Eigenverantwortung ist der Schlüssel zum Erfolg!

Eigenverantwortung fällt schwer

Seit einigen Jahren schon besteht in den USA ein Trend namens „Victim Chic“ oder „Victimhood culture„. Dieser Begriff beschreibt die zunehmende Selbststilisierung ganzer Gruppen oder einzelner Personen als Opfer. Charakteristisch für die USA handelt es sich dabei oft um den Vorwurf des Rassismus aber auch andere soziale Gruppen sehen sich gerne in der Opferrolle. Während es gerade in den USA unbestreitbar noch immer soziale Ungleichheiten gibt, die teilweise auf rassistische Vorurteile zurückzuführen sind, so nimmt doch die „Victimhood Culture“ teils obskure Züge an.

Besonders deutlich wird dies am Beispiel der Protestbewegungen an amerikanischen Hochschulen. Dort fühlen sich fast täglich einzelne Minderheiten angegriffen und in ihren Rechten verletzt. Dabei geht es oftmals selbst um Lappalien, wie das Mensaessen. In der Tat löste der Speiseplan am Oberlin College heftige Proteste aus. Der Grund? Die Mensa wollte sich kulinarisch breit aufstellen und internationale Speisen anbieten. Sogar eine Sushi-Bar sollte es geben. Klingt super, oder?

Das sahen einige Studentengruppen ganz anders. Ihr Vorwurf: Wenn das (überwiegend weiße) Küchenpersonal mittelmäßiges Sushi anbietet, würde es sich der „kulturellen Aneignung“ schuldig machen. Das sei problematisch. Die privilegierte weiße Schicht würde dadurch mal wieder ihre Missachtung anderen Kulturen gegenüber ausdrücken. Einigen Studenten würde dadurch ein Teil ihrer kulturellen Identität weggenommen. Das sei natürlich problematisch und hatte erboste Proteste zur Folge. Die ungläubigen Gesichter des Küchenpersonals hätte ich gerne gesehen…

eigenverantwortung ist der schlüssel zum erfolg

Ein Einzelfall? Könnte man meinen, dem ist aber gewiss nicht so. Für ein paar Monate durfte ich in New York leben und arbeiten und habe die Zeit außerordentlich genossen. New York ist eine extrem bunte und lebendige Stadt und ich habe großartige Menschen getroffen, mit denen ich mich auch immer noch gerne austausche (Leider habe ich Tim S. nie mit seiner Handykamera an mir vorbeilaufen sehen. Wobei ich damals auch noch nichts von ihm wusste). Es erstaunte mich häufig, wie schnell einzelne Gruppen in den USA sich verletzt fühlten. Zu Weihnachten wurde in der Firma explizit darauf hingewiesen, bitte kein „Merry Christmas“ zu wünschen, sondern lediglich „Happy Holidays“, um Mitarbeiter anderer Religionen nicht in ihren religiösen Gefühlen zu verletzten. Interessant fand ich das Selbstmitleid auch im kulinarischen Bereich. Eine chinesisch-stämmige Kollegin erzählte mir, dass es sie verletze, wenn Dim Sum von immer mehr Amerikanern gegessen wird. Ihrer Meinung nach würde dies dazu führen, dass chinesische Restaurants die Speisen an den westlichen Geschmack anpassen würden und alles teurer werden würde. Und ich Naivling dachte es zeuge von einer gewissen kulturellen Offenheit auch mal die traditionelle Küche anderer Kulturen zu testen.

Zu meiner Überraschung wurden Probleme, die mir als Europäer auffielen gar nicht als solche wahrgenommen. Horrende Studiengebühren, schlechte Sozialhilfen, Millionen von Amerikanern ohne Krankenversicherung? Dazu eine riesige Schere zwischen Arm und Reich? Das sei nun mal so. Schließlich ist in den meisten Köpfen der „American Dream“ immer noch intakt. Wer es wirklich will, kann vom Tellerwäscher zum Millionär werden. Ich liebe das Land für diesen unerschöpflichen Optimismus. Doch verstehen muss man viele dieser Ansichten nicht unbedingt.

