Work-Life Balance? Fuck that!

Finanzielle Freiheit? Gerne! Aber bitte einmal ohne Arbeit!

Die finanzielle Freiheit lockt. Ein Blogger nach dem anderen preist ihre Vorzüge. Denn diese liegen schließlich auf der Hand: Endlich unabhängig, Job an den Nagel hängen, mehr Zeit für sich. Vielleicht kann man endlich Äpfel im Garten anbauen oder seinem Bonsai beim Wachsen zusehen. Oder nach Peru fliegen um sich „selbst zu finden“. Warum auch immer das eigene „Selbst“ sich gerade in Peru versteckt halten sollte…

Die Idee ist dabei auch erquickend einfach. Studieren, paar Jahre Arbeit, schön sparen, alles anlegen und schon kommt die finanzielle Freiheit von ganz alleine. Wer die richtige Kryptowährung auswählt, der kann den ganzen Prozess vielleicht sogar auf 1-2 Jahre verkürzen! Welch eine Verzückung: Kürzer arbeiten, als man studiert hat.

Die finanzielle Freiheit scheint das große, über allem schwebende, Ziel dieser Menschen zu sein. Im Internet findet man reihenweise Tools, die einem berechnen, wie lange man noch arbeiten muss, bis dieses Ziel endlich erreicht ist. Die Hebel sind hier natürlich das angesparte Kapital, Sparquote, Rendite und ob man die goldene 4% Entnahme-Quote als realistisch ansieht. Scheinbar würden so einige es gar nicht mehr schaffen ihre trägen Körper morgens aus dem Bett zu hieven, würde ihnen ihr großes Ziel der finanziellen Freiheit nicht sanft ins Ohr hauchen: „Keine Sorge lieber Björn-Matthäus, wenn du deine derzeitige Sparquote beibehältst und meine Annahmen über die künftige Marktentwicklung, Lohnsteigerungen und Inflationsraten sowie Steuersätze zutreffend sind, dauert es nur noch 9,5 Jahre und du bist endlich frei. Dann beginnt das wahre Leben, mein Jung!“. Woraufhin Björn-Matthäus dann doch aufsteht, schnell sein Depot auf dem Handy checkt, bevor er sich einen leckeren Fair-Trade Filterkaffee aufsetzt.

Wer in seinen 20ern nach Work-Life Balance schreit, hat größere Probleme

generation z

Interessant finde ich, dass die Gruppe der sehr jungen Anwärter auf die finanzielle Freiheit stetig zu wachsen scheint. Das Ziel sich mit Mitte 30 in den wohlverdienten Vorruhestand zu verabschieden, scheint weit verbreitet zu sein. Arbeit wird dabei häufig höchstens als Vehikel auf dem Weg in die finanzielle Freiheit gesehen. Ein notwendiges Übel, denn irgendwoher muss die Sparquote ja kommen. 50% von Nichts ist nach Adam Ries leider immer noch Nichts. Aber wenn Arbeit schon notwendig ist, um die finanzielle Freiheit einmal zu erreichen, dann sollte sie doch bitteschön nicht allzu sehr nerven. Und bloß dem eigentlichen Leben nicht in die Quere kommen. Man muss sich schließlich frei entfalten können und wenn man durch Überstunden nicht pünktlich um 17:00 Uhr aus dem Büro kommt, dann gerät man in Gefahr den Bikram-Yoga-Kurs zu verpassen. Was dann das Chi für die ganze Woche vollkommen durcheinander geraten lässt. Das verursacht Stress, Stress muss mit teurem Matcha-Pulver aus Japan (organic!) bekämpft werden, Stress verursacht Falten, Falten sind negativ korreliert mit Instagram-Likes für Selfies. Was die Wahrscheinlichkeit, eines Tages als Influencer richtig durchstarten zu können, extrem beeinträchtigt. Kurzum ist Arbeit ein riesiger Pain in the Ass.

