Blogparade: „Mein Weg in die finanzielle Freiheit“

Werte Finanzblogger,
Liebe schreibende Leser,

hört ihr das Munkeln im Walde, das Raunen in den Straßen und das Getuschel in den Cafés des deutschsprachigen Raums? Seht ihr die entfachten Leuchtfeuer auf den Dächern der Wolkenkratzer Frankfurts? Riecht ihr den süßen Duft des Geldes und der Freiheit?

Das kann nur eines bedeuten: Es ist Zeit für eine neue Blogparade!

Das Thema

Die Blogparade trägt den Titel: Mein Weg in die finanzielle Freiheit.

Da das jetzt erstmal nach einem sehr breiten Feld klingt, etwas Background: Im Sommer vergangenen Jahres lud der Privatier zu einer Blogparade unter dem Slogan „Freiheit oder Langeweile?“ Er rief Finanzblogger und Leser gleichermaßen auf, sich mit der Frage zu beschäftigen, was nach dem Erreichen der finanziellen Freiheit kommt. Tritt dann die große Leere ein? Oder ist es der paradiesische Zustand vollkommener Freiheit?

Die Ergebnisse waren enorm vielfältig und regten zum Nachdenken an. Wir beschäftigen uns so viel mit der Frage „Wie erreicht man die finanzielle Freiheit?“, dass die Frage: „Was dann?“ gerne mal untergeht. Die Vorstellungen gingen dabei weit auseinander, waren aber allesamt interessant. Ich hatte mich auch mit einem Beitrag beteiligt.

In der vorliegenden Blogparade würde ich gerne einen Schritt zurück gehen. Mich interessiert euer persönlicher Weg in die finanzielle Freiheit. Der Alltag des nach finanzieller Freiheit Strebenden, wenn man so will.

Ich will auch gar nicht so viel vorwegnehmen. Was ihr schreibt, sei gänzlich euch überlassen. Doch als Anregung interessieren mich besonders folgende Dinge:

  • Was ist eure Motivation Vermögen aufzubauen? Wie kam es dazu? Ist der Startschuss mit einer bestimmten Erkenntnis oder einem Erlebnis zu erklären?
  • Vermögensaufbau ist eine langfristige Sache. Für viele ist die finanzielle Freiheit dabei das ultimative Ziel. Doch nicht für alle. Was ist dein Ziel? Was versprichst du dir davon?
  • Klar, das Ziel liegt in der Zukunft. Doch wie beeinflusst der Vermögensaufbau deinen Alltag? Leidest du unter dem Verzicht oder profitierst du schon heute? Was für Lehren ziehst du aus deinem bisherigen Weg?
  • Welche Freiheiten bietet dir dein erspartes Vermögen bereits weit vor dem Erreichen der finanziellen Freiheit?

Wie kam es zur Idee?

Wir reden alle gerne über Geld, tauschen Tipps zum Sparen aus und debattieren passioniert über die beste Finanzanlage. Das Ziel ist dabei stets fest vor Augen: Die finanzielle Freiheit.

Doch bis dahin ist es ein langer Weg. Lohnt sich dieser überhaupt? In einem Post habe ich behauptet, viele würden gar nicht wirklich finanziell frei werden wollen. Die Hypothese: Das weit entfernte Ziel dient als bequeme Ausrede, Glück und Zufriedenheit in die Zukunft zu verlagern. Der Trost: Meiner Meinung nach, kann man bereits auf dem Weg zur finanziellen Freiheit enorm von ihr profitieren. Selbst wenn man sie nie erreichen sollte. Die Folge: Eine interessante Diskussion.

Diese setzte sich im letzten Post fort. Wir diskutierten die beinahe philosophische Frage: „Warum bauen wir eigentlich Vermögen auf?“ Danke an Vincent und Marielle für die Idee, das Ganze doch durch eine Blogparade in eine struktuiertere Form zu bringen.

Was ist eine Blogparade und wie macht man da mit?

