Das F*ck You der Woche – Der Wie-für-mich-gemacht-Wunschkredit zur Erfüllung aller Träume

Liebe Finanzhechte, werte Sparschweine, liebe Asketen,

eine weitere Adventswoche zieht an uns vorüber, der DAX erreicht einen neuen Jahreshöchststand und der Glühwein fließt in Strömen. Doch wie der Glühwein uns die trockenen Kehlen herunter fließt, so fließt das Geld uns aus der Tasche. Im Dezember huldigen wir dem Konsum und erkaufen uns die Freude unserer Liebsten mit mehr oder weniger teuren Geschenken. Nicht jeder macht bei diesem kapitalistischen Festival mit: Die einen, weil Tim es ihnen versagt, die anderen weil sie es sich schlichtweg nicht leisten können.

Doch für die zweite Gruppe von Menschen gibt es jetzt endlich eine Lösung. Denn heutzutage kann sich wirklich jeder alles leisten. Träume werden wahr. Während der spießige Sparer sich über Niedrigzinszeiten aufregt und das Sparbuch zum heizen des Kamins opfert, sieht der smarte Mensch die Gunst der Stunde. Bei solch günstigen Zinssätzen kann sich nämlich endlich jeder alles leisten. Ein kleiner Kredit hilft dem auf die Sprünge. Und so einfach ist das heute! Online beantragen und innerhalb kürzester Zeit ist das Geld auf dem Konto. Ganz easy. Ganz normal. Ganz cool.

Der vierte Gewinner des „F*ck You der Woche“: Der Wunschkredit.

Unser Gewinner dieser Woche ist ja von eher genereller Natur. Da ich aber das Bedürfnis habe, den physischen Preis in Form eines gusseisernen Mittelfingers auch tatsächlich zu vergeben, verleihe ihr hiermit der Targobank stellvertretend den Preis. Mit ihrem „Wie-für-mich-gemacht-Kredit“ erschuf die Targobank ein mustergültiges Marketinginstrument des Bankings der neuen Generation. Die Message im folgenden Werbespot ist klar:

Das Setting: Ein mittelalter, mittelattraktiver, mittelbehaarter und scheinbar mittelloser Mann hat große Träume. Er würde so gerne einen riesigen Grill im Stile seiner Lieblingsband besitzen. Früher hätte man ihm gesagt: „Mein Jong, is ne scheiß Idee aber wenn es denn sein muss, spar halt und dann kauf dir das Teil.“ Aber unser mittelloser Rockfan hat Glück, dass heute nicht früher ist, denn heute ist alles besser. Heute gibt’s den wie-für-mich-gemacht-Kredit zur Erfüllung aller bekloppten Wünsche auf Pump. Hurra Niedrigzins.

Das perfekte Finanzprodukt für die Generation „Gönn dir“

Laut Targobank dient der Kredit „zur Erfüllung von Herzenswünschen“. Und Herzenswünsche kosten teilweise nun mal eine Stange Geld. Das kann man als Ansporn sehen, hart zu arbeiten, Geld beiseite zu legen, Geld sinnvoll anzulegen und auf sein Ziel hinzuarbeiten. Denn wer sich seine Träume hart erarbeitet, der wird sie auch erst richtig zu schätzen wissen.

Das ist schön und gut, daran kann eine Bank nur nicht so viel verdienen. Also wird konsequent ein Trend unserer Zeit ausgenutzt: Ungeduld. Wenn wir heute etwas wollen, wollen wir es jetzt und sofort. Der Ausblick, etwas Schönes aufschieben zu müssen, bereitet Vielen Unbehagen. Schnell kommt das Gefühl auf, abgehängt zu sein. Der Nachbar kann es sich schließlich auch leisten. Warum sollte man sich selber also einschränken?

F*ck you der woche

Ähnlich ist es auch bei der Geldanlage. Wer langfristig sinnvoll Geld anlegt, wird ein stattliches Vermögen aufbauen. Der Ausblick, das gewünschte Ziel erst in 20 Jahren erreichen zu können, ist den Meisten aber nicht genug. Sie fangen an zu zocken um schneller als die anderen Anleger finanziell frei zu werden. Am Ende verzocken sie sich und kehren der Börse schließlich enttäuscht den Rücken zu.

Die typische Antwort auf die Frage: „Verzicht heute für etwas erstrebenswertes morgen oder Konsum sofort?“, lautet derzeit: Gönn dir. Gönn dir ist ein Lebensgefühl. Gönn dir bedeutet das Leben im Hier und Jetzt zu genießen. So jung kommen wir schließlich nicht mehr zusammen. Gönn dir ist quasi das Yolo der Mittelschicht.