Die Firma, für die ich derzeit tätig bin, veranstaltet in regelmäßigen Abständen Veranstaltungen auf denen Studierende (ums mal Gender-neutral zu halten…) die Firma kennenlernen können und natürlich auch andersherum wir interessante Kandidaten kennenlernen können. Dabei werden meistens gemeinsam mit den Studierenden Fallstudien bearbeitet und im Anschluss gibt es noch ein Abendessen in ungezwungener Atmosphäre. Ich nehme an solchen Veranstaltungen immer gerne teil, auch wenn sie häufig auf einen Samstag fallen. Der Austausch mit den Studierenden macht Spaß und gegen ein bezahltes Abendessen habe ich auch nichts einzuwenden. Aus der Sicht der Studierenden ist das ebenfalls eine gute Sache: Man kommt in direkten Kontakt mit (meist jungen) fachlichen Mitarbeitern, kann auch kritische Fragen stellen und wenn es nichts für einen ist, hat man immerhin ein Abendessen und ein paar Bier abgestaubt. Glücklicherweise, finden die Workshops ohne Recruiter aus der Personalabteilung statt. Das führt dazu, dass die Kandidaten offener Fragen stellen, weil sie keine negativen Konsequenzen auf eine potenzielle Bewerbung zu befürchten haben.



Worauf ich eigentlich hinaus möchte: Bei den Gesprächen mit den Studierenden ist mir in den letzten Jahren ein Wandel aufgefallen. Das gilt insbesondere für die gesetzten Prioritäten bei der Wahl des Arbeitgebers. Als ich noch auf der anderen Seite als Student bei solchen Veranstaltungen zu Gast war (was gefühlt jetzt gar nicht soo lange her ist…), gingen die Fragen meiner Kommilitonen meist in die Richtung „Welche Tätigkeiten gibt es? Wie abwechslungsreich ist die Arbeit? Wie schnell kann Verantwortung übernommen werden? Gibt es Möglichkeiten für Auslandseinsätze? Wie wird man in seiner Entwicklung gefördert? Welche eigenen Gestaltungsmöglichkeiten gibt es?“

Mittlerweile habe ich das Gefühl, dass sich die Fragen fast nie um die eigentliche Tätigkeit drehen. Vielmehr ist seit einigen Jahren, in zunehmender Tendenz, das Buzzword „Work-Life Balance“ en vogue. Während vor einigen Jahren mal verschämt am Rande gefragt wurde: „Jou, wie sieht’s aus, besteht die theoretische Chance meinen Partner am Wochenende zu sehen und vielleicht zweimal die Woche abends zum Sport zu gehen?“, wird eine scharfe Trennung von Arbeit und Freizeit von den Studierenden mittlerweile strikt und selbstbewusst eingefordert. Die Fragen von den Studierenden gehen auf Überstunden, Wochenendarbeit und geforderter Flexibilität ein. Tenor: Arbeit ja, aber es sollte mein Leben nicht zu sehr einschränken.

Einerseits finde ich das auch echt gut. Jeden Tag sinnlos Überstunden zu schrubben, nur um „Face-Time“ zu zeigen und allen zu beweisen, was für ein hartes Arbeitstier man doch ist, finde ich absolut lächerlich. Wenn das zum Dauerzustand wird, dann lässt die Verkümmerung des Soziallebens nicht lange auf sich warten. Dann bleibt irgendwann nur noch der Job. Wahrscheinlich kennt jeder ein paar solcher Beispiele. Wenn die Studierenden jetzt sagen: „Wenn eine Karriere hier nur auf diesem Wege möglich ist, dann ohne mich“, dann halte ich das für durchaus legitim. Es wird klar, ich habe es hier eindeutig mit der Generation Z zu tun…

Die Generation Z – Generation Biedermann?