Als ich dann übrigens einen Foodtruck mit „Authentic Berlin Doner“ für 12 USD das Stück sah, fühlte auch ich mich kulturell verletzt. Und damit auch gleich ein Stück weit amerikanischer…

Das Experiment des William James

William James gilt heute als einer der wichtigsten Vertreter des philosophischen Pragmatismus und Begründer der Psychologie in den USA. Interessanter ist allerdings die Geschichte des jungen William James vor seinem Ruhm. Diese habe ist das erste Mal in dem Buch „The subtle Art of not giving a Fuck“ kennengelernt und sie ist mir seither in Erinnerung geblieben. Schließlich lehrt sie uns viel über die Kraft der Eigenverantwortung.

William wurde in eine wohlhabende Familie lauter „Overachiever“ geboren. Vater reich, Bruder berühmter Schriftsteller. Trotz einer erdrückenden Erwartungshaltung muss man mit ihm also nur bedingt Mitleid haben. Das Vermögen seiner Familie ermöglichte es ihm in Europa und den USA zu studieren und zu reisen. Doch William litt zugleich an enormen gesundheitlichen Problemen, die ihn an seiner Arbeit hinderten und zu starken Depressionen führten. Nach mehreren abgebrochenen Studiengängen in Chemie und Medizin wurde sein Vater ungeduldig und zeigte sich auch nach erfolgreichem Studium von seinem Sohn enttäuscht.

William sah sich nie in der klassischen Medizin beheimatet und nahm sich bald selbst als Verlierer war. Während sein Bruder ein berühmter Schriftsteller wurde, scheiterte William wiederholt und plagte sich mit seinen körperlichen Gebrechen herum. Zwischendurch wurden seine Depressionen so stark, dass er konkrete Suizidgedanken hatte.

Nach der Lektüre eines Werkes von Charles Peirce traf Willam James jedoch eine Entscheidung. Er würde ein Experiment wagen. Dauer des Experiments: Ein Jahr. Würde das Experiment misslingen und William noch immer ein Verlierer sein, so würde er sich nach dem Jahr das Leben nehmen. Einen höheren Wetteinsatz gibt es nicht.

Das Experiment? William James würde ein Jahr lang die volle Verantwortung übernehmen für alles was ihm widerfährt. Egal was, egal ob es seine Schuld war oder nicht. Außerdem würde er alles in seiner Macht stehende tun, um in dieser Zeit seine Umstände zum positiven zu verändern. Egal wie hoch die Erfolgswahrscheinlichkeit auch sei.

Der Rest ist Geschichte: William James stellte sein Leben auf den Kopf, wurde einer der einflussreichsten Philosophen in der Geschichte, heiratete und sein Sohn gewann einen Pulitzer Preis. Tschaka.

Die Macht der Eigenverantwortung

Die Geschichte von William James zeigt, was die meisten Menschen in weniger dramatischen Maßstäben täglich erleben. Jeder hat seine eigenen Vorstellungen von einem gelungenen Leben und Ziele, die damit einhergehen. Meist haben wir sogar eine ungefähre Vorstellung davon, wie wir diese Ziele erreichen könnten. Doch dann kommt diese eine Sache dazwischen, die alles irgendwie schwierig macht: Das Leben.

Um mit Rocky Balboa einen weiteren großen Philosophen unserer Zeit zu zitieren: „Ich werd dir jetzt was sagen, was du schon längst weißt…. Die Welt besteht nicht nur aus Sonnenschein und Regenbogen. Sie ist oft ein gemeiner und hässlicher Ort. Und es ist mir egal wie stark du bist – sie wird dich in die Knie zwingen und dich zermalmen, wenn du es zulässt… Du und ich – und auch sonst keiner – kann so hart zuschlagen wie das Leben! Aber der Punkt ist nicht der, wie hart einer zuschlagen kann… Es zählt bloß, wie viele Schläge er einstecken kann und ob er trotzdem weitermacht. Wie viel man einstecken kann und trotzdem weitermacht…. Nur so gewinnt man! Wenn du weißt was du wert bist, dann geh hin und hol es dir. Aber nur, wenn du bereit bist die Schläge einzustecken! Aber zeig nicht mit dem Finger auf andere und sag du bist nicht da wo du hinwolltest, wegen ihm oder wegen ihr, oder sonst jemandem. Schwächlinge tun dass! Und das bist du nicht – DU bist besser!“ (Hier auch als Video bei Youtube).

