AnotherWeek

Herzlich Willkommen zur neuesten Ausgabe von Another F*cking Week!

Erstmal allen Lesern ein frohes neues Jahr mit den besten Wünschen für das Börsenjahr 2019. Oder wie Christian Röhl es sagen würde, die 5 G: Glück, Gesundheit, Genuss…und gute Geschäfte.

Ein großer Fokus liegt für mich dabei auf dem „G“ für Gesundheit. Die beste Rendite bringt bei fehlender Gesundheit herzlich wenig und andersherum ist jeder Börsencrash relativ harmlos, solange man bei bester Gesundheit ist. 

Die Pause zwischen Weihnachten und Neujahr nutzen viele Menschen gerne zur Reflektion und dem Setzen von neuen Zielen für das nächste Jahr. Das ging bei mir dieses Jahr wunderbar, da ich mich mit der Familie in eine einsame Hütte auf einem Berg in den Dolomiten zurückgezogen habe. Kein Wifi, kein Fernseher, einfach nur Ruhe und Zeit zum Nachdenken vorm knisternden Kaminfeuer. Action gab es beim Schlitten- und Skifahren allerdings auch.

Wohl denjenigen, die während der Feiertage nicht auf die Kurse gestarrt haben. Es ging munter bergab und wieder bergauf und dann wieder bergab. Am Ende vollkommen unwichtig. Wer sich die Tage bei Familie und Freunden durch den Markt versauen lässt, muss noch viel über den langfristigen Vermögensaufbau lernen. Vermögen ist für mich der Inbegriff von Gelassenheit. Mein Fuck You Money. Meine Motivation für das Sparen und Anlegen ist doch gerade eine größere Unabhängigkeit und die Gelassenheit, die einsetzt, wenn ich weiß, ich könnte jeder Zeit den Mittelfinger recken. Wie kontraproduktiv wäre es dann, mit diese Gelassenheit von ein paar Kursschwankungen kaputt machen zu lassen?

In den letzten Wochen war viel Bewegung im Markt. Einige Leser schrieben gar leicht panische Nachrichten. Sollte man nicht doch verkaufen, bevor es ganz dick kommt? 

Nein. Natürlich nicht. Man lässt sein Depot schön in Ruhe und kauft am besten stetig nach. Ich bin kein Day-Trader. Ich brauche keine Liquidität aus meinem Depot. Ich investiere kein Geld, das ich mittelfristig benötigen könnte in Eigenkapital. Warum sollte ich also bei einem zwischenzeitlichen Abschwung an den Märkten verzweifeln? 

Dazu kommt, dass viele Privatanleger zu sehr auf das Minus im Depot starren. Das ist verständlich, schließlich sind Verluste oder auch Gewinne hier jeder Zeit sekunden-aktuell abzulesen. Dabei sind die absoluten Verluste insbesondere bei jungen Anlegern auf den ersten Blick erschreckend, auf dem zweiten aber harmlos. Sagen wir, du arbeitest seit ein paar Jahren und baust dir stetig dein Aktiendepot auf. Go you! In den letzten Jahren war das stets mit Kursgewinnen verbunden. Vielleicht hast du gar ein paar Gewinne realisiert. Du hast ein Portfolio von 40.000 Euro aufgebaut. Darauf kannst du stolz sein. Dann kommen mehrere schwarze Tage an den Börsen und unter dem Strich siehst du 3.000 Euro Verlust in deinem Online-Depot rot aufleuchten. Autsch. 

Das ist mehr als du im Monat netto verdienst. Das tut weh. Aber dann denkst du länger darüber nach: Es ist nur wenig mehr als du in einem einzigen Monat verdienst. Du lebst nicht auf großem Fuß und hast eine gute Sparquote. Du brauchst dein Geld aus dem Portfolio kurzfristig nicht. Du bist jung und vor allem gesund. Damit besitzt du ein unheimliches Ertragspotenzial. Gesund zu sein und in die eigene Ausbildung investiert zu haben, ist wie eine garantierte Überrendite. Setze deine Verluste in Relation zu deinem Potenzial und sie werden viel weniger einschüchternd sein. Selbst wenn die Märkte nochmal um 20 oder 30% nachgeben sollten. 

Den einzigen Fehler den du jetzt machen kannst, ist zu verkaufen und dich von deinen langfristigen Anlagezielen zu verabschieden.

Finanzthema der Woche

Die letzten Wochen waren turbulent. Korrektur war in aller Munde. Die Aktien von so manchem Unternehmen fielen drastisch. Das bringt stets auch einen besonderen Effekt mit sich: Anleger tendieren wieder mehr zum Stockpicking und weniger zum passiven Investieren.