Bei der Generation Z handelt es sich laut einem interessanten Artikel der WiWo, um die Generation, die ab dem Jahr 1995 geboren ist. Ihnen seien andere Dinge bei der Wahl des Arbeitgebers wichtig, als es noch bei der vorherigen Generation der Fall gewesen ist. Ich selber gehöre noch zur „Generation Y“, wobei hier das „Y“ noch Sinn gemacht hat, weil es wie „why?“ ausgesprochen wird. Das spielt auf die „Sinnsuche“ an, die Vertretern dieser Generation wichtig sei. Ein wenig kreativer Soziologe schien sich dann dazu entschieden zu haben, das Alphabet einfach strikt weiterzuführen.

Auch wenn ich mich nie als Angehöriger einer „Generation Y“ gefühlt habe, muss ich zugeben, dass ich mich mit vielen Charakteristika dieser Bevölkerungskohorte identifizieren kann. So ist eine gewisse Sinnhaftigkeit im Job vielen meiner Generation wichtiger als Status, der sich durch Titel und Dienstwagen ausdrückt. Auch die Eindrücke der Finanzkrise haben dazu beigetragen, dass diese Generation nicht mehr an den „Job bis zur Rente“ glaubt und Flexibilität sowohl zur Normalität als auch zum eingeforderten Lebensstil gehört. Handeln, Verantwortung übernehmen und interessante Tätigkeiten ausüben haben einen höheren Stellenwert als Jobsicherheit.

Zur Generation Z sagt Autor Christian Scholz in dem WiWo Artikel: „Diese Generation schätzt Zeiterfassung und Acht-Stunden-Tage von neun bis fünf, nicht Gleitzeit und Wochenenddienste. In den Stellenanzeigen sollte eher stehen: Bei uns gibt es geregelte Arbeitszeiten und einen eigenen Schreibtisch.“ und Jugendforscher Klaus Hurrelmann: „Die Generation Z will Lebensqualität, da darf das Private nicht zu kurz kommen.

Das deckt sich mit meinen Erfahrungen aus den Gesprächen mit den Studenten. Überstunden? Bloß nicht. Flexibilität? Für mich ja, aber das darf nicht für den Arbeitgeber gelten. Ich höre sogar häufiger die Frage, ob es einen Dienstlaptop und Smartphone gäbe. Daraufhin antworte ich frohen Mutes: „Klar, sogar ein iPhone! Und Laptop gibt es auch, damit kannst du dann auch mal Home Office machen“. Die Reaktion überrascht mich dann meistens: „Oh. OK.“. Auf Nachfrage stellt sich heraus, dass viele Studierende das nicht mehr wollen. Denn das Smartphone vom Arbeitgeber würde die Grenzen zwischen Privat- und Arbeitsleben zu sehr auflösen. Den meisten Teilnehmern ist hier aber eine klare Trennung wichtig. Ebenso schlecht angesehen werden jegliche Reisetätigkeiten, Auslandseinsätze oder Überstundenkonten. Gesucht wird stattdessen ein 9 to 5 Arbeitsplatz mit hoher Jobsicherheit.

Work-Life Balance? Fuck that!

Ich muss sagen, dass mich das zutiefst verwundert. Während ich das selbstbewusste Auftreten vor dem potenziellen Arbeitgeber und das klare Einfordern von Zugeständnissen begrüße, verstehe ich die zugrundelegende Einstellung zur Arbeit nicht.

Wenn ich mit Anfang 20 schon nach Work-Life Balance krähe, dann läuft doch in meiner Karriereplanung etwas viel grundsätzlicheres schief. Die Möglichkeit besteht, dass ich mir einfach die falsche Karriere ausgesucht habe. Wenn ich von der Uni komme, sollte ich doch brennen vor Neugierde auf die Praxis und den schon fast penetranten Willen haben, mich einzubringen und Erfahrungen zu sammeln. Wenn ich mir das richtige Studienfach ausgesucht und danach noch den passenden Job gefunden habe, dann sollte eine Trennung von Work und Life nicht meine erste Priorität sein. Vielmehr sollte ich die Arbeit als ganz natürlichen Teil meines Lebens ansehen. Wohlgemerkt nicht als mein komplettes Leben, durchaus aber als einen wichtigen und großen Bestandteil. Wenn ich mit Händen und Füßen ab meinem ersten Arbeitstag versuche, meine 40 Stunden Woche zu beschützen, dann sollte ich mich doch fragen, ob meine Energie nicht in einem Karrierewechsel besser eingesetzt wäre.