Eigentlich simpel. Der Ersteller schmeißt ein Thema in den Raum. In diesem Fall: „Mein Weg in die finanzielle Freiheit“ – bzw. „warum bauen wir eigentlich Vermögen auf?“ Daraufhin beschäftigen sich andere Blogger mit der Fragestellung auf ihren eigenen Blogs. Am Ende kommt hoffentlich ein buntes Spektrum an Ansichten zusammen, die zu Diskussionen einladen und den ein oder anderen Denkanstoß geben.

Und so geht’s:

  • Du schreibst ein Artikel zum Thema und veröffentlichst ihn auf deinem Blog. Vorgaben gibt es außer dem Thema keine. Wenn du kein Blogger bist, kannst du deine Ansicht sehr gerne auch direkt als Kommentar hinterlassen.
  • In deinem Post verlinkst du zu diesem Artikel und hinterlässt einen Link in den Kommentaren. So sammeln wir alle Beiträge und interessierte Leser können sich schnell einen Überblick verschaffen.
  • Im Anschluss werden die Beiträge ausgewertet und in einer Übersicht gewürdigt. Ich hoffe mein werter Kollege Vincent von Freaky Finance unterstützt bei einer ansehnlichen Aufbereitung. Das hat er sich durch die gute Idee selber eingebrockt 😉
  • Bis wann? Die Blogparade läuft bis zum Sonntag 09. April 2017. Ich hoffe das gibt allen Interessierten die Möglichkeit zur Teilnahme.

Fazit

Ich bin riesig an euren Ansichten interessiert. Wir diskutieren gerne über das technische „Wie?“ und preisen die Vorteile der finanziellen Freiheit. Doch was lehrt euch der Weg dahin bereits? Wie hat euch der Vermögensaufbau verändert? Was sind konkrete kleine Freiheiten vor der tatsächlichen finanziellen Freiheit? Welche Tipps möchtet ihr den Anderen mit auf den Weg geben?

Ob ihr die Fragestellung dabei technisch-rational im Stile des Finanzwesirs oder mit einem Hauch Lebensphilosophie wie in der Denkfabrik angeht ist egal – je bunter die Beiträge, desto besser.

Beteiligen tue ich mich natürlich ebenfalls. Um die Parade nicht in eine bestimmte Bahn zu lenken, werde ich meinen Beitrag in einem separaten Post am kommenden Wochenende veröffentlichen.

Update: Meinen eigenen Beitrag könnt ihr HIER lesen!

Und *Peng* der Startschuss ist gefallen. Ich freue mich über jeden Beitrag!

P.S. Die Fyoumoney-Kommentarfunktion hat hin und wieder einen eingeschränkten Kooperationswillen. Sollte es mal nicht funktionieren, versuche bitte deine Email-Adresse wegzulassen. Dann klappt es meistens. Ich suche in den kommenden Tagen nach einer Lösung.

14 Kommentare

  1. Nabend Pascal!
    Da haste ja jetzt schnell n Schuh draus gemacht! War doch dein „Gedanken machen“, was die Themenformulierung angeht, erst für’s Wochenende angekündigt…

    „Einfach machen!“ Das ist auch die Kernaussage von Torben Käselow (Millionär durch Immobilien und Bestseller-Autor), den ich auf meinem Blog gerade im Interview hatte.

    Und es unterstreicht nochmal deinen „Durst“ nach lesenswerten Artikeln. Da ist es doch klasse wenn man der (Blogger)Meute die Richtung in Form des Themas vorgeben kann. Ich bin mir sicher die Aktion wird dir die lang ersehnten interessanten Beiträge bescheren!

    Ich freue mich, dass ich mit der Idee, aus deiner Notlage eine Blogparade zu machen, dazu beitragen konnte, dass nun berechtigte Hoffnung auf Linderung besteht.

    Selbstverständlich werde ich stets bemüht sein, dem mir dabei zugewiesenen Ehrenamt als freaky „Blogparadenaufbereitungsunterstützer“ weitesgehend gerecht zu werden.

