AnotherWeek

Herzlich Willkommen zur neuesten Ausgabe von Another F*cking Week!

Was ein Auf und Ab an der Börse! So richtig scheint sich der Markt noch nicht einigen zu können, ob der längste Bullenmarkt der Geschichte ins nächste Kapitel übergehen soll oder ob erstmal Schicht im Schacht ist. Insbesondere die Tech-Werte haben eine ordentliche Watschen abbekommen. Amazon mittlerweile mit einer P/E Ratio unter 100? Wenn das mal kein Schnäppchen ist…

Spaß beiseite, wer sich mal einen 3-Jahres-Chart der einschlägigen Verdächtigen anschaut (was ich grundsätzlich ja nie empfehle…), der wird schnell feststellen, wie hoch die Bewertungen noch immer sind. Insofern lässt sich das Ganze auch entspannt unter „gesunde Korrektur“ ablegen.

Derweil gab es am Dienstag gemischte Gefühle: Während sich meine gebeutelten Under Armour Anteile wie ein Phönix aus der Asche erhoben, ging es bei GE weiter ins bodenlose…

Finanzthema der Woche

Was ist eigentlich „Fuck You Money“? Und vor allem: Ab welcher Summe kann ich mich als ehrenwertes Mitglied im Fuck You Club bezeichnen? Diese und ähnliche Fragen sind in den letzten Wochen öfter aufgekommen.

Vor einiger Zeit habe ich einen Artikel mit dem Titel „Das Fuck You Privileg“ geschrieben. Zwischenzeitlich wurde der Titel zwar von einem zwielichtigen Blogger in ein eBook verwandelt, welches vermutlich die Nullen und Einsen auf denen es geschrieben ist, nicht wert ist, dennoch bleibt es dabei: „Fuck You“ sagen zu KÖNNEN ist ein Privileg. John Goodman würde sagen: „A wise man’s life is based around fuck you“.

Das bringt uns zurück zur Ausgangsfrage und es wird schnell deutlich, dass Fuck You Money keine konkrete Summe Geld sein kann. Es ist eher ein Konzept, ein Way of Life. Sicherlich ist dieses basierend auf Geld, doch es als eine bestimmte Summe mal Mittelfinger zu bezeichnen, würde der Sache keineswegs gerecht werden.

Das erste Mal verspürte ich die „fuck you money vibes“ als Kind in der Grundschule. Ich kam in dem Genuss meiner ersten D-Mark Taschengeld. Pure Freiheit. Pure Macht. Das geballte Glücksgefühl des Kapitalismus. Alles widergespiegelt in einer silbernen Deutschen Mark. Ab jetzt musste ich nicht mehr meine Mutti anbetteln, wenn ich ein Center Shock Kaugummi haben wollte, ich konnte es selbst erwerben. Der Kiosk war damals ein Ort, an dem sich der Wert meines Taschengeldes manifestierte. Eine Woche Taschengeld sind fünf Center Shock Kaugummis mit saurer Füllung oder 20 Standard-Kaugummis, die nur je eine Minute lang schmecken. Spare ich jedoch drei Wochen, so kann ich sogar ein Mickey Maus Heft oder Frühlingsrollen vom Chinesen auf dem Wochenmarkt erstehen. Eine weitere Woche und eines dieser Modellflugzeuge, die man fliegen lassen kann, ist im Budget.

Die Krux: Während mein bester Freund, mit dem ich den gleichen Vornamen teile, stets sein Taschengeld sofort ausgab, ging von meinem Taschengeld fast nie etwas über den Kiosktresen. Den Gedanken, dass ich nach dem Erwerb eines Mickey Maus Heftes wieder bei fünf Center Shocks anfangen müsste, schmerzte mir zu sehr. Es kam einer Art Machtverlust gleich. Mit der Ausgabe würde auch gleichzeitig ein Stück meiner Freiheit verloren gehen. Davon war ich überzeugt. Mein Großvater nannte mich einen scherzhaft einen Geizhals. Heute nennt er mich, weniger scherzhaft, einen Großkapitalisten. Beides kann ich so nicht bestätigen.

Sobald ich arbeiten durfte, habe ich gearbeitet. Während des Studium hatte ich stets eine Werkstudentenstelle. Schulden machen, und sei es auch nur bei der Familie, wäre mir nie in die Gedanken gekommen. Mir wurde von Kommilitonen vorgeworfen Stipendien zu haben, die sie selber viel eher benötigen und verdienen würden. Dem konnte ich nur zustimmen. Der Unterschied war: Ich habe mich auf alle möglichen Stipendien beworben. Sie sich auf kein einziges.