eigenverantwortung

 

Das Leben ist manchmal ein kleiner fetter Junge mit Sommersprossen im Gesicht, der gerne Stöcker in die Speichen deines Fahrrads hält. Dann fliegst du auf die Fresse, heulst und zeigst auf den kleinen fetten Jungen. Er ist der Grund dafür, dass du nicht an dein Ziel kommen wirst.

Jetzt gibt es drei Möglichkeiten.

Nummer Eins ist die Bequeme. Du bleibst liegen. Denn nun hast du einen Grund, weshalb du dein Ziel nicht erreichen wirst. In die Pedale zu treten und den Berg hochzustrampeln war dir sowieso immer zu anstrengend. Jetzt hat die fette Arschgeige dir auch noch einen Stock in die Speichen geworfen und dir so dein letztes bisschen Momentum genommen. Er ist verantwortlich dafür, dass deine Träume nicht in Erfüllung gehen werden. Oder das du im Job nicht vorankommst. Oder deine Rente unsicher ist. Oder du mit einer Plauze und Dosenbier mittags in den Fernseher glotzt. Deine Mitmenschen werden das verstehen. Schließlich umgibst du dich gezielt mit Menschen, die ebenfalls Opfer des kleinen dicken Jungen geworden sind.

Nummer Zwei ist die beliebte Blender-Methode. Zögerlich steigst du wieder auf dein Fahrrad und beginnst zu strampeln. Anstrengend aber du lässt dich von dem fetten Kind nicht abhalten. Sein schmieriges Lächeln motiviert dich. Doch dann siehst du am Horizont einen Berg. Es sieht nach einem steilen Anstieg aus. Gefühlt mindestens 92 Grad Steigung. Schon der Anblick lässt dir die Knie weich werden. Zudem stehen pünktlich zum Anstieg wie bei der Tour de France links und rechts Zuschauer. Wenn dir die Puste ausgehen sollte, werden sie alle sehen wie du scheiterst und den Hang wieder runter kullerst. Sie werden lachen. Doch da bekommst du einen Geistesblitz: Du kannst nicht scheitern, wenn du es gar nicht erst versuchst. Und wenn du dazu noch eine gute Entschuldigung parat hast, kann dir auch keiner Vorwürfe machen. Du holst also den Stock des kleinen fetten Jungen aus deiner Trikottasche und steckst in dir zwischen deine eigenen Speichen. Du fliegst wieder hin, doch diesmal bleibst du liegen: „Die Sommersprosen-Fresse hat es schon wieder gemacht! Ich hab’s ja versucht aber ich habe keine Chance, wenn der Junge mich immer zu Fall bringt.“

eigenverantwortung ist der schlüssel zum erfolg

Nummer Drei ist die anstrengende Methode. Du springst wieder auf dein Fahrrad und akzeptierst, dass das Leben voller kleiner fetter Kinder mit Sommersprossen im Gesicht ist. Du weißt aber, dass diese dich nicht gezielt auswählen, sondern jeden irgendwann mal erwischen. Du siehst diesen Umstand also als gegeben an. Ein äußerer Faktor, der nicht in deinem Einflussbereich liegt. Was aber sehr wohl in deiner Hand liegt, ist deine Reaktion auf die äußeren Umstände. Deine Antwort auf das Stöckchen-Attentat liegt in deiner Verantwortung. Die Aktion ist gegeben, die Reaktion ist noch offen. Und vollkommen in deiner Hand. Was für eine Macht. Und so strampelst du und strampelst immer weiter. Der kleine fette Junge wird dich noch mehrmals umschubsen und es wird weh tun. Doch irgendwann erklimmst du die letzten Meter eines weiteren Anstieges. Die Sonne geht schon langsam unter und am Scheitelpunkt siehst du eine Gestalt. Es ist unverkennbar der kleine fette Junge. Du bereitest dich schon auf die nächste Bosheit vor. Doch erkennst du in seinem Gesicht statt dem boshaften Lachen ein anerkennendes Nicken. Du fährst langsam an ihm vorbei und er gibt dir eine High Five. Er reicht dir eine kühle Dose Cola, nickt dir noch einmal zu und du verstehst endlich…

