Buchvorstellung: „Einfach Investieren“ von Till Schwalm

Grundlagen des Value Investing

Wenn jemand aus unseren Reihen der Finanzblogger sein Finanzwissen und seine langjährigen Erfahrungen als Investor in ein Buch gießt, so ist das stets eine tolle Errungenschaft und das Ergebnis vieler Stunden harter Arbeit. Als Till von Sfg-value.de (mittlerweile: gewinnbringend-investieren.de) mich also fragte, ob ich sein neues Buch „Einfach Investieren“ lesen und rezensieren möchte, ließ ich mich nicht lange lumpen.

Dazu passt es natürlich optimal, dass ich die neue schnelle ICE Trasse von Berlin nach München diese Woche ausprobiert habe und dadurch je Strecke etwa 4,5h Stunden Zeit zum Schmökern blieb. Und tatsächlich war ich sogar pünktlich (say whaaaat?!).

Zum Autor

Anders als so mancher aus unseren Reihen, bloggt Till nicht nur über das Investieren, es ist auch sein täglich Brot. So arbeitete er mehrere Jahre als Analyst bei der Loys AG und hat sich inzwischen selbstständig gemacht. Doch machen ihn der Job in der Finanzbranche und ein Master in Banking & Finance zu einem besseren Investor? Darüber darf freilich gestritten werden, doch sehen wir uns an, welche Weisheiten er in seinem Buch mit uns teilen möchte!

Das Buch

Auf der Rückseite macht Till klar, worauf er hinaus möchte: „Value Investing – Konkrete Tipps für die ersten Schritte an der Börse“. Das Buch richtet sich also vor allem an Einsteiger, die ihre ersten Schritte an der Börse wagen möchten, sowie Investoren, die sich näher mit dem Prinzip des Value Investing beschäftigen möchten. Letzteres nämlich stellt für den Autor die Grundlage seines Vermögensaufbaus dar. Frei nach Warren Buffett und Benjamin Graham bewirbt Till eine verbreitete Investmentphilosophie, die auf den „inneren Wert“ eines Unternehmens abstellt und für sich in Anspruch nimmt „die Geldanlage erstmals auf eine wissenschaftliche Grundlage zu stellen“.

Was gibt es positives zu sagen?

Die Aufmachung des Buches gefällt auf Anhieb. Klarer Stil, direkte Ansprache des Lesers. Till schafft es sein breites Wissen zu transportieren, ohne sich dabei als Investment-Guru zu präsentieren. Anekdoten aus seinem Leben als Investor heben das Buch auf eine persönlich Ebene.

Die Einleitung in die Thematik gelingt und dürfte vor allem Börsenneulinge abholen. Till stellt die Vorzüge der Aktie als Investitionsform sauber dar und zieht Linien zwischen dem „Investieren“ und „Spekulieren“. Das ist nicht immer trennscharf zu machen, doch auch dies räumt der Autor ohne Umschweife ein. Die Abhandlungen zwischen Systemkritik am Kapitalismus, der Frage nach dem perfekten Risiko-Rendite-Verhältnis und ein paar Worten zum Thema Gold, können bei Zeiten unruhig wirken. Es geht gefühlt Schlag auf Schlag. Wenn das Buch allerdings explizit Neulingen den Einstieg an der Börse erleichtern soll, so ist das nicht unbedingt negativ. Es werden eine weite Bandbreite an wichtigen Themen angesprochen und der Autor gibt dazu häufig seine persönlichen Ansichten bei. Wer tiefer einsteigen möchte, muss sich weitergehender Literatur bedienen, wer sich einen Überblick über die Kontroversen und Debatten, die tagtäglich zwischen Investoren geführt werden verschaffen möchte, der kommt auf seine Kosten.

Mein persönliches Lieblingskapitel in dem Buch beschäftigt sich mit dem Unterschied zwischen Preis und Wert. Frei nach dem Motto: „Nowadays people know the price of everything and the value of nothing“, stellt Till sehr schön dar, warum der aktuelle Börsenkurs eines Unternehmens nicht immer seinen tatsächlichen Wert widerspiegelt. Ob das so ist, mag man glauben oder halt nicht. Diese Annahme bildet jedoch letztlich eine der Grundlagen für das wertorientierte Investieren. Ich bin davon nicht überzeugt, dennoch habe ich die Ausführungen von Till mit großem Interesse gelesen. Das Kapitel sprüht vor Leidenschaft für die Geldanlage und der Analyse von Unternehmen.

Ebenso schafft es das Buch sehr gut Börsenneulinge auf ihren ersten holprigen Schritten an die Hand zu nehmen. Einige Kapitel gleichen einer Schritt-für-Schritt Anleitung zum Aktienkauf, weisen auf übliche Fallstricke hin und können so willigen Anfängern die Angst vor dem Schritt an die Börse nehmen. Der dritte Teil des Buches gibt einen kleinen Einblick in die Aktienanalyse. Es zeigt sehr schön, dass diese zwar mit Aufwand daherkommen kann, jedoch keineswegs Hexenwerk darstellt und für Jedermann erlernbar ist.