    Ich muss noch mal die genaue Stellenbeschreibung googeln aber ich bin wirklich dankbar, dass ich mich so mit etwas Glück vielleicht für höhere Aufgaben empfehlen kann. Wird ja hoffentlich nicht die letzte Finanz-Blogparade sein…

    Auf dass es ein Feuerwerk der geistigen Ergüsse, ganz in deinem Sinne werde!
    Ich bin schon sehr gespannt wer dir alles die Ehre in Form eines Beitrages erweisen wird 🙂

    Bleib freaky!
    Gruß
    Vincent

    • Hi Vincent 🙂

      irgendwie brannte es mir dann doch gestern Abend unter den Fingern und ich wollte die Blogparade ins Leben rufen.

      Die Diskussion mit dir hat da schon einiges ins Rollen gebracht. Mit Recht sagst du: Direkt eine Blogparade starten um die gewünschten Artikel zu bekommen anstatt sich über deren Mangel zu beschweren.

      Danke für die angebotene Unterstützung. Je nach dem wie viele Blogger mich mit ihrer Teilnahme beehren, können wir uns ja ein Format für die Auswertung überlegen. Da kann man bestimmt was draus basteln.

      Auf das „Feuerwerk der geistigen Ergüsse“, Prost und schönes Wochenende!
      Pascal

      • Dann sag ich mal DANKE für Steilvorlage!
        Mein Artikel mit dem ich im letzten Herbst ein Gewinnspiel der „Freiheitsmaschine“ gewinnen konnte, nach dem ich bei der „Ex-Studentin“ auf die Aktion aufmerksam geworden bin trägt nämlich genau die gleiche Überschrift wie das Thema dieser Blogparade. Mein Weg in die finanzielle Freiheit. Nachzulesen hier
        https://www.freakyfinance.net/2016/11/03/mein-weg-in-die-finanzielle-freiheit/

        Darin arbeite ich das Thema recht ausführlich ab. Ich werde aber noch mal versuchen explizit auf deine Leitfragen einzugehen und dazu einen separaten Artikel verfassen.
        Derweil viel Spaß mit diesem Artikel!

        Gruß
        Vincent

  2. Mein/unser Weg in die finanzielle Freiheit – ein Rückblick

    Nachdem ich (noch keine 50 Jahre) während Jahren mit Weiterbildungen, Beruf und Familie so beschäftigt war, dass ich mich nicht so ausführlich um Geldangelegenheiten kümmern konnte, hatte ich im letzten Jahr ausnahmsweise etwas mehr Musse. Ich konnte seit längerer Zeit wieder einmal mehrere Finanzbücher lesen, Blogs verfolgen, die eigenen Anlagen optimieren, Renditen analysieren usw. Im Rahmen dieser Analysen stellte ich Ende Oktober fest, dass das Wachstum in unseren Depots und auf unseren Konten (Kurssteigerungen und Dividenden) unser Erwerbseinkommen überstieg. Je nach Definition sind wir also finanziell frei! Wie es dazu gekommen ist, möchte ich im Folgenden berichten – Nachahmer willkommen…

    Drei Vorbemerkungen
    -Vorausschicken muss ich, dass wir in der Schweiz wohnen, wo die Lebenshaltungskosten extrem hoch sind – aber natürlich sind auch die Löhne höher als andernorts.
    – In den folgenden Text sind 20 Tipps eingebaut, die anderen helfen könnten, aus unserem Weg zu lernen
    – Dieser Beitrag wurde in leicht modifizierter Form bereits beim Freiheitsmaschinisten im Rahmen einer Blogparade veröffentlicht (da er dort nun aber in einem Archiv verstaubt, bringe ich ihn nochmals, weil ich denke, dass er inspirieren könnte)

    Meine Kindheit
    Ich bin in einer mehrköpfigen Familie aufgewachsen. Rückblickend war es wohl untere Mittelschicht – es fehlte uns an nichts, aber es gab auch keinen Luxus, z.B. keine Familienferien. Inspirierend für meinen Weg zur finanziellen Freiheit war sicher mein Vater. Er hat als einfacher, mittelloser Arbeiter begonnen, sich dann selbstständig gemacht und sein Leben lang fleissig gearbeitet und gespart. Mal hörte ich die Anekdote, dass er früher in die Stadt gefahren sei, dort mehrere Uhren gekauft und diese dann nebenberuflich auf dem Land in seinem Bekanntenkreis nach und nach mit Gewinn verkauft habe. Weil er sich damals als Selbstständiger in der Schweiz keiner Pensionskasse anschliessen konnte, musste er selber fürs Alter vorsorgen. Er hat dies mit Anleihen und Immobilien getan – an Aktien wagte er sich nicht (er verstehe nichts davon, sagte er mir mal). Als Jugendlicher habe ich ihn mal auf die Idee der finanziellen Freiheit angesprochen – er meinte nur, das habe er sich auch schon überlegt, aber das sei halt schwer. Selbst eine Million Franken würde mit sicheren Anleihen nicht ausreichen, eine Familie durchzubringen…