 

Wichtig an dieser Anekdote ist die Differenzierung zwischen Schuld und Verantwortung. Der Fall vom Fahrrad ist nicht deine Schuld aber die Reaktion darauf liegt in deiner Verantwortung. Bei dem Aufruf zu mehr Eigenverantwortung geht es nicht um ein christlichen „linke Backe, rechte Backe“ Konzept. Es passieren unschöne Dinge im Leben und du kannst an dem Geschehen oftmals nichts ändern und die Ursache lag auch nicht bei dir. Doch fast immer hast du bei der Reaktion ein Wörtchen mitzureden. Die meisten Menschen nehmen diese Trennung nicht vor. Im Gegenteil, sie sehen das unliebsame Erlebnis als willkommene Einladung die auf ihren Schultern lastende Verantwortung abzustreifen. Von diesem Moment an wird immer wieder darauf verwiesen, dass man ja wolle aber die äußeren Umstände es einfach nicht zulassen. „Ich wollte ja einen hervorragenden College-Abschluss. Aber dann hat das weiße Küchenpersonal in der Mensa Sushi angeboten und mich meiner kulturellen Identität beraubt.“

Was die meisten Menschen verkennen, ist dass aus großer Macht nicht bloß große Verantwortung folgt. Andersherum gilt auch, dass aus Eigenverantwortung große Macht entsteht. Wenn wir für die Reaktion auf alles was uns widerfährt Verantwortung übernehmen, gewinnen wir Kontrolle zurück. Das Akzeptieren von Verantwortung für unsere eigenen Probleme ist der erste Schritt zu deren Lösung, wie Mark Manson es so schön ausdrückt.

Eigenverantwortung und Finanzen

Finanzielle Dinge sind wohl ein Bereich in dem der Mangel an Eigenverantwortung am eklatantesten ist. Die Ursache hierfür liegt vermutlich einerseits an der empfundenen Komplexität. Die Finanzindustrie hat hier ganze Arbeit geleistet. Eine Mehrheit der Bevölkerung sieht den langfristigen Vermögensaufbau als äußerst komplex an und traut sich ein eigenverantwortliches Handeln nicht zu. Zu fehleranfällig erscheinen Anlageprodukte und zu immens erscheint das Risiko. Also wird ein Anlageberater aufgesucht. Zum einen aus der Hoffnung, dieser würde die Komplexität durchblicken. Zum anderen, weil damit die Verantwortung für die etwaigen Fehlschläge jetzt beim Berater liegen.

Ein weiterer Grund ist, dass es so unglaublich einfach ist bei finanziellen Dingen die Verantwortung abzustreifen. Finanzskandale und Finanzkrisen werden medial genüsslich ausgeschlachtet und transportieren für einen Großteil der Bevölkerung nur eine Botschaft: An der Börse gewinnen nur die Reichen und die großen Banken. Der kleine Mann ist immer der Verlierer. Jeder „kennt“ jemanden, der angeblich während der Finanzkrise alles verloren hätte. Den Fehler will man natürlich nicht machen. Also bleibt man lieber untätig, als bei diesem falschen Spiel mitzumachen. Gerade Deutsche lieben es scheinbar die Verantwortung für finanzielle Geschicke Vater Staat zu überlassen. Bei Versprechen wie „Die Rente ist sicher“ bekommen wir ekstatische Zuckungen und lehnen uns beruhigt zurück. Mutti wird meine Altersversorgung schon klären.

