel mir immer gut und ich lese deine Posts wirklich gern.

  2. Es freut mich, dass du wieder da bist – ich mag deinen Schreibstil. Und deine Berichte aus New York. Und dass du nicht immer alles so furchtbar ernst nimmst. Also weiter so!

  3. Ich bin froh, dass du wieder da bist.
    Manch andere Finanzblogs sind so langweilig wie ein leeres Stück Papier und bieten meist genau so viel Mehrwert für den Leser.
    Ich versuche auf unnützen News-Konsum zu verzichten. Gerade das ist bei den Finanzbloggern nicht so einfach. Manche hauen mehrere Beiträge pro Woche raus…. wo soll da noch was sinnvolles stehen?!
    Auf deinem Blog gibt es aber immer was zum schmunzeln…. ich wünschte das wäre überall so.
    Wegen mir brauchst du nicht wöchentlich einen neuen Beitrag posten… aber so ein mal im Monat wäre Top!
    Mach weiter so.
    (Gut, dass ich kein Twitter ha)

  4. Ich mag den satirischen Fuckyou-Blickpunkt! Definitiv unterhaltsamer als der drölftigste Artikel über MSCI World ETF, Erfahrungsbericht über P2P oder Ratgeber zur Selbstoptimierung.
    Dass mit dem Einkommen mag stimmen, aber Du sagst es, dass die meisten zu bequem sind, um ihr Einkommen zu steigern. Für mehr Geld muss man gewöhnlich auch mehr machen, sich fortbilden, hustlen und viel Bullshit von Kollegen, Vorgesetzten und Kunden ertragen. Darauf haben viele halt keinen Bock. Auf der Kostenseite kann hingegen jeder was schrauben, ohne dass es allzu große Anstrengung erfordert. Mir macht es Spaß, das als Sport zu betreiben, wobei ich auch nicht übertreibe undir öfters mal gönne. Letztens z.B. eine Gaming-Tastatur für 180 €

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