AnotherWeek

Herzlich Willkommen zur neuesten Ausgabe von Another F*cking Week!

Uff, eine weitere Woche geschafft. Kam mir recht kurz vor, was wohl an nur vier deutschen Börsentagen gelegen haben muss. Das hat der Dow am gleichen Tag sofort ausgenutzt, um mit einen neuen Rekord in den Handel zu starten. Ohne die schwarzmalerischen Frankfurter geht das vielleicht einfacher?

Wie auch immer, hier sind meine Highlights dieser Woche!

Finanzthema der Woche

General Electrics lebt….noch? (oder auch: das Ende der Konglomerate)

GE Aktionäre haben dieser Tage nicht viel zu lachen. Mit dem Aktienkurs geht es kontinuierlich bergab. YTD verzeichnen die Papiere ein Minus von mehr als 30%. Aus der 12-Monats Betrachtung ergibt sich sogar ein Verlust von über 50%.

Was ist geschehen mit dem einst so stolzen Industrie-Konglomerat und Dividendengaranten?

GE kann seine Historie bis zu Thomas Edison zurückverfolgen, hat vom Toaster über Kraftwerke bis hin zu Lokomotiven so ziemlich alles produziert was mit Strom in Berührung kommt und mit Jack Welch einen der berühmtesten CEOs aller Zeiten gehabt. Bei Dividendenaktionären hat sich die Aktie einmal hoher Beliebtheit erfreut. Ein sicherer Zahler mit stabilem Geschäft. Wenn es bei Windturbinen mal nicht lief, lief es dafür bei Kühlschränken und Mikrowellen um so besser. Ein breit aufgestelltes Konglomerat suggerierte Stabilität.

In den letzten Jahren zeigt sich zunehmend: Diese Rechnung geht heute nicht mehr auf. In einem wirtschaftlichen Umfeld, welches von Globalisierung, digitalem Wandel und den Herausforderungen der Energiewende geprägt ist, gerät die Struktur eines Konglomerats zum Nachteil. Solche Giganten lassen sich nur schwer managen. Veränderungen brauchen Zeit. Agilität versumpft in eingefahrenen Strukturen. Dem Management fehlt es an Fokus. Stärken lassen sich nicht voll ausnutzen, Schwächen brodeln unbeachtet an die Oberfläche.

In meinem Geschäftsumfeld sehe ich einen klaren Trend: Das Ende der Ära der Konglomerate. Divestitures und Spin-Offs boomen. Soll heißen: Konzerne schrumpfen sich wettbewerbsfähig. GE’s deutscher Konkurrent Siemens musste das auch einsehen – und kann sich hier vielleicht auf die eigene Schulter klopfen es frühzeitiger als GE getan zu haben. Die Liste von Siemens Divestitures ist lang. Dazu kommen, vielleicht noch wichtiger, eine ganze Reihe an Spin-Offs. Siemens brachte seine Medizintechnik-Sparte unter dem gruseligen Namen Healthineers an die Börse. Bayer hat mit Covestro seine Medizin-Sparte abgespalten und die Deutsche Bank ihre DWS (eher so semi-erfolgreich).

Der Trend befindet sich noch in vollem Gange. VW und Daimler könnten ihre LKW-Produktion abspalten und an die Börse bringen. Bei Conti brodelt es und eine Abspaltung der T-Systems von der Telekom ist auch schon länger im Gespräch. Zudem plant Siemens sein Geschäft mit dem Schienenverkehr mit der französischen Alstom zusammenzulegen. All das wird zusätzlich durch sehr hohe Bewertungen an den Börsen befeuert. Wenn nicht jetzt – wann dann?

Und GE? GE ist sehr spät bei der Party aufgekreuzt. Bei Parties gilt ja häufig: Die coolen Typen kommen immer erst später. Allerdings ist es stets sinnvoll zu erscheinen, bevor der DJ das Licht anknippst…

Der Divestiture-Prozess läuft auf Hochtouren. GE verscherbelt einen Bereich nach dem anderen. Den Aktionären geht es nicht schnell genug. Nachdem am Montag zusätzlich zur erneuten Gewinnwarnung der CEO Flannery mit sofortiger Wirkung durch Lawrence Culp, Jr. ersetzt wurde, sprang der Aktienkurs bis zu 12% in die Höhe. Ein großer Vertrauensvorschuss für einen Manager, der vor einem riesigen Haufen Arbeit steht.