Mein erster Job nach dem Studium war nicht mein absoluter Traum. Die ersten Monate habe ich gehasst. Doch nachdem ich mir drei Netto-Gehälter angespart hatte, wurde ich gelassener. Meine Ausgaben hatten sich seit dem Ende der Studentenzeit kaum gesteigert. Wenn ich von heute auf morgen keinen Job mehr gehabt hätte, könnte ich vier oder fünf Monate ohne Probleme auskommen. Dann waren es irgendwann ein halbes Jahr, ein ganzes Jahr, zwei Jahre. Mein Fuck You Money wuchs beständig und es steigerte meine innere Freiheit enorm.

Denn eines ist wichtig: Beim Fuck You Money geht es nicht so sehr darum „fuck you!“ zu sagen, sondern viel eher um die tatsächliche Möglichkeit es tun zu können, wenn es notwendig werden würde. Wie viele Menschen sagen: „Wenn mein Boss mich noch einmal am Samstag ins Büro klingelt, dann geige ich ihm meine Meinung und kündige!“? Die meisten davon kriechen am nächsten Samstag jedoch wieder hin und buckeln. Sie können es sich nicht leisten „fuck you“ zu sagen.

Die reine Möglichkeit macht freier. Sie lässt einen gelassener werden. Das Worst Case Szenario im Beruf wird deutlich less worse.

Auch geht es nicht darum, sich sein Fuck You Money aufzubauen, dann den Mittelfinger auszustrecken und zu chillen. Ganz im Gegenteil, mit Fuck You Money im Hintergrund lassen sich mehr Risiken eingehen. Du willst den Job wechseln, eine Auszeit nehmen, auswandern? Mit einem finanziellen Fangnetz ist das deutlich einfacher.

Fuck You Money ist keine Summe – it is a way of life, my friend!

Tweet der Woche


AAAAAAHHH – Halloween ist besonders gruselig dieses Jahr!!

USA Lektion der Woche

Wer, wie ich, stets mit den coolen Kids auf dem Pausenhof abhängen möchte, der muss immer über den aktuellsten Scheiß informiert sein. Was ist hot hot hot am Markt, und was ist not? Immer am Puls des Marktes, immer auf dem live Day-Charts gallopieren, stets den kommenden Trend forecasten. Das muss das Motto sein.

Wer kein Master of Trend (M.Sc only, bitte kein M.A. – das ist was für Waldorf-Kids) besitzt, tritt schnell in Fettnäpfe. Erst neulich kam einer an und raunte mir zu „Hey Kid, Bitcoin: So hot right now!“. Oh man, so 2017. So uncool. Blockchain ist mittlerweile wieder was für Nerds und deinen Onkel, der sich von seiner Automatenabhängigkeit kuriert. Vergiss es.

Es ist aber zugegebenermaßen nicht einfach. Trends kommen und gehen derzeit Schlag auf Schlag. Da kommt Otto-Normalverbraucher nicht mehr mit.

Die Hippen Investoren-Boys and -Girls unter euch da draußen wissen es längst: Das heiße next big thing lautet Gras!

„Marijuana?“, mag sich das ein oder andere ältere Semester jetzt fragen, „das hatten wir doch schon in den Sechzigern!“. Das mag sein. Aber jetzt gibt es das Gleiche in legal!

Seit einige US-Bundesstaaten Marijuana legalisiert oder teilweise legalisiert haben, wittern eine ganze Reihe an neugegründeten Unternehmen das große Geschäft. Tatsächlich dürfte der Markt für Gras beträchtlich sein. Schließlich besorgen sich ab sofort nicht mehr nur Studenten ein Tütchen beim Dealer des Vertrauens, nein auch Tante Elsa kann ganz entspannt beim DM was für einen gelungenen Abend einholen. Tatort & Chill.

Eine der wildesten Spekulationen gab es um das Unternehmen Tilray, welches zwischenzeitlich um die 18 Milliarden US-Dollar wert war. Obwohl es außer einer Idee und einem Lagerhaus eigentlich nicht sooo viel vorzuweisen hat. Die sogenannten Pot-Stocks sind also der letzte Schrei unter Millenial-Spekulanten und Glücksrittern.