    Ein nachhaltiges Kindheitserlebnis
    Als Kind wurde uns Sparsamkeit eingeimpft. Wir brachten unser Geld regelmässig zur Bank. Einmal drückte uns unser Vater Geld für den Jahrmarkt in die Hand mit der Bemerkung: „Hier habt ihr etwas für den Jahrmarkt. Alles, was ihr mir am Abend wieder zurückbringt, verdopple ich euch!“ Das war seine Art der Vermittlung finanzieller Bildung. Ich glaube, ich habe alles wieder zurückgebracht und abkassiert… (Tipp 1: Kurzfristige Bedürfnisse hinterfragen, langfristige Bedürfnisse stärker gewichten, d.h. Belohnungsaufschub).

    Erste Berufsjahre
    Um die Eltern finanziell nicht zu belasten, habe ich vorerst kein Studium gemacht, sondern schnell einen Beruf mit solidem Einkommen gelernt (Tipp 2: schnell eine eigene, solide, ökonomische Basis aufbauen), bin ausgezogen, habe erstes eigenes Geld verdient und während vielen Jahren in einer Einzimmerwohnung gewohnt (Tipp3: Fixkosten tief halten und eine kleine Wohnung wählen, so kauft man sich auch weniger Kram). Meine (Arbeits-) Kollegen wohnten damals allein in Drei- und Vierzimmerwohnungen und flogen mehrmals jährlich in den Urlaub. Darauf und auf ein Auto habe ich verzichtet, auch wenn alle anderen eines fuhren (Tipp 4: selbstbewusst nicht am Statuswettbewerb teilnehmen). Nach Jahren habe ich mich beim Car-Sharing angemeldet. Erst als es beruflich unabdingbar wurde, habe ich mir meinen ersten gebrauchten Kleinwagen gekauft (Tipp 5: Dinge erst kaufen, wenn man sie so nebenbei sofort bar bezahlen kann, ohne im Vermögensaufbau-Prozess substanziell zurückgeworfen zu werden). Nach Jahren fand ich endlich eine doppelt so grosse Wohnung – die NOCH günstiger war als meine bisherige Einzimmerwohnung! Mit einem motorlosen Boot genoss ich damals die Freizeit z.B. lesend auf dem nahen Badesee; mit Freunden gingen wir oft wandern. Ich war in mehreren Vereinen aktiv. So war mir nie langweilig und ich hatte (anders als all die heutigen Blogger, die immer schreiben, man müsse ständig Verzicht üben) nie das Gefühl, auf etwas verzichten zu müssen – ich hatte ja alles, was ich wollte. Noch heute sagen mir teure Autos usw. überhaupt nichts (Tipp 6: Das Lebensglück in immateriellen Dingen suchen, nicht in kostspieligen, materiellen Dingen). Mit dieser Lebensweise konnte schnell ein Notgroschen aufgebaut werden. Der Notgroschen wurde später nach und nach erhöht, er beträgt heute deutlich mehr als ein Jahr (Tipp 7: schnell einen ersten Notgroschen aufbauen und diesen dann laufend der Situation anpassen).