Tweet der Woche


Obwohl natürlich sehr vereinfachend dargestellt, liegt viel Wahres in dieser Daumenregel. Ein Unternehmen, dessen Namen du andauernd auf deinem Bankauszug liest, solltest du nicht ohne weiteres shorten. Nun shorte ich grundsätzlich gar keine Aktien, für mich macht diese Börsenweisheit aber auch aus einer anderen Perspektive Sinn. Es wird dieser Tage viel von Disruption gesprochen. Allen voran scheint Amazon dutzende Industrien gleichzeitig zu disrupten. Als Amazon WholeFoods erwarb, fielen die Aktien von Supermarktketten ins bodenlose. Als Amazon einen winzigen Pharmahändler erwarb, fielen die Aktien von Apotheken-Ketten.

Klar verändert Amazon im Besonderen und e-commerce im Allgemeinen das Geschäftsumfeld vieler Industrien. Einige Unternehmen werden dadurch Geschäft einbußen und andere werden gar komplett von der Bildfläche verschwinden. Für andere werden sich jedoch auch enorme Chancen ergeben. Agilität ist mehr denn je gefragt.

Ich beobachte solche Reaktionen auf „Disruptions-News“ mit besonderem Interesse und kaufe gerne Unternehmen, deren Aktienkurse daraufhin geschlachtet werden, obwohl es sich um scheinbar grundauf gesunde Unternehmen handelt. In diesem Zusammenhang habe ich in der Vergangenheit Target und CVS erworben. Beide Käufe habe ich bisher absolut nicht bereut. Insbesondere Target zahlt seit Ewigkeiten Dividenden und fokussiert sich gleichzeitig auf den Ausbau von e-commerce, sowie einer Modernisierung seiner Geschäfte. Zudem steht WholeFoods überhaupt nicht in direkter Konkurrenz zu Target. Für mich war es also eine gute Kaufgelegenheit. Wird sich an dieser Einschätzung in der Zukunft etwas ändern? Vielleicht.

Target Aktie im 1-Jahres Zeitraum:

USA Lektion der Woche

Leben und arbeiten in New York City geht mit einer Vielzahl an neuen Erkenntnissen einher. Jede Woche möchte ich eine davon vorstellen.

Diese Woche habe ich festgestellt: „Jugend trainiert für Olympia“ wird in den USA mit unlauteren Methoden gefördert! Ein Whistleblower Report an das Olympische Komitee ist bereits im Entwurf.

Bevor ich hier bei AFW KW 40 exklusiv diesen Skandal enthülle, muss ich etwas zum Hintergrund schreiben. Der Fitnesswahn ist in den USA offiziell angekommen. New York City ist dabei wahrscheinlich das Musterbeispiel. Im Gegensatz zum stereotypischen, Burger futternden, Cola saufenden Ami, ist Fitness hier Statussymbol. Viele der Kollegen diskutieren in der Kaffeeküche die letzten Ernährungstrends (Keto ist gerade ganz hot hot hot) und zahlen bereitwillig $170 im Monat für eine Mitgliedschaft im trendigen Equinox Fitnessstudio. „It’s an investment!“ Zum Lunch gibt es entweder Salat, Acai Bowl oder aber, wenn man ganz hart drauf ist, wird sich nur durch spezielle Shakes ernährt. Letzteres sieht ausgesprochen unappetitlich aus, soll aber den optimalen Nährstoffmix bieten. Mein selbstgemachtes Brot ist der mit Butter bedeckte Kohlenhydrat-Teufel. Dafür kassiere ich schonmal bemitleidende Blicke. „Poor boy, that stuff will kill him…“

Aber zurück zum Thema. Mein Gym in Astoria (Atmosphäre: Knast-Innenhof aber eigentlich alle sehr entspannt und nett) hat auch ein Schwimmbecken angeschlossen. Während man also genüsslich seine Deadlifts absolviert, kann man durch eine Glaswand in den Schwimmbereich blicken. Sonntags ist hier Kinderschwimmen angesagt. Und da habe ich es entdeckt! Doping direkt am Beckenrand! Schon für ca. 8-jährige Kinder!

Unscheinbar direkt am Beckenrand ist für jedes Kind ein großer Becher platziert. Man denkt sich zunächst nicht viel dabei. Doch bei genauerem Hinsehen offenbart sich: Jedes 8-jährige Kind hat direkt am Beckenrand einen Venti-Frappucino von Starbucks stehen!

Genial! Während die Kids sportliche Höchstleistungen vollbringen, ist die Versorgung mit wichtigen Mineralstoffen direkt am Beckenrand stets sichergestellt. Schnell über den Beckenrand gelehnt und mit wenigen Zügen am Strohhalm können (laut Starbucks-Website) 84g Zucker für schnelle Energieversorgung konsumiert werden. Dazu kommen 17g Fett und 6g Proteine für die Muckis.