Aber glücklicherweise gibt es auch noch seriöse Player auf dem Markt. Dan Bilzerian, besser bekannt als „King of Instagram“ hat mit Ignite seine eigene Cannabis Unternehmung gestartet und auch bereits den IPO angekündigt. Auf Instagram ist sehr gut dokumentiert, wie hart der ehrbare Geschäftsmann für seine künftigen Aktionäre schuftet. Sein Partner „Lil Dickey“ verleiht dem künftigen Börsen-Superstar zusätzliche Seriösität und schafft gleichzeitig den notwendigen Markt…

Das Fuck You der Woche

Der Award Fuck You der Woche war eine beliebte Kategorie auf fyoumoney. Die Awardverleihung an Mick Knauff ist noch immer einer der meistgeklickten Artikel. Verliehen wurde der Award regelmässig an den grössten Non-Sense in der Finanzszene.

Ich bin großer Fan der Netflix Serie „Black Mirror“. Die Macher dieser Sendung verstehen es extrem gut den Zuschauer in die Irre zu führen und teilweise absurde Science-Fiction Parallelwelten zu schaffen. Immer dabei: Eine Portion Gesellschaftskritik, die zur Selbstreflektion einlädt.

Diese Woche musste ich feststellen: Teilweise ist Black Mirror schon kein Science Fiction mehr. Und das macht Angst.

Eine Folge, die mir noch lebhaft in Erinnerung geblieben ist, trägt den Titel „Nose Dive„. Im Grunde geht es um eine Welt, in der Jeder Jeden bewerten kann. Einfach per Smartphone. Quasi Yelp für Menschen. Jede Interaktion wird bewertet. Mein Nachbar Hans hat seinen Hund mal wieder auf meinen Rasen kacken lassen? Down-Vote! Peter veröffentlicht eine neue hausgemachte Aktienanalyse auf Facebook? Down-Vote! (mmh, klingt eigentlich ganz charmant…). Die Eis-Verkäuferin schenkt mir ein süßes Lächeln? Up-Vote und 5 Sterne!

So wie ein schlechtes Yelp-Rating die Lebensgrundlage eines Restaurantbesitzers zerstören kann, beeinflusst auch das soziale Rating in der Serie das Leben der Menschen beträchtlich. In der Episode beispielsweise kann man in gewisse Nachbarschaften nur mit einem Rating über vier Sternen ziehen. Je höher das Rating desto günstiger ist es, ein Mietwagen auszuleihen. Die Mitmenschen reagieren komplett anders auf dich, wenn du ein schlechtes Voting hast. Die Hauptdarstellerin wird gar von der Hochzeit einer Freundin ausgeladen, weil diese sich nicht mit einer Person mit so schlechten Bewertungen blicken lassen möchte.

Die Folge ist sehr gut gemacht und ich habe danach noch lange darüber nachgedacht. Es klingt alles absurd. Und dann wiederum sind die technischen Voraussetzungen eigentlich doch schon da.

Diese Woche habe ich mal wieder einen Podcast von NPR gehört und musste feststellen: In China wird Black Mirror jetzt Wirklichkeit.

In den USA gibt es den sogenannten Credit Score, der Auskunft über die Kreditwürdigkeit einer Person gibt. In China gab es so etwas lange nicht. Jetzt soll ein ähnliches System eingeführt werden…allerdings geht es noch ein Stück weiter.

Der sogenannte „Social Credit Score“ vergibt Punkte basierend auf dem sozialen Verhalten einer Person. Jeder startet mit 1.000 Punkten. Wer ein Darlehen nicht zurückzahlt bekommt Punktabzug. Hundescheiße nicht entsorgt? Minus 10 Punkte. Mit dem Auto ein Stop-Schild missachtet? Minus 100 Punkte. Eine Spende getätigt? Plus 10 Punkte, usw…

Der persönliche Score hat massive Auswirkungen auf das Leben des Einzelnen. Ein Chinese konnte beispielsweise ein Darlehen nicht zurückzahlen. Als Folge sank sein Social Credit Score und er fand sich auf einer Blacklist wieder. Anschließend konnte er kein Flugticket mehr buchen. Auch der Schnellzug blieb ihm verwehrt. Schließlich seien dies Luxusgüter, die einem Schuldner nicht zustehen. Wer ihn anruft, erhält zunächst eine automatische Warnnachricht, ihm nicht zu trauen. Sogar auf öffentlichen Bildschirmen, tauchte sein Gesicht auf – er sei nicht vertrauenswürdig und mit Vorsicht zu begegnen.