    Erste Anlageerfahrungen
    Früh wurde ich schwer krank. Manche Ärzte sagten mir ein kurzes Leben voraus. Da ich dennoch eine Familie plante, war ich mir meiner Verantwortung durchaus bewusst. Ich konnte wegen meiner Krankheit keine Lebensversicherung mehr abschliessen und musste deshalb selber beginnen, für finanzielle Sicherheit zu sorgen (Tipp 8: Finanzielle Angelegenheiten selber an die Hand nehmen). So investierte ich automatisiert etwa einen Drittel bis die Hälfte meines Gehalts in Aktienfonds (wenn die Börse boomte nur einen Drittel, wenn sie schwächelte die Hälfte). Ein guter Kollege weckte in dieser Zeit mein Interesse an der Börse. Da er bezüglich Finanzen wesentlich gebildeter war als ich, sagte er mir jeweils, welche Aktien nun ein Kauf oder Verkauf wären. Das ging eine Weile gut, mit der Dotcom-Blase kamen aber auch grössere Verluste. Ich verzichtete deshalb fortan auf die Zusammenarbeit mit diesem Kollegen. Vielmehr setzte ich anschliessend ausschliesslich auf Fonds – denn ETFs waren mir damals noch nicht bekannt. In dieser Zeit las ich auch das Buch von Bodo Schäfer, das mich definitiv zur finanziellen Freiheit inspirierte, sowie und eine Menge anderer Geld-Bücher (Tipp 9: Ständige Weiterbildung). Das Investieren war so zur Gewohnheit geworden, dass ich dies während Jahren gar nicht hinterfragte. Einmal kam ich aus den Sommerferien (in der Natur, ohne mobile phone unterwegs) zurück und realisierte, dass die Kurse um ca. 50% eingebrochen waren. Ich behielt meine Anlagen, ohne viel nachzudenken.

    Studium
    Dann habe ich mir das Ziel gesetzt, doch noch ein Studium zu absolvieren. Mit meiner Ausgangslage war das nicht einfach. Mit viel Einsatz, habe ich es – selbst finanziert – dennoch auf die Reihe gekriegt, indem ich in reduziertem Ausmass weitergearbeitet und parallel dazu studiert habe. Mit der Zeit habe ich dann am Abend zusätzlich zum Hauptjob und zum Studium verschiedene recht gut bezahlte Nebenjobs angenommen. Das war eine sehr strenge Zeit. Wenn man so viel studiert und arbeitet, hat man aber auch keine Zeit zum Geldausgeben… Ausserdem hat man als Single mit Zielen eine Woche mit 24×7 Stunden… (Tipp 10: Studienzeit nutzen, um parallel dazu Geld zu verdienen und anzulegen). Auf jeden Fall blieb mir immer auch in dieser Zeit genügend Raum für Vereine, Ausgang, Natur, Freundin oder Sport – fragt mich nicht, wie ich das im Detail gemacht habe, aber in jungen Jahren ist die Energie einfach noch ungebremst…

    Eigene Firma
    Nach und nach flogen mir freiberuflich Aufträge und Projekte nur noch so zu. Ich machte es mir zum Motto, bei einer Anfrage immer zuerst zuzusagen und dann erst zu überlegen, ob ich das dafür nötige Know-How und die Zeitressourcen überhaupt besitze. Das führte dazu, dass ich mir laufend neue Kompetenzen aneignen musste (Tipp: 11: sich selber in ein Umfeld bringen, das einen immer weiter vorwärts pusht), was wieder zu neuen Aufträgen und Beziehungen führte. Grösstenteils waren dies Aufträge, bei denen ich nicht für meine aufgewendete Zeit, sondern für das fertige Produkt bezahlt wurde. Da die Nachfrage nach meinen Produkten damals hoch war, war meine Nebentätigkeit sehr einträglich (Tipp: 12: sich nicht für Zeit, sondern für Produkte bezahlen lassen). Irgendwann habe ich dann meine nebenberuflichen Tätigkeiten in einer eigenen Firma gebündelt. Wenn viel Arbeit anfällt, stelle ich temporär Leute ein, die mich unterstützen. Diese bringen mir ohne substanzielle Mehrarbeit ein zusätzliches Einkommen (Tipp 13: Andere für sich arbeiten lassen, das ist ein grosser Hebel).