Welche Kritikpunkte habe ich?

Zunächst sei Folgendes gesagt: Kritik an der Idee des „Value Investing“ ist keine Kritik an dem Autor des Buches. Ich hoffe dies klar abgrenzen zu können. Denn persönlich stehe ich zum „wertorientierten“ Investieren in einem ambivalenten Verhältnis (z.B. HIER, HIER, HIER oder HIER oder auch HIER). Um es zusammenzufassen (für diejenigen, die sich unverständlicherweise nicht durch alle Links klicken wollen), während ich mit dem Autor d’accord gehe, dass es zeitweise einen Unterschied zwischen dem Preis einer Aktie und dem Wert eines Unternehmens geben kann, so glaube ich nicht, dass sich dieser durch Aktienanalyse gezielt aufdecken lässt. Daher auch mein ambivalentes Verhältnis zum Value Investment. Einerseits sehe ich das Vorgehen positiv, weil es die Menschen zwingt sich mit ihrer Geldanlage auseinanderzusetzen und dadurch sicherlich zu fundierteren Entscheidungen führt, als „ey, ich kauf Bitcoin, weil da einer auf Twitter mit Millionär geworden ist oder ich finanziere einer rumänischen Hausfrau ihren 3-D Fernseher, weil das jetzt alle Finanzblogger so machen.“ Auf der anderen Seite wird eine Kaufentscheidung, nur weil man sich einen Finanzbericht durchgelesen hat und das KGV errechnet hat, nicht gleich „wissenschaftlich fundiert“. Man kann sagen, die Entscheidung, sei „fundiert“, weil sie auf dem Fundament einer tiefen Analyse gefällt worden ist. Macht es sie dadurch besser?

Die Antwort ist ein klares: Jain.  Die Empirie deutet eher auf das Gegenteil hin. Sollte ein methodisches Vorgehen bei der Bewertung zu einer Überrendite führen, so würde ich erwarten, dass weit mehr Fondsmanager es schaffen würden die Indizes zu schlagen. Zu 99% schaffen sie es langfristig nicht.

Dies ist übrigens ein Fakt, den das Buch keinesfalls negiert. Till stellt sauber dar, dass sobald ein Investor eine Methode zur Generierung einer Überrendite gefunden hat, diese automatisch versiegen muss. Mein einziger inhaltlicher Kritikpunkt ist die hier gelegentlich fehlende Brücke. Warum funktioniert Analyse, wenn sich kein Investor über die allgemeine Risiko-Rendite Beziehung hinwegsetzen kann? Dafür gibt es in der Tat Erklärungsansätze, die diskussionswürdig sind. Warum wird einerseits vom „Market-Timing“ abgeraten, andererseits aber zu antizyklischem Investieren geraten? Ist das nicht einfach die langfristige Variante vom Market Timing?

Fazit

Man muss Till zu seinem Buch gratulieren. Mit „Einfach Investieren“ ist ihm ein persönliches, umfassendes und gut geschriebenes Buch gelungen. Insbesondere Börsenneulinge sei das Buch ans Herz gelegt. Es nimmt die Angst vor der „großen Finanzwelt“ und stellt die Vorzüge eines Investments in Aktien anschaulich und nachvollziehbar dar. Wichtige Themen rund um den Vermögensaufbau an der Börse werden adressiert und dürften ein Gros der Fragen, die sich jeder Investor in seinen ersten Wochen stellt, beantworten. Auch wer sich näher mit der Idee des Value Investing beschäftigen möchte, der ist bei Till an der richtigen Adresse.
In Teilen hätte ich mir eine kritischere Beschäftigung mit wertorientierten Investieren gewünscht. Doch das mag für den Adressatenkreis des Buches auch zu weit gehen. Alles in allem, ein wirklich interessantes und angenehm zu lesendes Buch.

Erhältlich ist es beispielsweise bei Amazon für EUR 19,99.

3 Kommentare

    • Hi Vincent,

      besten Dank für die hammer Sammlung! Gleich mal schmökern 🙂

      Und sei nicht so geizig mit den Landfrauen, leg noch ne Playstation und nen Whirlpool drauf 😉

      Hau rein
      Pascal

  1. Vielen Dank für die interessante Buchvorstellung. Das Thema „Value Investing“ könnte ja demnächst wieder verstärkt im Fokus stehen, wenn es im Zuge eines immer häufiger prognostizierten („Draghi“-)Crashs wieder deutlich günstigere Einstiegskurse gibt als aktuell…

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