Butter bei die Fische: Den Traumjob, in dem jeder Tag eine einzige erfüllende Wohltat darstellt, den gibt es wohl nicht. Ich habe häufig auch keinen Bock. Wenn mein Kunde mich nervt und das Projekt langweilig ist, könnte ich auch schon nach dem Mittagessen wieder meinen Hut nehmen, mich auf mein Rad setzen und „Adios amigos!“ rufen. Doch um ehrlich zu sein, sind die Projekte mit 14 Stunden Tagen und Wochenendarbeit, die einen richtig gefordert haben und thematisch interessant sind, meine besten Erfahrungen im Job gewesen. In diesen Zeiten bin ich auch persönlich am meisten gewachsen und konnte am viel mitnehmen. Arbeitstage mit acht Stunden dagegen, die vor Monotonie nur so strotzen, kamen mir endlos vor und geraten schnell in Vergessenheit. Wichtig für mich ist am Ende sicherlich ein vernünftiges Verhältnis solcher Projekte. Jede Woche 60 Stunden würde mich auf Dauer auslaugen, genauso wie es 40 Stunden voller Monotonie tun würden. Zeit um die Überstunden wieder abzubauen ist wichtig. Wenn das mit „Work-Life Balance“ gemeint ist, dann bitte gerne.

Doch von vornherein eher auf 9 to 5 und Arbeitsplatzsicherheit zu schielen, als sich auf interessante und fordernde Tätigkeiten zu fokussieren, finde ich fatal. Statt Generation Z, empfehle ich hier Generation B wie „Biedermann“.

Wenn sich die Prioritäten im Laufe des Lebens ändern, ist das verständlich. Familie und Co verschieben den Fokus und das ist auch gut so. Aber schon mit dieser Einstellung ins Berufleben starten? Ist 20 das neue 40? Was ist aus „Grind in your 20s, build in your 30s and chill in your 40s“ geworden?

Innovationen und Veränderungen entstehen nicht aus einer 40 Stunden Woche. Ebenso wenig lässt sich Glück im Job an einer möglichst geringen Anzahl an tatsächlich gearbeiteten Stunden festmachen. Suche möglichst früh nach dem was dich begeistert, gib alles in diesem Bereich und du wirst nie nach einer „Work-Life Balance“ fragen müssen.

Cheers.




 

34 Kommentare

  1. Hallo Pascal,
    Ich entstamme dem Geburtenjahr 1989. Auch ich stelle bei meinem Arbeitgeber immer wieder fest, dass der Nachwuchs keinerlei Biss und Qualitäten mehr mitbringt. Überstunden und freiwilliger Dienst am Samstag: FEHLANZEIGE
    Ich bin irgendwie froh, dass ich zum Thema Arbeit eine andere Einstellung habe. Ich selbst werde mich in einer Woche zum zweiten Mal in meinem Leben in Afghanistan befinden. Ich habe mich zudem zum zweiten Mal freiwillig für diese Tätigkeit gemeldet. Warum? Ich habe Spaß daran. Ich bin auch jemand der gerne länger macht. Natürlich muss man auch aufpassen und sich selbst mal Grenzen setzen. Dies würde ich aber noch als normal bezeichnen.
    Die Forderungen nach einem 9 to 5 Job und den anderen Annehmlichkeiten kann ich verstehen. Oftmals sind diese jungen studierten Kräfte jedoch gar nicht in der Lage Menschen zu führen und auch Verantwortung für ihr Handeln zu übernehmen.
    Bei aller Rechtsstaatlichkeit sind wir an dieser Generation selber schuld. Gewerkschaften, das Bildungssystem und vielleicht auch das Elternhaus. Wir kennen heute unsere Rechte wesentlich besser als unsere Pflichten. Vielleicht ist es auch die Generation Weichei und Burnout mit 25. 😛
    In diesem Sinne…Viele Grüße von einem Finanzblogger, der den Weg der finanziellen Freiheit eher als Ziel sieht als die finanzielle Freiheit an sich.
    Beste Grüße
    Stefan