Wofür brauchen wir einen „Wunschkredit“?

Die Sparkasse wirbt: „Der Privatkredit macht Träume wahr“. Das klingt verlockend. Doch jedem muss doch eigentlich klar sein, dass ich mir einen „Traum“ auf Kosten von anderen zukünftigen „Träumen“ finanziere. Zudem mache ich mit jedem neuen Kredit das Verschuldet-sein immer mehr zur Normalität. Eine gefährliche Spirale.

Straft mich Lügen aber ich glaube die Haltung vieler zum Kredit hat sich in den letzten Jahren extrem gewandelt. Ein Kredit ist per se ja nichts Schlechtes. Ein Haus oder ein Auto müssen oftmals nun mal finanziert werden. Im ersten Fall kann das sogar ökonomisch sinnvoll sein und im zweiten ist es häufig eine Notwendigkeit. Aber ein Kredit für den Karibikurlaub, das neue Rennrad oder den Flachbildfernseher? Das ist doch absurd!

Ganz davon abgesehen, dass ein Kredit sehr teuer sein kann, zeigt es auch eine obskure Einstellung zum Thema Geld. Viele Konsumgüter kann man heute ja auch zu 0,0% finanzieren. Man meint dann, sich den Einkauf „leisten“ zu können. Media Markt warb, glaube ich, mit dem Slogan „hier kann sich wirklich jeder alles leisten“ – Einen Scheiß könnt ihr.

Wer sich einen Fernseher, eine Digicam oder die Playstation finanzieren muss, der kann sich die Anschaffung einfach nicht leisten. Punkt. Wer nicht mal FyouMoney Level 1, in Form von drei Netto-Monatsgehältern auf der hohen Kante hat, der kann sich keinen Kaffeevollautomaten leisten. Ich würde sogar soweit gehen zu sagen, dass wer seinen monatlichen ETF-Sparplan nicht bedienen kann, sich zusätzlichen Konsum nicht leisten kann. Das ist ja auch nichts dramatisches. Dann kaufe ich mir die Playstation halt eben erst in drei Monaten.

„Warum warten, gönn dir jetzt und hier, Keule“ flüstert dann der Privatkredit. „In drei Monaten bekommst du doch deinen Bonus. Du kannst es dir also leisten“ haucht der Wunschkredit ins Ohr. Durch entsprechende Werbung und die sie aufnehmende Gesellschaft, haben es die Banken geschafft eine Kultur zu schaffen, in der Schulden etwas ganz Normales sind. Alltäglich und vollkommen legitim zur Finanzierung des Konsums.

Konsumschulden sind freiwillig angelegte Fußfesseln

F*ck you der woche

Geld bedeutet für mich in erster Linie Freiheit. Frei sein im Treffen der eigenen Entscheidungen ist ein Garant für Glück. Wer sich unnötig Schulden aufhalst, der verabschiedet sich bereitwillig von seiner Freiheit. Einmal Couchgarnitur gegen Freiheit bitte. Konsumschulden sind der erste Schritt in ein Leben als Sklave.

Es gibt auch einige, die sich für eine 0%-Finanzierung entscheiden, obwohl sie das Produkt problemlos bar zahlen könnten. Das mag ökonomisch sogar sinnvoll sein und ich will dagegen auch gar nichts sagen. Ich persönlich zahle lieber bar. Ich will mich nicht an das Gefühl „Schuldner“ zu sein gewöhnen. Ich möchte immer den kompletten Überblick darüber haben, was ich mir tatsächlich leisten kann. Komplett ausgenommen seien von dieser Betrachtung Immobilienkredite.

Herzlichen Glückwunsch, liebe Targobank!

Kredite zu vergeben gehört zu den Aufgaben einer Bank. Kunden gezielt Kredite für Konsum anzudrehen ist ethisch fragwürdig. Wer Werbung macht, die vermitteln soll, dass sich jeder alles leisten kann hat das „F*ck You der Woche“ redlich verdient. Ein Bankberater sollte bei der Finanzierung von Eigenheim und beim Vermögensaufbau unterstützen und nicht eine Kultur der Konsumschulden fördern.

Cheers.