Ein letzter Grund ist auch die merkwürdige Haltung vieler Gesellschaftsschichten zum Thema Geld. „Broke“ zu sein, gilt zumindest unter den U30-igern als Normalzustand. Schließlich wolle man etwas leben und Geld verprassen gehöre nun mal dazu. Sparen und Anlegen gilt als spießig. Viele meinen sie könnten gar nichts zurücklegen und geben damit die Verantwortung für ihre Finanzen wieder ab. Dabei trifft das lediglich auf eine Minderheit zu. Ich kenne Viele, die vernünftig verdienen aber einfach über ihren Verhältnissen leben. Der Verweis auf niedrige Zinsen und ein Gehalt, dass den eigenen Lifestyle gerademal so finanziert beschreibt dabei lediglich äußere Umstände. Die Reaktion darauf kann getrennt werden und Verantwortung für sie übernommen werden. Leider scheint dies nur vereinzelt der Fall zu sein.

 

Cheers.

 

18 Kommentare

  1. Schön! Und recht hast du, Eigenverantwortung ist viel Wert. Am Ende zählt aber trotzdem die Mischung. Eigenverantwortung heißt ja nicht, dass man nicht auch Verantwortung für andere Übernehmen sollte. Man kann ihnen dabei helfen wieder aufzustehen. VG, Rico

    • Hey Rico,

      absolut! Ich finde Eigenverantwortung schließt das Übernehmen von Verantwortung für andere nicht aus. Im Gegenteil, ich glaube wer für sich selber Verantwortung übernehmen kann, ist darüber hinaus gewillter dies auch für andere zu tun. Mindestens bis sie wieder selber im Sattel sitzen.

      Beste Grüße
      Pascal

  2. Hey Pascal,

    ich kann deine Gedanken absolut nachvollziehen. Stellenweise habe ich das Gefühl, dieses Opfer-Denken ist auch in den österreichischen Hochschulen angekommen. Veränderungen oder eigentlich tolle Ergänzungen werden mit Maßstäben geprüft, die einfach nur realitätsfern sind.
    Die Reaktion auf Ereignisse kann man steuern. Ich weiß nicht mehr, wo ich das gelesen habe, aber die Geschichte geht ungefähr so. Eine Frau sitzt am Flughafen und schüttet aus Versehen ihren Kaffee auf die Hose eines Mannes. Sie entschuldigt sich tausendmal und fragt, ob es schlimm sei. Sie erwartet das Schlimmste. „Naja“, antwortet der Mann, „ich bin gerade angekommen und habe ein wichtiges Meeting.“ Er sagt es so ruhig und gelassen, dass die Frau nachfragen muss: „Warum berührt sie das nicht?“ „Wissen sie was, wenn ich mich jetzt aufrege ist ihr Tag kaputt und meiner sowieso. Wie soll ich die Präsentation überstehen und Investoren überzeugen, wenn ich schlecht gelaunt bin? Es gibt schlimmeres.“

    Wahrscheinlich habe ich gerade mehr selber erfunden, als ich gelesen habe. Aber die Idee dahinter bleibt die selbe.
    Bei den Finanzen ist die Perspektive auch wichtig. Ich glaube, viele Menschen kümmern sich nicht um die Finanzen, weil im täglichen Leben das Thema überhaupt nicht als wichtig und sinnvoll erkannt oder eben gar nicht wahrgenommen wird. So war es bei mir. Wäre ich nicht auf die richtigen Quellen gestoßen, hätte ich mich damit gar nicht oder erst wesentlich später im Leben beschäftigt.