    • Hi Stefan,

      danke für den Einblick in deine Wahrnehmung der Thematik. Du zeigst ein gutes Beispiel auf: Du hast etwas gefunden, was dir Freude bereitet und dann ist auch nicht mehr so wichtig, ob es mal mehr als 40 Stunden werden.

      Den Weg als das Ziel bei der finanziellen Freiheit zu sehen, da bin ich voll bei dir!

      Ich wünsche dir viel Erfolg in Afghanistan. Hoffe du machst ein paar spannende Erfahrungen und kommst wohlbehalten wieder zurück.

      Beste Grüße
      Pascal

    • Ich hoffe eine psychologische Krankheit ( vor allem in jungen Jahren ) bleibt dir erspart, auch wenn du dlwitze darüber machst.

      Ansonsten klopf dir ruhig weiter auf deine unter 30ig-jährigen Schultern. Und in einer ruhigen Minute recherchierst du, wo Angestellte wie du und ich ohne freie Bildung und Gewerkschaften heute wären.

      Ansonsten stimmt vieles im Artikel: auch wenn ich eher glaube, dass wir aus der Generation Y die Work-Life-Balance faktisch erfunden haben und uns von den Karrierezwängen unserer „Vorväter“ emanzipiert haben. Die Jungen heute Treibens nur noch ein Stück weiter, aber nur weil die wirtschaftliche Lage und Demografie es ihnen so leicht macht.

        • Guten Abend,

          Die Entschuldigung nehme ich an 🙂
          Ich glaube du bist ein herzensguter Mensch und deshalb sind dir die allgemeine Floskeln der Höflichkeit bestimmt irgendwo im Leben beigebracht worden. Das beginnt meistens bei „Guten Abend“.
          Ich mache keine Witze über psyschologische Krankheiten auch, wenn das für dich oben kurzzeitig den Anschein gemacht hat. Es sollte lediglich ein Ansdruck dessen sein, dass viele dann mit Ihrer Verantwortung, welche sie so stark gefordert haben, überfordert sind. Ich kann Führungskräfte jahrelang im Unternehmen aufbauen oder diese halt von der Universität einkaufen. Die Ergebnisse sehe ich jeden Tag.
          Ich denke dir sind das Arbeitszeitgesetz und Bundesurlaubsgesetz bekannt und die darin enthaltenen Parameter. Viele Arbeitgeber agieren weit über diesen Parametern, weil wir mittlerweile in einer Freizeitgesellschaft leben. Diese Forderungen, welche über dieses Parametern liegen, kamen glaube ich zum Teil von Gewerkschaften. 😉
          Das ist auch erstmal nicht weiter schlimm, da die Wirtschaft im allgmeinen deutlich schneller und produktiver geworden ist.
          Zum Beispiel bei Autokonzernen, wo es ganze Fertigungsstraßen gibt, wo nur noch Maschinen 90% der Arbeit verrichten. Bis zu einem gewissen Grad können wir uns somit diese Freizeit leisten. Ich halte Gewerkschaften für keine schlechte Erfindung. Dennoch bringen Gewerkschaften auch Nachteile mit sich.
          Dennoch hat der Mensch im Laufe der Evolution Fähigkeiten abgelegt, da sie einfach nicht mehr gefordert waren.