    Immobilien
    Einige Zeit nach der Hochzeit mit meiner Frau haben wir ein Mehrfamilienhaus erworben, in dem wir in einer schönen, sehr grossen Wohnung selber wohnen und andere Wohnungen vermieten (Tipp 14: Falls Wohneigentum zur Selbstnutzung gewünscht wird, dieses erst relativ spät kaufen, wenn man es sich leisten kann, ohne das ganze Depot zu plündern). Während es in Deutschland offenbar üblich ist, Hypotheken schnellstmöglich abzubezahlen, eilt es in der Schweiz nicht so sehr, da es steuerliche Anreize gibt, das Haus nicht abzuzahlen (Abzug des Schuldzinses vom Einkommen). Ausserdem ist der Hypothekarzins für unsere Belehnung von ca. 60% in den nächsten 10 Jahren fix extrem tief angebunden (Tipp 15: Hebelwirkung von kreditfinanzierten, fremdvermieteten Immobilien nutzen).

    Sparquote
    Als Ehepaar mit zwei vollen Einkommen (ohne Kinder) konnten wir umfassende Rücklagen bilden (Tipp 16: Die Zeit als kinderloses Paar für den Vermögensaufbau nutzen – nachher wird es deutlich schwieriger). Nachdem eher spät Kinder dazu gekommen sind, können wir (das passive Einkommen ausgeklammert) «nur» noch etwa 20% des Erwerbseinkommens sparen. Unsere Ausgaben sind nun deutlich gestiegen, die Löhne aber auch – und zusätzlich haben wir ja noch das passive Einkommen. Natürlich habe ich immer noch ein relativ sparsames Mindset, aber bei den kleinen Ausgaben im Alltag (Kaffee, mobile Verpflegung, Ausgang, Bücher, Aktivitäten mit den Kindern) achte ich inzwischen kaum noch darauf, was es genau kostet. Die paar Franken, die sich so sparen lassen, sind heute ein Klacks gegen die Veränderungen im Depot, die sich an einem einzigen Tag ergeben können. Sehr zurückhaltend sind wir nach wie vor bei den grossen Ausgaben (Auto, Hausrenovation, Möbel, Urlaub, Abos usw.).

    Asset-Allocation
    Nachdem mittlerweile ETFs in aller Munde sind, haben wir unsere Fonds verkauft und diese durch ETFs ersetzt, die wir langfristig halten und weiter aufstocken möchten (Tipp 17: Vermögensaufbau über kostengünstige, breite ETFs angehen). In unserer Asset-Allocation orientieren wir uns lose am Vorschlag von Kommer (Tipp 18: Bewusst eine Asset-Allocation festlegen, dann innerhalb exakter Bandbreiten daran festhalten und periodisch mittels Zukäufen ein Rebalancing durchführen):

    Welt-ETF: 4% (Ziel: 4%)
    Value-ETFs entwickelte Märkte: 11% (Ziel 12%)
    Small Caps ETFs entwickelte Märkte (10% (Ziel: 12%)
    Schweiz-ETFs (Large Caps und Small Caps): 9% (Ziel 12%)
    Schwellenländer ETFs: 11% (Ziel: 12%)
    60% des Eigenkapitals an selbstgenutzter und fremdvermieteter Immobilie: 20% (Ziel: 12%)
    Rohstoffe, insbesondere auch Goldmünzen für den Super-GAU: 1% (Ziel: 2%)
    Peer-to-Peer-Kredite: 4% (Ziel: 4%)
    Anleihen: 5% (Ziel: 4%)
    Notgroschen auf dem Konto: 25 % (Ziel: 26%)

    Zusätzlich haben wir noch etwas Geld auf Pre-Payed-Kreditkarten, in unseren Geldbeuteln sowie in unserem Tresor. Nicht aufgeführt in der obigen Übersicht ist ausserdem das Firmenvermögen der eigenen Firma (keine grossen Geräte, aber nochmals Cash auf dem Firmenkonto).