    LG
    Johannes

    LG
    Johannes

    • Hi Johannes,

      danke für das nette Beispiel 🙂
      Aus der Situation und der Reaktion des Geschäftsmannes kann man vieles lernen. Ich glaube im Alltag wissen wir zwar häufig, dass es nichts bringt sich aufzuregen. Die logische Reaktion ist die des Mannes. Manchmal fällt es aber schwer seine Emotionen so im Griff zu haben. Ich bewundere Menschen mit so viel Contenance und Weitblick und hoffe da auch anzukommen.

      Deine Erfahrungen an der Hochschule kann ich bestätigen. Das Anspruchsdenken vieler meiner Kommilitonen war erschreckend. Oftmals hatte ich das Gefühl hier kam die Trennung vom Elternhaus zu früh und in den Professoren wird ein Elternersatz gesucht. An einer staatlichen Uni gibt es aber nun mal keine 1:1 Betreuung mit Händchenhalten.
      Dazu kamen dann Proteste wegen jeder Kleinigkeit. Die Berufsstudenten haben dann schon gerne mal unter irgendeinem Vorwand ganze Gebäude „besetzt“. Dabei waren sie so ignorant gar nicht zu merken, dass eine Mehrheit der Studenten einfach nur davon genervt war.

      Danke für deinen Kommentar 🙂
      Pascal

  3. Sollte jemand das Thema weiterverfolgen wollen, empfehle ich das Buch: „Das Prinzip Selbstverantwortung“ von R.K. Sprenger. Kurze Recherche ergab, es ist immer noch erhältlich, mittlerweile in der 13. Auflage; ich laß es vor etwa 20 Jahren und kann es als erhellend bezeichnen.
    Aus der Erkenntnis, dass alles was mich angeht auch in meiner Verantwortung liegt, entsteht die Gelassenheit, welche Johannes in seinem Beispiel beschreibt.
    Ein weniger „erleuchteter Geschäftsmann“ hat mit dem verschütteten Kaffee beriets die Erklärung, falls das Meetingin die Hose geht.
    Die Selbstverantwortung in finanziellen Dingen führt zuerst zur Erkenntnis immer genug Rücklage für die täglichen Widrigkeiten zu schaffen. Aus diesem Bewusstsein erkennt der Mensch den Weg der Sparsamkeit; er beginnt Rücklagen zu bilden, auch wenn er sich am Anfang für das klassische Sparbuch entscheidet führt die Selbstverantwortung mittelfristig zur Suche nach besseren Renditen. Ein selbstverantwortlich denkender Mensch wird die Anlageversprechen der diversen Institutionen kritich hinterfragen und Wege zur Geldanlage finden, welche seinen Risikoneigungen entsprechen.

    • Hi Baumaier,

      besten Dank für die Literaturempfehlung! Da werde ich gerne mal reinschauen, da ich das Thema sehr interessant finde.
      Deine Schilderungen finde ich spannend und in der Tat kann ich mir einen erfolgreichen Selbstständigen ohne Selbstverantwortung nur schwerlich vorstellen. Fakt ist allerdings auch, dass nur derjenige der Eigenverantwortung übernimmt am Ende Außergewöhnliches erreichen kann. Nur zu meckern und die Schuld stets abzuschieben, ist zwar zunächst die einfache Option, langfristig führt sie aber wohl zu Stillstand.

      Gab es bei dir ein bestimmtes Buch oder ein Erlebnis, welches bei dir den Wunsch weckte selbstständig zu werden?

      Beste Grüße
      Pascal

      • Guten Morgen Pascal,
        es gab weder ein bestimmtes Buch noch ein bestimmtes Erlebnis welches den Wunsch nach eigenem Unternehmen weckte. Es hat sich entwickelt und resultiert aus vielen kleinen Bausteinen. Das Wichtigste war wohl, dass ich schwer mit Vorgesetzten zurecht kam und viele Vorgaben und Anweisungen in Frage gestellt habe.
        Den Schritt in die Selbstständigkeit habe ich zweimal gewagt; zuerst 1989. Das endete im Frühjahr 1994 mit einem Sack voller Verbindlichkeiten. Das zweite Mal 2002, dies ist bis heute von Erfolg. Das Unternehmen ist etabliert und ich bezeichne mich als finanziell unabhängig; von den Erträgen könnte ich mit meiner Frau einen bescheidenen Lebensstil pflegen ohne arbeiten zu müssen.