          Das Thema Bildung:
          https://www.facebook.com/BestTrendVideos/videos/2452943451598174/?hc_ref=ARS08Bo8jYboIJ4QJ-F3UJ3tNqCWqw_uV2T_ma6xkZi3Fizkxi_E-NaeMcBuzEQrcDk

          Bitte nicht alles auf die Goldwaage legen! 😉

          In diesem Sinne klopfe ich mir weiter auf die Schultern und wünsche dir einen wunderschönen Abend.
          Viele Grüße
          Stefan

  2. Hallo Pascal,

    ich gehöre als Jahrgang 1997 nach der gegebenen Definition zu der Generation Z, wobei die Grenzen vermutlich auch eher als fließend zu betrachten sind. Die grundlegende Einstellung ändert sich ja nicht dadurch, dass jemand am 31.12.1994 anstatt am 01.01.1995 geboren ist.

    Ich sehe es bei vielen meiner Schulkollegen auch so, dass es nicht zu anstrengend sein sollte. In meinen Praxisphasen habe ich nämlich mehr oder weniger auch eine 40-Stundenwoche und für einen Vollzeitstudenten ist das kaum vorzustellen. So kenne ich einige, die das Studium durch die Eltern finanziert bekommen, keinem Job nachgehen und dann schon meckern wie anstrengend das alles ist. Das ist natürlich noch von Studium zu Studium unterschiedlich.

    Teilweise besteht meiner Einschätzung nach gerade bei den jungen Leuten ein sehr großes Anspruchsdenken.
    Ich habe doch jetzt einen Abschluss von der Uni und jetzt müssen mich die Leute doch nehmen und gut bezahlen. Gleichzeitig möchte ich aber nicht aus meiner Gegend umziehen müssen, kurze Anfahrtszeiten haben und viele gute Boni Arbeitszeitmodelle haben. Die Ansprüche werden so lange nach oben verschoben, bis kaum ein Arbeitgeber diese noch wirtschaftlich erfüllen kann.

    Letztendlich müssen sich Arbeitnehmer für den Arbeitgeber auch lohnen. Das Unternehmen will schließlich auch seine Gewinne machen. Erst vor kurzem habe ich wieder von einem meiner Bekannten gehört, der fast ein Jahr lang auf Jobsuche/arbeitslos war, weil die Ansprüche zu hoch waren und vor dem Studium nicht so stark darüber nachgedacht wurde, ob es in dem Bereich genügend gut bezahlte Jobs gibt.

    Aber erstmal den Master fertigmachen…

    Auf der anderen Seite wollen junge Leute im Job auch ihre Erfüllung finden und nur das tun, was ihnen wirklich gefällt. Daher machen viele dann ein Studium ohne sich über die Berufswelt und die Nachfrage in der Wirtschaft zu erkundigen. Ich glaube viele meiner Kollegen werden da noch eine große Überracshung erleben, wenn sie in ein paar Jahren fertig sind und sie nicht sofort mit 50.000 € in den Job einsteigen.

    Schöne Grüße
    Dominik

  3. Hallo Pascal,

    interessanter Artikel, besonders für mich als Mitglied der Generation X. Ich möchte nur dazu aufrufen, sich intensiv mit der Planung auseinanderzusetzen. Wer mit 40h/Woche das Geld verdient, welches für finanzielle Freiheit mit 30 ausreicht, umso besser. Zu meiner Zeit, als das Studium mit Bundeswehr/Zivildienst noch bis Mitte 20 ging, war daran nicht zu denken.
    Ansonsten ist Zeit ein wichtiger Faktor, um Vermögen aufzubauen. Je nach Sparrate ergibt sich damit die notwendige Rendite, und die ist eben umso höher, je kürzer die Zeit ist. Also wäre meine Empfehlung wie von anderen, erst einmal Vollgas geben und voran kommen, finanziell und persönlich. Je nach Planung kann es irgendwann ein wenig langsamer gehen…

    Grüße, Alex

  4. Hi Pascal,
    Homeoffice oder Firmenhandy fände ich aber gut, damit ich zumindest wichtige Emails weiterleiten kann, falls ich durch einen Arzttermin oder Ähnliches verhindert bin. Während des Urlaubs das Ding einfach ausmachen.