Das lässt sich damit erklären, dass viele Anleger und Fondsmanager in der Korrektur die Chance sehen, Aktien zu identifizieren, die besonders unfair abgestraft wurden und sich in der Zukunft relativ zum Markt stärker erholen werden. Ob sie in diesem Vorhaben erfolgreich sind, ist der Gegenstand leidenschaftlicher Diskussionen. 

Fakt ist: Korrekturen bieten Chancen. Aber auch: Langfristig schaffen es die wenigsten Stockpicker der Markt zu schlagen. Also bleibt die Frage, ob wir Privatanleger in diesen Zeiten unsere ETFs für Einzelaktien tauschen sollten?

Das erscheint teils verlockend. Wenn große Namen wie Netflix oder Apple böse Verluste hinnehmen müssen, weckt sich das Interesse der Schnäppchenjäger. Insbesondere diejenigen, die in der Vergangenheit den Einstieg und damit den Ritt von Rekord zu Rekord verpasst haben, sehen jetzt ihre Chance bei der nächsten Party auf der Gästeliste zu stehen.

Aktiv oder passiv? Das führt bei Diskussionsrunden zwischen Privataktionären zu erbitterten Debatten. Es sind beinahe zwei unterschiedliche Glaubensrichtungen. Meine Haltung ist bekannt: Passiv ist vollkommen ausreichend und sollte zumindest die Basis der langfristigen Anlagestrategie ausmachen. Wer zusätzlich jedoch gerne in ein paar Einzelwerte investiert, dem steht das natürlich offen. Ich mache es selber gerne.

Denn eigentlich ist es gar nicht so wichtig. Dem unsicheren Privatinvestor sei folgender Ausschnitt aus Alice im Wunderland ans Herz gelegt:

Alice: »Würdest du mir sagen, bitte, welchen Weg ich von hier aus einschlagen soll?«

»Das hängt zu einem guten Teil davon ab, wo du hin möchtest«, sprach die Katze.

»Das ist mir ziemlich gleich … «, sprach Alice.

»Dann ist es gleich, welchen Weg du einschlägst«, sprach die Katze.

» … solange ich nur irgendwo hin komme«, fügte Alice erklärend hinzu.

»Oh, das wirst du ganz sicher«, sprach die Katze, »wenn du nur lange genug gehst.«

Eine der schönsten, philosophischen Stellen in dem Werk von Lewis Carroll. Sie kann auf die verschiedensten Arten gedeutet werden und passt immer wieder. Bezogen auf die obige Debatte, kann der verunsicherte Privatanleger die Diskussion wie folgt verstehen: Du kannst nicht in die Zukunft sehen. Du weißt nicht was auf Dauer besser funktionieren wird. Im Gegensatz zu Alice hast du aber ein Ziel: Den langfristigen Vermögensaufbau. Dorthin gibt es viele Wege. Und am Ziel wirst du ankommen, wenn du nur lange genug gehst.

Tweet der Woche

Ja, ich weiß, das ist eigentlich gar kein richtiger Tweet sondern nur ein glorifizierter Link. Ist aber egal, denn der Inhalt ist umso besser. A wealth of common sense ist einer meiner Lieblingsblogs und gibt eine entspannte Aussicht auf 2019 zum Besten, die sich jeder Privatanleger zum Jahresstart zu Gemüte ziehen lassen sollte. Und dann heißt es in 2019 wieder: Stay calm and keep investing.

Tool der Woche

Seit ein paar Wochen beginnt mein Arbeitstag immer mit einer eMail. Genauer gesagt einem Newsletter. Kollegen haben mir den Morning Brew Newsletter empfohlen, der jeden Morgen kurz und kompakt über den „latest shit“ im Bereich Aktien, Wirtschaft und Business informiert. Newsletter gibt es zwar wie Sand am Meer aber Morning Brew ist der erste, den ich dauerhaft lese, weil mir der locker-lustige Schreibstil gefällt. Business muss ja nicht immer super ernst sein. Hier kann man sich kostenlos anmelden und mal reinschnuppern.

Wer noch Empfehlungen für andere interessante Newsletter hat, immer gerne her damit!

Fuck You der Woche

Das Fuck You der Woche (oder auch der nächsten Wochen) dürfte die anstehende Steuererklärung werden. Eigentlich nicht so dramatisch aber dieses Jahr muss ich eine in den USA und eine weitere in Deutschland abgeben. 

Jetzt rächt sich das Schwänzen der Steuervorlesungen in der Uni. Dunkel ist mir noch etwas von einem Doppelbesteuerungsabkommen in Erinnerung, welches verhindern dürfte, dass ich mein Einkommen sowohl in Deutschland als auch in den USA versteuern muss. Die Recherche zu dem Thema gestaltet sich allerdings nervig… Mein derzeitiger Kenntnisstand deutet darauf hin, dass ich sowohl in D als auch in USA mein gesamtes Einkommen angeben muss, zwecks Steuerprogression, dann aber nur mein in dem jeweiligen Land erwirtschaftetes Einkommen versteuern muss.