Weitere Nominierungen sind immer willkommen! Tragt euch doch auch gerne für meinen Newsletter ein 🙂

Die vergangenen Gewinner des „F*ck You der Woche“:
Business Insider
Euro am Sonntag
Mick Knauff

15 Kommentare

  1. Sehr schöner Artikel. Selbiges Verhalten kann ich mittlerweile bei vielen jungen Menschen erkennen. „Gönn dir“ wird gesagt und schon wird der neuste Flach-TV gekauft. Auf Pump natürlich.

    Ich bin glücklicher Weise nicht so „modern“ mit Krediten aufgewachsen. Ich musste lernen: Wenn ich nicht genügend Geld habe, kann ich mir den Wunsch halt noch nicht erfüllen. Also musste ich weitersparen.

    Den einzigen Kredit den ich aufnehmen würde, wäre für eine Immobilie. Alles andere wird zusammengespart.

    • Hi Gurki,

      ich glaube das ist zum Großteil auch eine Frage der Erziehung. Wer früh lernt, sein Taschengeld zu sparen oder sich gewisse Dinge einfach nicht leisten zu können, wird davon später profitieren.
      Deinem zweiten Punkt kann ich voll zustimmen, ein Immobilienkredit ist nicht zu vergleichen mit Konsumschulden.

      Beste Grüße
      Pascal

  2. Das Problem ist, dass diejenigen, die diesen Beitrag am dringendsten lesen müssten, diesen wahrscheinlich nie zu Gesicht bekommen. Sie sind nämlich mit dem Betrachten des neuen Fernsehers oder der Spielkonsole beschäftigt, den sie sich mit dem Wunschkredit gekauft haben 🙂

    • Hi EasyWISA,

      damit hast du wohl leider recht. Vieles, was wir in der Finanzbloggerszene zu lesen bekommen ist sehr wertvoll, wird allerdings nur von denen gelesen, die es ohnehin schon wissen. Aber man soll die Hoffnung ja nie aufgeben.
      Vielleicht googled Kevin nach „wunschkredit“ um sich das Tuning seines Golfs „leisten“ zu können und landet versehentlich auf dieser Seite. Daraufhin verkauft er sein Auto, investiert sein Geld und lebt glücklich bis ans Ende seines Lebens….Oder so ähnlich halt…

      Beste Grüße
      Pascal

  3. Hey Pascal,

    ich habe in meiner damaligen Arbeit im Einzelhandel auch immer wieder bemerkt, dass ein Kredit für Konsumgüter immer normaler wurde. Die Eltern machens‘ vor, die Kinder nach. Neben der Geldaufnahme für elektronische Produkte sind oft noch andere Kredite am laufen, „aber egal, ich brauch halt den fetten BMW für meinen Lifestyle. Und was wäre ich dann für ein Loser ohne dem 700€ Tablet“.

    Du schreibst, dass Kredite eigentlich nichts schlechtes sind und ich bin ganz deiner Meinung. Sowohl für Unternehmen und Private hat das Kreditwesen auch Vorteile und für die Realwirtschaft wärs ohne sowieso undenkbar.

    Lustig an der 0% Finanzierung ist ja die Tatsache, dass es keine 0% sind. Es gibt ja die schönen Bearbeitungsgebühren und Konteeröffnungskosten. Durchschnittlich kommt der Konsument auch bei den angepriesenen 0% auf 2-5%.

    LG
    Johannes

    • Hi Johannes,

      in der Tat eine traurige Entwicklung, die Konsumschulden zur Normalität werden lässt!
      Die Sache mit den Bearbeitungsgebühren war mir gar nicht bewusst bisher. Danke für den Hinweis. Ein weiterer Grund davon Abstand zu nehmen!

      Beste Grüße
      Pascal

  4. Hi,
    schöner Artikel, aber einen Fall, der leider viele betreffen wird, gerade die Sparefrohs wie uns mit ETFs etc ist der Elternunterhalt.
    Beispiel: Vater oder Mutter muss ins Pflegeheim, Pflegeversicherung zahlt nur die Hälfte der Unterbringungskosten, als Kind muss man einstehen und monatlich (roundabout) die Hälfte von dem abdrücken, was man über 2000,- EUR netto verdient (Alleinstehender).
    Angerechnet werden Raten für alle Arten von Krediten (Immobilie oder Konsum spielt keine Rolle).
    Somit kann es in gewissen Fällen rein theoretisch, ohne irgendwen zu irgendwas verleiten zu wollen, durchaus Sinn machen, einen sehr hohen Privatkredit aufzunehmen, wenn sich abzeichnet, dass Vater oder Mutter bald ins Pflegeheim müssen. Die Negativrendite (Kreditzinsen) wird immer noch deutlich besser sein als das Abtreten von Vermögen und Einkommen an die Sozialversicherungsträger 🙂

    • Hi Hansi,

      ein interessanten Fall, den du da zur Sprache bringst und ich hoffe den meisten wird das erspart bleiben.
      Ich habe mich damit bisher glücklicherweise nicht beschäftigen müssen. Dein Beispiel zeigt jedoch, wie absurd teilweise die Anreize in der Politik gesetzt werden und damit Menschen zu absurden Handlungen verleiten.