    Ich bin Jahrgang 92, also Generation Y. Ich bin nicht auf den Kopf gefallen und habe in meinem Job dementsprechend viel Verantwortung. Leider. Ich will irgendwann mal Kinder. Ich will keine Karriere machen, ich will gute Arbeit leisten und dann irgendwann nach Hause zu meiner Familie. Ich will die Kinder zum Kindergarten bringen können oder zumindest abholen (zumindest eine Sache davon, gibt ja auch noch meinen Freund). Wenn man Familie hat, braucht man planbare Arbeitszeiten. Früher gab es Hausfrauen oder Mutti, die dir an deinem 14h-Tag den Rücken frei hielten. Essen fertig auf dem Tisch und frische Wäsche im Schrank. Nun arbeiten meist beide Eltern. Ich habe nun 75h Woche und 12 Tage am Stück arbeiten hinter mir (einfach mal ein Wochenende einschließlich Sonntag durchgeschafft) und ganz ehrlich: Du opferst dich für einen Schlaganfall auf. 14h-Tage sind nichts, worauf man stolz sein sollte. Das ist die absolute Ausnahme. Meine Kollegen fallen der Reihe nach um: Schlechte Blutwerte, schwarze Flecken im Blickfeld, Burnout, Bandscheibenvorfälle, einer hatte einen Schlaganfall mit 40. Ich habe die Samstagsarbeit deswegen nun fast auf 0 reduziert. Arbeiten bis 20, 21 Uhr kommt ab und zu noch vor, aber wenn ich das sehr oft mache, muss ich mir irgendwann keine Gedanken mehr um Kinder machen – dann habe ich keinen Vater mehr dazu. Mit einem guten Projektmanagement kann man Aufträge viel effektiver abarbeiten statt Mitarbeiter unproduktive 14h ableisten zu lassen. Ein Kollege von mir hat nach so einem langem Tag im Sekundenschlaf die falsche Straßenseite benutzt. Ist zum Glück gut ausgegangen. Seit dem geht auch er pünktlicher nach Hause.

    Arbeitszeit und Leistung hängen nicht miteinander zusammen. Meine Kollegin arbeitet 20h pro Woche (3 Kinder) und leistet mehr als manche meiner männlichen Kollegen in 40h. Wir müssen eher weg kommen von diesen sturen Arbeitszeiten. Wenn ich einen privaten Termin habe, komme ich mal auch nur einen halben Tag oder nehme mir komplett frei. Wenn ein wichtiger Kundentermin ist, plane ich das privat natürlich auch entsprechend ein. Wenn einer meiner Mitarbeiter sagt: „Ich muss morgen früher gehen, ist das ein Problem?“, frage ich kurz nach dem Status der Projekte und sage in 90% der Fälle „Mach nur.“, weil man seine Projekte schlecht plant, wenn es an 3h scheitert. Und man unmotivierte und abgelenkte Mitarbeiter hat, wenn sie sich um ihre privaten Themen nicht kümmern können.

    • Hi Jenny,
      Homeoffice nutze ich in der Tat auch sehr gerne, gerade wenn sich mal ein Handwerker oder so ankündigt.

      Deine Kommentare rücken Dinge häufig in ein anderes Licht, danke dafür!