        An dieser Stelle mal ein Lob an all die Blogger, die mir in den letzten Monaten die Augen öffneten. Ich lese seit etwa einem Jahr und habe nur eine Frage – wo wart Ihr vor 20 Jahren.
        Hier kommen wir wieder zum Thema des Textes, die Eigenverantwortung. Ich habe mich bis vor Kurzem auf andere verlassen; Banken, Versicherungen und Anlageberater. Dadurch habe ich viel Rendite liegen gelassen.
        Das Stichwort ETF hat mich in den Suchmaschinen hierher geführt und ich habe inzwischen meine Barschaft anglegt 60% Anleihen und 40% Aktien, nebenbei habe ich alle Versicherungen gekündigt oder beitragsfrei gestellt (außer den Pflichtversicherung).

        • Hallo Baumaier,

          das ist einleuchtend und kann ich gut nachvollziehen. Ich finde es verdient viel Respekt, dass du nach dem gescheiterten ersten Versuch einen neuen Angriff gestartet hast. Viele hätten sich auf dem ersten Versuch ausgeruht und ihn als Entschuldigung genommen „ich habs immerhin versucht aber es geht nicht“. Letztlich würdest du ja auch belohnt.

          Danke für das Lob, ich kann es nur weiterleiten. Ich bin sehr dankbar, dass mit einige Blogs schon zu Beginn meiner beruflichen Laufbahn wichtige Dinge mit an die Hand gegeben haben!

          Danke für deinen Kommentar und beste Grüße
          Pascal

  4. Wieder mal ein schöner, in weiten Zügen philosophischer Aritkel!

    Inhaltlich sprichst Du mir aus dem Herzen, Operkultur, Jammern/Meckern, & Co verwaschen den Blick auf die Eigenverantwortung in allen Lebensbereichen. Eine Delegation der Eigenverantwortung auf den Staat – eine in Europa sehr beliebte Form der Problemlösung – darf gerade in finanziellen Belangen nicht die Lösung sein.

    Gern verweise ich auch auf folgenden Artikel: https://meinefinanziellefreiheit.com/2017/01/05/nimm-es-selbst-in-die-hand/

    Viele Grüße,
    FF

    • Hi FF,

      Danke dir für deinen Kommentar. Die „Delegation der Eigenverantwortung auf den Staat“ finde ich eine schöne Formulierung. Der Staat erfüllt unglaublich wichtige Aufgaben und seine Vertreter müssen dafür auch in die Pflicht genommen werden. Dennoch darf nicht auf den Staat abgewälzt werden, was im Rahmen der eigenen Möglichkeiten und Verantwortung ist. Auf Dauer kann ein Staat das nicht tragen.

      Beste Grüße
      Pascal

  5. Ob dein schönes, von Breitbart übersetztes Thema in Deutschland so viel Wiederhall erfahren wird? Irgendwie funktioniert das nicht so recht die neurechten Diskurse aus den USA hier der Leserschaft anzudrehen. Was soll das denn heißen? Jeder, der von einem volksdeutschen Schlechtmenschen eine Handgranate ins Flüchtlingsheim geworfen bekommt, möge sich bitte erstmal in Eigenverantwortung üben? Keine Ahnung, was uns der Autor (also du) damit sagen möchte.