      Danke für deinen Denkanstoß und beste Grüße
      Pascal

  5. Guten Abend Pascal,

    ein wirklich gelungener und teils lustiger Artikel – auch wenn das Thema eigentlich nicht zum Lachen ist.

    Ich würde allerdings noch ein Stück weitergehen als du und sagen, dass wer sich kein Auto leisten kann, lieber das Rad oder die Bahn nehmen sollte.

    Einen Kredit aufzunehmen für ein Objekt, das beim Verlassen der Verkaufsfläche bereits 20 Prozent weniger wert ist, ist alles andere als eine gute Entscheidung.

    Hinzukommt, dass das Auto durch einen Unfall einen Totalschaden erleiden kann. Dann tritt der Fall ein, dass die Schulden weiterhin abgezahlt werden müssen, aber das Wunschobjekt nachwievor nicht zur Verfügung steht. Eine ganz schlechte Kombination.

    Konsumschulden sind nur dann toll, wenn man sie selbst besitzt und nicht, wenn man sie tilgen muss.

    Beste Grüße
    Mike

    • Hi Mike,

      danke für deinen Kommentar!

      Der Grund weshalb ich das Auto teilweise aus der Betrachtung ausnehmen würde, ist folgender: Ich gebe dir einerseits Recht, wenn du sagst, dass ein Neuwagen kein gutes Investment ist. Der Wertverlust spricht Bände. Andererseits ist ein Auto gerade im ländlichen Bereich für einige Menschen notwendig um zur Arbeit zu kommen. Ein solider Gebrauchtwagen kann da ein gutes Investment sein. Vielleicht gibt es zwei Dörfer weiter einen Job, der deutlich besser bezahlt als der beste Job in meinem Dorf. Wenn nach Berücksichtigung der Pendelzeit, der (laufenden) Kosten für das Auto und so weiter immer noch ein deutliches Plus übrig bleibt, macht das Auto für mich Sinn.
      Es gibt sicherlich auch Blogger wie Mr. Money Mustache, die in der Hinsicht extrem sind und fordern man solle immer fußläufig zur Arbeit wohnen. Das ist zwar der Idealfall, jedoch nicht für jeden möglich. Insbesondere möchte ich meine Nachbarschaft auch nicht nach meinem Job ausrichten, sondern dort wohnen wo es mir gefällt.
      Ich selber besitze kein Auto. Für mich würde es in der Großstadt auch einfach keinen Sinn machen. Dann wäre ein Auto in der Tat lediglich ein Luxusgut.

      Beste Grüße
      Pascal

  6. Früher hat man ehrlicher geworben: „VISA – die Freiheit nehm ich mir“. Der Doppelsinn, wenn man das Limit zu sehr ausreizt, ist ja wohl eindeutig! 🙂

  7. Echt wahr… früher bekamen wir noch Post für eine 5-jährige Festanlage zu 3-4%, heute nur noch für Konsumkredite. Bei den ersten paar Briefen bzw. Postkarten hatte ich mich noch über die attraktiven Zinsen gewundert, bevor ich gemerkt habe, dass es eigentlich um einen Kredit ging…

  8. Moin,
    auch die Targobank ist natürlich ein verdienter Gewinner! Glückwunsch an die Bank und an dich für den wieder guten und amüsanten Artikel.
    In meiner Schulden-Artikelserie darf das Thema Konsumschulden natürlich auch nicht fehlen.
    Im aktuellen Artikel empfehle ich aber sogar einen Konsumkredit für bestimmte Fälle.
    Allerdings verweise ich nun auf deinen Artikel, um zu zeigen, dass ein Konsumkredit meistens doch nicht so geil ist 😉
    Deine Begründung zum Schluss ist der springende Punkt. Aktive Werbung zum Schulden machen gehört sich nicht!

    Beste Grüße
    Vincent

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