(Ich wollte erst ein Foto zur Beweisaufnahme machen. Doch bevor ich mein iPhone zückte, wurde mir glücklicherweise bewusst, dass ein erwachsener Mann, der Fotos vom Kinderschwimmen macht, durchaus Missverständnisse auslösen könnte…)

Lieber DOSB, ich fordere Sie auf in den Leistungszentren Deutschlands die Schwimmbecken direkt mit Nesquick-Schokomilch zu befüllen. Andernfalls sehe ich für Japan 2020 und darüberhinaus kein Licht für die deutschen Schwimmer!

Das Fuck You der Woche

Der Award Fuck You der Woche war eine beliebte Kategorie auf fyoumoney. Die Awardverleihung an Mick Knauff ist noch immer einer der meistgeklickten Artikel. Verliehen wurde der Award regelmässig an den grössten Non-Sense in der Finanzszene.

Diese Woche geht der Award an die Citibank oder wie sie bei mir mittlerweile heißt: ShittyBank.

An meinem ersten Tag in New York mussten einige Dinge erledigt werden: Papierkram, Social Security Number beantragen und eben auch ein Bankkonto eröffnen. Kein Bankkonto, kein Gehalt und das ist nun wirklich unschön, insbesondere in einer so teuren Stadt. Glücklicherweise stellte mir die Firma eine nette Assistentin zur Seite, die mich den Tag über begleitete. Ein Bankkonto zu eröffnen ist dabei gar nicht mal so einfach, wie gedacht. Wenn man kein US-Amerikaner ist, verlangen die Banken üblicherweise einen Haufen an Nachweisen. Neben dem Visum sind dies üblicherweise ein unterschriebener Mietvertrag und Lohnnachweise der letzten Monate. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich allerdings weder einen Mietvertrag von Lohnnachweise. Laut meiner Assistentin sei die einzige Wahl in diesem Fall die Citibank, da sie schon länger mit der Bank zusammenarbeite und die Angestellten für Expats meines Arbeitgebers ein paar Ausnahmen machen würden. Naja mir war es recht wumpe, so lange mich das Konto nichts kostet.

Der nette Bankangestellte versicherte mir auch, dass mir keine Kosten entstehen würden. Nach einer guten Stunde war die Eröffnung des Kontos dann abgeschlossen und wenige Tage später waren dann auch Debitkarte und Schecks in der Post. Soweit so gut.

Geld konnte ich bequem und enorm kostengünstig per Transferwise von Deutschland auf mein neues Konto überweisen.

Dann begann der Frust. Zunächst einmal ist die App eine Katastrophe, die selten funktioniert und uralt erscheint. Da erwarte ich im Jahr 2018 schon anderes. Das alleine wäre auch noch kein Problem gewesen, schließlich zahle ich ja nichts. Doch dann begann mich das Online-Banking mehrmals auszusperren und zack war mein Account gesperrt. Keine Ahnung warum. Es folgten stundenweise angenehme Plaudereien mit dem indischen Call-Center der Citibank. Mir konnte jedes Mal geholfen werden, doch ein paar Tage später tauchte das Problem wieder auf.

Dann entdeckte ich eines Tages eine $25 Buchung auf meinem Konto, ohne nähere Erläuterungen. Etwas Nachforschung ergab: Die $25 kamen von der Citibank. Daraufhin kontaktierte ich also den Kundenservice der Bank und erklärte, dass ich den Eindruck hatte, das Konto sei kostenlos. Die Dame bestätigte diese Einschätzung, dies gelte allerdings nur, wenn mindestens $10,000 auf meinem Konto liegen. Andernfalls werden jeden Monat $25 fällig. Also tendenziell stolze $300 Kontoführungsgebühren für ein Jahr.

Für mich war das eine absolute Frechheit. Warum sollte ich $10,000 auf einem Konto ohne Zinsen liegen lassen? Das sind ziemlich hohe Opportunitätskosten. Klar, habe ich eine entsprechende Cash-Reserve. Aber ich lasse diese doch nicht auf meinem Checking-Account gammeln, nur weil die Citibank das gerne so möchte!