Das Ziel: Sozialer Druck. Und der ist gewaltig. So können gar „Nachbarschafts-Wächter“ Strafpunkte verteilen, für unsoziales Verhalten.

Schöne neue Welt.

Das Buch der Woche

Meditations – Marcus Aurelius

Eine Tradition, die ich seit einigen Jahren pflege kommt in ein paar Wochen wieder zum Tragen. Jedes Jahr lese ich im Dezember „Meditations“ von Marcus Aurelius. Meine Lieblingsversion ist dabei die Übersetzung von Gregory Hays.

Kennst du dieses Phänomen, wenn du ein Buch liest, es dich von Anfang an mitnimmt und dir danach monatelang nicht aus dem Kopf geht? Meditations war so ein Buch für mich. Klar müssen für einen solchen Effekt immer auch die Rahmenbedingungen stimmen. Wäre ich beim Lesen in einem anderen Gemütszustand oder einer anderen Phase in meinem Leben gewesen, wer weiß, vielleicht hätte ich das Buch gelangweilt zur Seite gelegt.

Meditations oder in der deutschen Übersetzung „Selbstbetrachtungen“ sind im Grunde die literarischen Hinterlassenschaften des römischen Kaisers Marc Aurel (121-180 AD). Dabei handelt es sich weniger um eine Niederschrift, als viel eher um eine Art Selbstgespräch, in dem Marc Aurel seine Sicht auf die Welt darlegt. Es liest sich in der Tat auch eher wie Aneinanderreihung vieler Tagebucheinträge und ich bin mir nicht mal sicher, ob Aurel die Veröffentlichung jemals vorgesehen hatte.

Grundlage Aurel’s Philiosophie ist der Stoizismus: Eine philosophische Säule, die auf Akzeptanz, emotionaler Selbstbeherrschung und dem gelassenen Streben nach Weisheit beruht. Das klingt etwas abstrakt aber kurzum geht es darum zu akzeptieren, was man nicht ändern kann und sich stattdessen auf den minimalen Einflussbereich, dem einem gegeben ist, konzentriert.

Fasziniert hat mich beim Lesen, wie kontemporär and aktuell Aurel’s Gedanken erscheinen, auch wenn er sie vor fast 2.000 Jahren niederschrieb. Seine Ausführungen appellieren an die Tugend der Selbstbeherrschung und Eigenverantwortlichkeit, die auch heute aktuell wie nie sind. Ich weiß nicht, ob ich mich als Stoiker bezeichnen würde, doch es ist ein erstrebenswertes Ziel.

Es lässt sich wahrlich nur schwer erklären, doch wer neugierig ist, dem kann ich das Werk nur wärmstens ans Herz legen. Moderne Übersetzungen ermöglichen den Zugang zu diesem Werk auch ohne, dass das Lesen zur Qual wird.

Nach dem Lesen hatte ich übrigens ein wenig recherchiert und fand prominente Fans von Aurel’s „Selbstbetrachtungen„. So sollen Friedrich II., Helmut Schmidt, Theodore Roosevelt und Bill Clinton zu seinen Anhängern gehören.

Mir hilft es zum Jahreswechsel hin immer etwas Gelassenheit und Selbstreflektion einkehren zu lassen.

 

Wie immer freue ich mich über Feedback, Kommentare oder gerne auch Link-Tipps für die nächste Ausgabe und verbleibe ansonsten mit besten Wünschen für ein angenehmes Wochenende!

Würde mich ebenso freuen, wenn du dich für den Newsletter eintragen würdest!

Cheers.

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12 Kommentare

  1. Moin,

    mittlerweile ist deine Another Fucking Week Serie das qualitativ hochwertigste (neben einigen gut recherchierten Artikeln von Kollege Kissig) in der Finanzblogwelt.;)

    … amüsant und voller Satire, ich hoffe das bleibt so…ohne daß es irgendwann in reiner Eigenwerbung ausartat. Obwohl, Bücher zum Fuck you Money sind ja mittlerweile am Markt erhältlich.;))

    LG
    Djerun

    PS: Beruflich bist du wahrscheinlich im IT-Umfeld unterwegs?