    Altersvorsorge und Steuern
    Nicht einbezogen in die obige Übersicht habe ich auch unsere Pensionskassengelder, die wir bei der Pensionierung als Rente beziehen oder als Kapital ausbezahlen lassen können (z.B. um dann die Hypothek abzuzahlen). Das wird voraussichtlich eine recht üppige zusätzliche Summe werden, da wir beide immer sehr viel gearbeitet haben (dann muss man in der Schweiz auch zwingend in die Pensionskasse einzahlen). Daneben gibt es in der Schweiz die Möglichkeit zur steuerbegünstigten, freiwilligen Altersvorsorge. Insbesondere für Gutverdienende ist dies eine attraktive und einfache Steuersparmöglichkeit, die gegenüber der Lösung in Deutschland m.E. deutlich weniger Nachteile hat (man kann dieses Geld mittlerweile sogar in ETFs mit geringen Gebühren anlegen). Mit Altersvorsorge, eigenen Immobilien, eigener Firma und Angestelltenverhältnis gibt es in der Schweiz so einige Möglichkeiten, seine Steuerzahlungen zu optimieren – das nutzen wir im legalen Rahmen gerne aus (Tipp 19: Steuerliche Vergünstigungen gezielt suchen und im legalen Rahmen nutzen).

    Gegenwart und Zukunft
    Mittlerweile leisten wir uns sporadisch mal einen Kurztrip, einen Wellness-Aufenthalt oder ein technisches Gadget, das nicht unbedingt nötig wäre. Im Gegensatz zu unseren Kollegen, die nun allmählich Wohnwagen, Ferienhäuser, schöne Gartengestaltungen, teure Autos (Tesla…), erlesene Möbel und Motorboote anschaffen, sind wir aber nach wie vor sehr bescheiden. Überhaupt verhalten wir uns in unserem Umfeld eher unauffällig und bescheiden, damit wir nicht allzu viele Fragen beantworten müssen.

    Da meine Frau und ich beruflich sehr viel Freude erleben, haben wir keinen Anreiz, beruflich kürzer zu treten (beide arbeiten schon heute Teilzeit). Wir haben sehr viele Freiheiten, können beruflich eigene Projekte anreissen und durchziehen, ausserhalb des Büros bzw. im Homeoffice arbeiten, die eigenen Kinder betreuen, Anerkennung gewinnen usw. Wir haben keine Stempeluhren, sondern enorm viele Freiheiten, so lange wir bei wichtigen Terminen/Meetings beim Arbeitgeber aufkreuzen und gute Ergebnisse liefern (Tipp 20: sich eine Lebens- und Arbeitswelt suchen und einrichten, in der es sich wohlsein lässt). So haben wir kaum Anreize, die Erwerbsarbeit aufzugeben, zumal wir noch schulpflichtige Kinder haben. Da ist Reisen nicht gerade unser Hauptthema.
    Es ist aber einfach ein gutes Gefühl zu wissen, dass man auf niemanden angewiesen ist, weder auf den Arbeitgeber noch auf den Staat. Probleme im Leben, die sich mit Geld lösen lassen, sind für uns weitgehend keine Probleme mehr. Das ist ein Gefühl von Freiheit, das sich unbeschreiblich anfühlt.

    Hoffentlich konnte ich die einen oder anderen mit diesem Beitrag auf ihrem Weg zur finanziellen Freiheit motivieren. Nachdem ich es lange Zeit nur intuitiv für möglich gehalten habe, finanzielle Freiheit erreichen zu können, weiss ich seit kurzem, dass es definitiv möglich ist! Hoffentlich können meine Tipps andere dazu inspirieren, es uns gleich zu tun!

    • Wow, danke dass du diesen Beitrag hier nochmal gepostet hast! Schließlich ist er aktuell wie nie und sehr motivierend geschrieben. Die Gliederung in 20 Tipps gefällt mir gut und ich kann einiges davon für mich mitnehmen.
      Derzeit sind insbesondere deine Tipps für die Unternehmensgründung für mich interessant. Da ich mich allerdings in meinen ersten Berufsjahren befinde, kann ich dir bei diesem Abschnitt besonders zustimmen. Ich sehe so viele Berufsanfänger, die nie gelernt haben mit Geld umzugehen und es daher zum Fenster rauswerfen. „Denn nächsten Monat gibts ja frisches…“ dabei sind diese Jahre die perfekte Zeit um die Grundlagen zu schaffen. Denn, wie du sagst, tut in diesem Alter vermeintlicher „Verzicht“ oftmals gar nicht weh, bzw. wird gar nicht als solcher wahrgenommenen.