    Und diese Nummer mit den Happy Holidays stimmt in der Form nicht. Es mag sein, dass es deine Erfahrung in der Firma war, aber generell gibt es dort kein Verbot „Merry Christmas“ zu sagen. Donald Trump hat genau das im Wahlkampf behauptet. Nur: es stimmt nicht. Von wegen Postfaktisch und so. Hier der Link zur Story: https://www.nytimes.com/2016/12/19/us/war-on-christmas-controversy.html?_r=0

    • Hi Chris,
      weiß nicht was dir über die Leber gelaufen ist aber weder lese ich etwas von Breitbart, noch interessieren mich neurechte Diskurse aus welchen Ländern auch immer.
      Ich finde es kritisch, dass du Eigenverantwortung mit Egoismus oder einer Ablehnung von Verantwortung für andere Menschen gleichsetzt. Für sich selber Verantwortung zu übernehmen und stets zu versuchen das beste aus einer Situation zu machen, Vorzusorgen und sich erst Fragen: „Was kann ich selber ändern?“ anstatt die Verantwortung abzuschieben sind für mich wichtige Aspekte von Eigenverantwortung. Um deine Metapher aufzugreifen, die übrigens vollkommen fehl am Platz ist, würde sich Eigenverantwortung von Egoismus in der Flüchlingsdebatte ungefähr wie folgt abgrenzen. Egoismus: „Ich will keine Flüchtlinge hier haben. Das ist unser Land und deren Kultur passt hier nicht rein. DIE POLITIK SOLL ENDLICH WAS MACHEN!“.
      Eigenverantwortung: „Ich sehe ein Problem bei der Immigration und fürchte, dass die Kultur von vielen Flüchtlingen nicht konform mit meiner geht. Anstatt aber die Verantwortung dafür auf die Politik zu schieben, übernehme ich selber Verantwortung. Ich gehe auf Betroffene zu und engagiere mich. Dadurch helfe ich bei der Integration.“ Unterschied klar?
      Wir können gerne trefflich über das Thema diskutieren aber bitte nicht auf diesem Niveau.

      Was Donald Trump im Wahlkampf behauptet hat, habe ich nicht im Detail verfolgt und die Debatte nicht mitbekommen. Natürlich gibt es kein „Verbot“ Merry Christmas zu sagen. Dennoch habe ich die Situation genauso erlebt und sie geschildert. Wir hatten sogar ein Schulungsvideo, in dem genau dieser Aspekt zur Sprache kam. Privat habe ich die Amerikaner in New York als unglaublich offen kennengelernt, im „professional life“ ist man aber sehr vorsichtig, niemanden vor den Kopf zu stoßen. Warum du also behauptest, ich würde die Unwahrheit erzählen, ist mir also unklar.

      Pascal

      • Als Ergänzung noch: Hättest du nicht nach dem ersten Teil des Artikels abgebrochen, hättest du vielleicht noch die Differenzierung zwischen Eigenverantwortung und Schuld mitbekommen.

  6. Hallo Pascal,

    super motivierender Artikel. Von William James wusste ich vorher noch nichts. Sein Lebensverlauf klingt ja sehr spannend und interessant. Ich denke da werde ich weiter recherchieren.
    Die Eigenverantwortung finde ich so wichtig im Leben. Mit dieser lässt sich viel positives entwickeln. Wenn Menschen erkennen, was sie selbst beeinflussen können, dann ist das schon ein erster Schritt in eine bessere Welt. Leider sehen manche jedoch nur das was sie nicht bestimmen können und fühlen sich daher fremdbestimmt. Zu schnell wird dann den Umständen oder anderen Menschen die Schuld an der eigenen Misere gegeben. Ich hoffe du erreichst mit deinen Artikel viele Menschen!
    Danke dafür.
    Viele Grüße Markus (MDFIRE2024)

    • Hallo Markus,

      Besten Dank für deinen Kommentar!

      Absolut, die meisten Menschen wären überrascht wie viel selber verändern können, wenn sie endlich Verantwortung übernehmen würden.
      Ich habe mal gelesen, dass man als Ritual jeden Morgen sein Bett machen sollte. Denn was der Tag nach dem Aufstehen bringt, liegt nicht in der eigenen Hand. Doch das was man kontrollieren kann, sollte man in die Hand nehmen. Das Geschehen kann man nicht kontrollieren aber die Reaktion darauf schon. Mein Bett mache ich zwar trotzdem meist nicht aber die Moral hinter der Geschichte finde ich gut 😉

      Beste Grüße
      Pascal

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