Das dürfte dazu führen, dass ich in D mein Einkommen zu einem höheren Steuersatz versteuern muss und eine Nachzahlung leisten muss, während ich in den USA auf eine Rückerstattung hoffen darf. Oder auch nicht – muss mich mit dem Thema wohl noch etwas genauer auseinandersetzen. Kann dazu jemand zufällig ein geeignetes Nachschlagewerk oder Steuersoftware empfehlen?

Habe mal gelesen, dass man in Schweden die Steuererklärung vorausgefüllt zugeschickt bekommt und falls es keine Beanstandungen gibt, diese per SMS bestätigen kann. Träumchen…

Das Buch der Woche

Berlin: A Literary Guide for Travellers

 

Eigentlich ein Weihnachtsgeschenk meines Opas an meine Freundin, die selber nicht aus Berlin kommt, wurde dieser literarische Stadtführer bisher allerdings nur von mir gelesen.

Und ich muss sagen: Ich bin begeistert. Geboren und aufgewachsen in Berlin, brauche ich für diese Stadt eigentlich keinen Guide aber das Buch ist wirklich sehr schön geschrieben und dabei gar nicht so „literarisch“ wie der Titel vermuten lassen würde. 

Der „Stadtführer“ ist in Bezirke unterteilt und führt den Leser durch diese mit interessanten Anekdoten und Fun Facts, die einen auch altbekannte Gegenden durch neue Augen sehen lässt. Mir macht es jedenfalls Spaß zu lesen und es ist auch ein wirksames Gegenmittel für Heimweh.

Würde mich ebenso freuen, wenn du dich für den Newsletter eintragen würdest!

Wie immer freue ich mich über Feedback, Kommentare oder gerne auch Link-Tipps für die nächste Ausgabe und verbleibe ansonsten mit besten Wünschen für ein angenehmes Wochenende!

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6 Kommentare

  1. Mensch, die fucking week lese ich immer wieder gerne muss ich Mal sagen! Echt interessant und ein super Schreibstil den du da auspackst.
    Mal schauen was der morning brew newsletter so bringt, klingt aber vielversprechend.

    Hat zwar nichts mit Finanzen zu tun aber immer schön zu lesen sind die „notes from the universe“. Hier wird gerne an die positiven Seiten und zahlreichen Möglichkeiten des Lebens erinnert. Kann man wiederum auch aufs investieren übertragen 😉
    https://www.tut.com/inspiration/nftu

    • Hey Nick,
      freut mich, dass dir die Reihe gefällt und danke fürs Lesen!

      Notes from the universe klingt auch interessant. Den Tag mit etwas Positivem starten kann gewiss nicht schaden!

      Beste Grüße

  2. Super, wenigstens noch ein paar andere, die auch einfach passiv stur weiter investieren 🙂 Man kann aktuell fast etwas den Eindruck bekommen, dass viele bisher passive Investoren in fallenden Märkten nun doch aktiv (mehr/ gezielt in einzelne Unternehmen) anlegen – oder täucht mein Eindruck?

    Bei den Newslettern muss ich leider aktuell passen, da ich mir im neuen Jahr eine News-(letter-)Diät auferlegt habe und mich mehr einigen „offline“ Themen und Menschen widmen will…gute Vorsätze und so *lach*

    Viele Grüße und einen guten Start in 2019

    • Hi Thorsten,

      den Eindruck teile ich definitiv. Ich kann die Motivation bzw den Reiz, wie oben erläutert, ja auch vollkommen nachvollziehen. Glaube dennoch, dass man langfristig mit passiven Investments besser beraten ist.

      Die Newsdiät macht Sinn. Habe vor einiger Zeit auch konsequent mich überall abgemeldet. Aber 1-2 Newsletter, die mich morgens mit ein paar Infos versorgen und gleichzeitig unterhalten, habe ich für mich als gutes Maß entdeckt. Die kann ich gemütlich in der Bahn oder beim Kaffee lesen und starte dann in den Tag. „Normale“ Nachrichten konsumiere ich so gut wie gar nicht mehr.

      Beste Grüße

  3. Ist zwar ein Nachrichtennewsletter und kein Wirtschafts- oder Finanznewsletter, aber ich empfehle die Krautreporter Morgenpost.
    Kurz zusammengefasste Infos und weiterführende Links zu den drei Topthemen des Tages (so bleibt man gut informiert) und dazu immer ein tägliches Fundstück (das kann alles sein, von einer Multimediareportage, zu besonders empfehlenswerten Texten oder auch mal ein Video)

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