    • Hi Djerun,

      Besten Dank, freut mich. Eigenwerbung liegt mir nicht – außer ich würde den Autor des Buches verklagen und Lizenzgebühren erhalten, dann würde ich vllt das ganze bewerben 😉

      Nicht ganz – ironischerweise bin ich in der Beratung tätig und erstelle Konzernjahresabschlüsse.

      Beste Grüße

    • Haha genau. Ich meine ich habe den Begriff Fuck You Money ja nicht erfunden aber den Titel “Das Fuck You Privileg” zu mopsen, ist schon frech.

  2. Servus, schön wie du das FuckYou Money beschreibst. Was hältst du von einem Bedingungslosen Grundeinkommen? Das wäre für viele ja auch eine Art FuckYou Money, die dazu führt, dass viele Leute gelassener durchs Leben gehen können und auch mal das Risiko bspw. einer Unternehmensgründung eingehen können.

    • Hi Simon,

      Bedingungsloses Grundeinkommen, da habe ich eine zeitlang mal drueber nachgedacht. Auch einige Interviews und Blogeinträge zum Thema gelesen.
      Die Diskussion wird teils passioniert geführt. Das bedingungslose Grundeinkommen als Allheilmittel? Scharen von Langzeitarbeitslosen, die sich aufeinmal ermutigt fühlen ihr eigenes Start-up zu gründen? Tante Erna putzt weiter leidenschaftlich Toiletten und das ganze finanziert sich quasi von selbst durch Bürokratieabbau?
      Das halte ich für blau-äugig. Ich glaube beim bedingungslosen Grundeinkommen ist es wie immer beim Geld: Es ändert nicht den Charakter eines Menschen, 1000 Euro im Monat machen niemanden zum Entrepreneur und wer mit 1000 Euro ein erfolgreicher Unternehmer wird, der wird auch einen Weg ohne finden. Andersherum kündigt kaum jemand eine vielversprechende Karriere im Hamsterrad für 1000 Moneten.
      Auch das sich der Geldsegen nicht inflationär bemerkbar machen würde, kann ich mir nicht vorstellen.
      Als soziales Experiment finde ich es spannend, ob es umsetzbar ist – da bin ich skeptisch.

  3. Ich liebe FuckYou Money!! Ich habe den Begriff bei Dan Lok das erste Mal gehört und mir direkt sein gleichnamiges Buch gekauft. Ich glaube, die Möglichkeit, fick dich sagen zu können ist eine der größten Freiheiten überhaupt. Vor allem löst FU Money in mir viel stärkere Emotionen aus als „Finanzielle Freiheit“. Bei FU Money weiß ich genau was ich meine und das werde ich mir holen! (Das ist der erste Beitrag den ich hier lese, hast auf jeden Fall einen neuen Leser gewonnen!)

    Danke für den Beitrag!!

    • Hey Julius,

      Willkommen an Board!