      In Erinnerung wird mir die Sache mit deinem Vater und dem Jahrmarkt bleiben. Besser kann man Kindern Verantwortung für Geld kaum näher bringen!

      Danke und beste Grüße
      Pascal

    • „Da meine Frau und ich beruflich sehr viel Freude erleben…“

      Wie schafft man das? 🙁 Meine Frau und ich sind beide High Professionals, verdienen sehr gut und haben objektiv betrachtet tolle Jobs. Dennoch hassen wir unsere Arbeit und bezeichnen sie als USS (uninteressante unwichtige scheisse).

  3. Danke an Wirtschaiftswaise für seinen sehr lesenswerten Beitrag. Hier für alle zum nachlesen: http://wirtschaftswaise.blogspot.de/2017/03/blogparade-von-fyoumoney-mein-weg-in.html

    Sein Beitrag enthält einige wichtige Tipps an sein eigenes 19 jähriges Ich. Dazu kommen Ausführungen zum Familiendepot. Besonders gefällt mir folgendes:
    „Wir betrachten das Depot als eine der Familie gehörende aus Geld bestehende Maschine, die wiederum den Zweck hat, Geld zu produzieren.“
    Das Depot als Familienmitglied! Sehr schön!

    Vielen Dank für die Teilnahme und weiterhin viel Gelassenheit!

    Beste Grüße Pascal

  4. Vielen Dank an Sabine von Elternfinanz für ihren Beitrag zur Blogparade:

    https://elternfinanz.wordpress.com/2017/03/23/mein-weg-in-die-finanzielle-freiheit-blogparade-von-fyoumoney/

    Ihre Geschichte zeigt sehr schön, dass Geld vor allem dann wichtig wird, wenn es an ihm mangelt. Leider sind die Finanzen noch immer Scheidungsgrund Nummer 1.
    Mit ihrer Sichtweise auf die finanzielle Freiheit, kann ich mich gut identifizieren. Aktuell möchte sie nicht aufhören zu arbeiten. Warum auch? Ein Job, der Spaß macht und nette Kollegen. Doch ist das mit 50 oder 60 immer noch so? Wer weiß! Dagegen sichert sie sich mit dem langfristigen Vermögensaufbau ab.
    Das von ihr gebrachte Zitat: „Der sicherste Reichtum ist die Armut an Bedürfnissen“ von Franz Werfel finde ich übrigens sehr schön!

    Viel Erfolg an Sabine mit ihrem Blog „Elternfinanz“, schaut doch mal vorbei!

    Beste Grüße und Danke
    Pascal

    • Hey Danny,

      vielen Dank für deinen Beitrag zur Blogparade! Ich finde es immer wieder spannend gerade über die Anfänge zu lesen. Ein Muster scheint zu sein, dass viele Sparer es in der Vergangenheit etwas übertrieben haben und sogar Konsumschulden anhäuften. Steht dann endlich wieder die schwarze Null ist das befreiend. Wie muss es dann erst sein, wenn Reserven zur Verfügung stehen?

      Toll finde ich auch deine Schilderungen zur Motivation. Familie und Nachwuchs scheinen starke Motivatoren für den Vermögensaufbau zu sein. Ebenfalls freut mich zu lesen, dass das Sparen und Anlegen deinen Alltag positiv beeinflusst. Statt Verzicht steht bewusster Genuss im Vordergrund. Ein gutes Konzept!

      Danke und mach weiter so!
      Pascal

  5. Und der von mir sehr geschätzte Johannes aus der Denkfabrik hat sich mit einem Artikel beteiligt:
    http://denkfabrik.rocks/blogparade-mein-weg-finanzielle-freiheit/

    Vermutlich mit dem Laptop auf seinem Balkon sitzend, gibt er uns einen spannenden Einblick in seine Entwicklung und was der Vermögensaufbau für ihn bedeutet. Sehr lesenswert sind vor allem die Lehren, die Johannes aus dem Weg in die finanzielle Freiheit zieht. Sein Credo: Werde Kontinuitätsfundamentalist!

    Danke!

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