Jetzt gibt es vermutlich wieder einige Kommentare, dass man den Service eines Bankkontos in Zeiten des Niedrigzinses halt nicht for free erwarten könne. Ich kann dem nicht zustimmen. Jahrzehntelang konnten Banken am Privatkundengeschäft gut verdienen. Jetzt läuft es derzeit halt mal nicht optimal. Dazu kommen extrem gesunkene Kosten auf der Seite der Banken. Insbesondere Direktbanken ohne Filialen sollten einen Kontenservice zu sehr geringen eigenen Kosten anbieten können. Außerdem: Man zahlt immer. Die Bank darf mit meinem Geld arbeiten. Zudem sammelt die Bank sicherlich auch fleissig meine Daten, das digitale Gold des 21. Jahrhunderts. Schlussendlich ist ein Bankkonto auch immer die Einstiegsdroge zu weiteren Finanzdienstleistungen. Wer eine Kreditkarte haben möchte, einen Hauskredit braucht oder ein Business-Darlehen braucht, wird wohl dazu neigen, zunächst bei der eigenen Hausbank anzuklopfen.

Glücklicherweise gilt auch hier: Der Markt regelt. Kostenlose Alternativen mit besserem Service gibt es ohne Ende. Ich bin mittlerweile zu Charles Schwab gewechselt.

Das Buch der Woche

Das Buch der Woche ist diesmal Nassim Taleb’s „Der schwarze Schwan„, sowie Taleb’s neues Buch „Das Risiko und sein Preis – Skin in the Game„.

Taleb’s Name ist wahrscheinlich untrennbar mit „Risiko“ verbunden. Denn darum geht es hauptsächlich in seinen Büchern: Wie verarbeiten und analysieren Menschen Risiken? Und welche Wahrnehmungsfehler unterlaufen uns dabei häufig? Während seine Ausführungen natürlich wunderbar in die Finanzwelt passen, sind sie nicht darauf beschränkt. Schließlich begegnen wir im Alltag allerlei Risiken, die wir unterbewusst einschätzen. Grundsätzlich scheinen wir dabei eine Vielzahl an prominenten Risikofaktoren zu überschätzen (Krebs, Unfall, Überfall), während wir abstrakte Ereignisse mit fatalen Folgen womöglich gar nicht als Risiken ansehen und sie damit systematisch unterschätzen.

Berühmt gemacht hat Taleb wohl der Begriff des „Black Swan“. Er bezeichnet damit ein Ereignies, welches (1) ein absoluter, noch nicht dagewesener Ausreißer ist, (2) enorme Auswirkungen hat und (3) die menschliche Natur dazu veranlasst im Nachhinein Erklärungen für sein Eintreten zu finden.

In den letzten Wochen wurde viel zum 10 jährigen Jubiläum der Lehman-Pleite und damit dem Beginn der Finanzkrise geschrieben. Im Fernsehen liefen Dokus zum Thema. Ich denke die Bezeichnung „Black Swan“ trifft auf die Finanzkrise durchaus zu. Es ist zwar kein nie dagewesener Ausreißer – schließlich gab es Krisen schon immer – aber in seinen Ursachen (Subprime Real Estate Kredite, neuartige Finanzprodukte) sicherlich neuartig. Die Auswirkungen waren ohne Zweifel fatal. Vor allem aber, scheinen wir uns mittlerweile komplett im Klaren zu sein, was die Krise verursacht hat – und wie wir eine erneute Verhindern. In den Dokus, die ich zum Thema gesehen habe, wurde dabei beliebig vereinfacht: Unterschichts-Amis kaufen Villen, Banken sind gierig und zocken mit den wertlosen Hypotheken und BOOM Krise. Vielleicht ein wenig zu einfach?

Wenn ich mich mit Leuten unterhalte, die in den entsprechenden Bereichen arbeiten, wird schnell deutlich: Wir verstehen vieles aber nicht alles. Wir haben viele Vorkehrungen und Risikomanagementsysteme etabliert aber ob diese eine ähnliche Krise verhindern würden, ist unklar. Spannend ist dazu auch ein gut geschriebener Artikel von McKinsey.

Taleb’s neues Buch geht den logischen nächsten Schritt. Nach der Finanzkrise mussten wir feststellen, dass diejenigen, die sie verursachten oder zumindestens fahrlässig handelten, nicht dafür geradestehen mussten. Banken konnten enorme Risiken eingehen und wurden mit Steuergeldern gerettet. Ähnliche Zusammenhänge lassen sich bei vielen Menschen und Institutionen feststellen: Sie haben kein „Skin in the Game“ – sie müssen die Folgen ihrer Entscheidungen nicht tragen. Das bedingt einen Hang zum Risiko und ein fehlerhaftes Anreizsystem. Taleb zeigt, wie darauf aufbauend Risikomanagementsysteme grundlegend verändert werden müssen.

 

Wie immer freue ich mich über Feedback, Kommentare oder gerne auch Link-Tipps für die nächste Ausgabe und verbleibe ansonsten mit besten Wünschen für ein angenehmes Wochenende!

Würde mich ebenso freuen, wenn du dich für den Newsletter eintragen würdest!

Cheers.

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