      Ich stimme dir absolut zu: Das Konzept vom Fuck You Money hat mit mir stets deutlich mehr resoniert als die Finanzielle Freiheit. Es kommt ja letztlich vermutlich auf das selbe hinaus: Geld verdienen, weniger Geld ausgeben, Investieren. Aber die finanzielle Freiheit ist für mich noch immer abstrakt. Als Ziel natürlich ausgesprochen attraktiv, wenngleich für viele Durchschnittsverdiener vielleicht auch so utopisch, dass es schnell abschreckt. Dazu kommt: Was soll den finanzielle Freiheit sein? Das große Nichtstun? Klingt nach Sterben auf Raten mit goldenem Löffel in der Futterluke. Es ist ein Konzept, das die Wünsche in eine ungewisse Zukunft verschiebt. Es ist ein Konzept, welches mutig klingt aber sich eigentlich viel eher für Angsthasen eignet. Warum ist es eine große Leistung 50% zu sparen, sich am Abend stolz ne Dose Bohnen reinzupfeifen und im Kopf die Tage zum Ruhestand zu zählen? Die Finanzielle Freiheit ist ein Rahmenkonzept, an sich inhaltslos und erst durch den jeweiligen Anwender mit Leben zu füllen.
      Für mich setzt Fuck You Money viel früher an. Es ist ein Mindset, welches zwar auch auf den Vermögensaufbau setzt aber eine andere Beziehung zum Geld aufbaut. Der Fan der finanziellen Freiheit sieht Geld als sein oder ihr Ticket heraus aus der Knechtschaft des Angestelltenwesens. Irgendwann. Nur fleissig weiter strampeln. Irgendwann wird die Milch zur Butter. Und dann klettern sie aus dem Eimer, der ihr Leben darstellt. Und fallen aufs Gesicht.
      Warum? Weil sie sich jahrzehntelang monetär überlegen gefühlt haben aber eigentlich nicht anders agiert haben, als Konsumenten von den bösen „Clown Autos“. Nur das sie keine Autos und Reisen konsumiert haben, sondern ihre besten Jahren mit der Aussicht eines Tages „frei“ zu sein. Ohne Plan. Ohne Konzept. Ohne Strategie. Es gibt so viele Bücher über finanziell freie Menschen oder solche, die es mal werden wollen. Bei vielen von diesen Menschen lässt mich der Eindruck nicht los, dass das Ziel der finanziellen Freiheit viel eher eine Ausweichstrategie ist.
      Fuck You Money betont ein nützliches Verhältnis zum Vermögen im Hier und Jetzt. Natürlich geht es auch um Freiheit. Aber auf diese muss man nicht erst warten. Es geht darum zu realisieren, dass Geld treuster Verbündeter sein kann und du deinen treuesten Verbündeten nicht gegen einen Kaffee mit Syrup tauschst. Außerdem brauchst du keinen sechsstelligen Verbündeten um seine Vorteile zu nutzen.
      Fuck You Money, bereits im kleinen Maßstab, schafft Freiräume. Diese muss man sich natürlich hin und wieder auch nehmen. Fuck You Money bedeutet ein Leben, das ein wenig mehr nach deinen Regeln verläuft – und im Endeffekt meist damit bewirkt, dass sich das Geld sogar noch mehrt. Risiken eingehen ist nichts für Fans der finanziellen Freiheit. Sie pressen lieber die Arschbacken zusammen: „Noch 8,5 Jahre dann bin ich frei“…
      Cool cool, ich nehme lieber beim Fuck You Money und bin heute frei. Wechsel meinen Job, wenn ich es für angemessen halte. Ziehe ins Ausland, wenn ich das gut finde. Nehme eine Auszeit, wenn ich Lust darauf habe. „Ja, aber du wirst ewig Sklave des Geldes bleiben!!“ – Falsch. Du bist Sklave des Geldes, weil du eine schlechte Einstellung zum Geld hast. Du denkst, nur weil du mit 50 Jahren genug im Depot hast, bist du frei und unabhängig vom Geld? Interessant. Und absurd. Geld ist nur ein Medium. Ich habe kein Problem damit bis ins höhere Alter nach Geld für meine Dienstleistungen zu fragen. Das ist kein Sklavendasein. Wer sein Fuck You Money sinnvoll nutzt schafft sich Skills und Erfahrungen an, die immer gefragt sein werden. Ich finde es gut nach Geld als Gegenleistung für meine Fähigkeiten zu fragen. Wenn meine Fähigkeiten mir keinen Spaß mehr machen, na dann nutze ich mein Fuck You Money und eigne mir neue Fähigkeiten an. Das macht auf Dauer glücklich und wahrlich unabhängig.
      Fuck You Money ist Opportunitätsorientiert. Finanzielle Freiheit ist Vermeidungsorientiert.

  4. Danke für deine regelmäßigen Beiträge, darauf freue ich mich jede Woche:-)

    Ich könnte bereits viele Jahre ohne Gehalt auskommen Solange ich jedoch noch nicht dauerhaft vom Vermögen leben kann, will noch kein richtiges FY Gefühl aufkommen.

    Ich habe ca. vor einem halben von der derzeitigen Entwicklung in China gehört und wollte es zunächst gar nicht glauben.

    • Hey Ruben,

      das Fuck You Gefühl äußert sich nicht immer gleich in der kompletten Freiheit. Viel eher in tagtäglicher Freiheit. Die Freiheit muss man sich aber auch ab und zu nehmen. Why have fuck you money if you never say (oder „think“) fuck you?

      😉

  5. Erstmal: gut geschrieben! Danke! Und zum 2.: Vor 8 Jahren Kamingespräch für angehende Führungskräfte mit einer erfahrenen Kollegin aus der Top-Etage. Auf die Frage, was man dringend als frischgebackene Führungskraft brauche, antwortete sie nicht das übliche… sie empfahl uns ein „Scheiß-Egal-Konto“ -> SEK 🙂 … aus den oben im Beitrag genannten Gründen…und jetzt macht das manchmal wieder richtig Spaß zu arbeiten…

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