      Ich denke, es ist ein Thema, das man nicht schwarz-weiß betrachten sollte. Um ehrlich zu sein, ruft mein Artikel auch sicherlich zur Einführung der 60 Stunden Woche auf. „Arbeiten bis zum umfallen“ und „ein Hoch auf die Leistungsgesellschaft“ sind keineswegs mein Motto. Was ich aber kritisiere, ist die Einstellung, mit der viele ihren Berufseinstieg machen. Wenn ich von vornherein eher darauf achte, jeden Tag möglichst früh das Büro zu verlassen und der Wille etwas zu erreichen in den Hintergrund rückt, dann verwundert mich das. Für mich ist das ein Zeichen, dass bei der Berufswahl vielleicht ein Fehler gemacht worden ist.

      Das sich die Prioritäten irgendwann ändern, weil man Familie haben möchte – oder es auch Fälle gibt, in denen man einfach zeitlich beschränkt ist, weil man bspw. einen Angehörigen pflegt, ist doch klar. Da wäre ich der Letzte, der dir „Leistungsverweigerer“ an den Kopf wirft.

      Für die meisten Berufsanfänger gilt das jedoch nicht. Und hier würde ich gerade in den 20ern auch etwas intrinsische Motivation für den Job erwarten. Oder wenigsten den Mut sich etwas anderes zu suchen, wenn diese Motivation nicht da ist. Aber sich auf einem sicheren Arbeitsplatz auszuruhen und die 8 Stunden jeden Tag exakt abzusitzen, kann doch auf Dauer nicht glücklich machen, solange nicht wenigstens ein Quäntchen Leidenschaft für den Beruf da ist. Ich bin nicht „stolz“ auf meine 14 Stunden Tage. Ich sage nur, dass es die für mich intensivsten und lehrreichsten Erfahrungen in meinem Arbeitsleben sind. Gleichzeitig stimme ich zu, dass es auf Dauer nicht gesund ist. Deswegen fordere ich nach anstrengenden Projekten auch ruhigere Phasen ein. Ich wandle meine Überstunden konsequent in freie Zeit um und nehme mir einmal im Jahr auch einen ganzen Monat am Stück frei. Funktioniert für mich, ist aber sicherlich nicht jedermanns Sache.

      Hoffe du findest den für dich besten Weg 🙂

      • „Wenn ich von vornherein eher darauf achte, jeden Tag möglichst früh das Büro zu verlassen und der Wille etwas zu erreichen in den Hintergrund rückt, dann verwundert mich das. Für mich ist das ein Zeichen, dass bei der Berufswahl vielleicht ein Fehler gemacht worden ist.“

        Das denke ich auch. Allerdings kann ich diese ‚Unmotiviertheit‘ bei den jungen Leuten sehr gut nachvollziehen. Manchmal weiß man gar nicht, wozu man etwas macht. Ich kenne viele Mitschüler von damals, die sich allein wegen ihres Notenschnittes für ein bestimmtes Berufsfeld (z.B. Medizin) entschieden haben. Hauptmotivation für dieses Studium: Ich kann es irgendwie, es hat hohes Ansehen und wenn man sagt, dass man es studiert, machen alle „Oh“ und „Ah“. Und hinterher gibt es garantiert viel Geld …

        Ich kenne sogar einen Fall, da war die Studentin sehr gut (theoretisch) und hat auch einen sehr guten Abschluss gemacht (Medizin). Das Praktische Jahr war für sie die Hölle und danach war sie ein paar Jahre arbeitslos und saß auf Hartz-IV. Kann man sich das vorstellen? (Was sie jetzt macht, weiß ich allerdings nicht.)
        Einige Kommilitonen, die jetzt fertig sind, schauen auch nur aufs Geld. Das erste, was sie einem erzählen, ist ihr Brutto-Gehalt. Es geht nicht um die Tätigkeit, oder was überhaupt das Unternehmen herstellt und produziert, sondern lediglich um die Entlohnung, wenn man mit ihnen darüber spricht. Auch letztes Jahr habe ich mal eine Bekannte (1-2 Jahre älter) direkt gefragt, ob ihr ihr Job Spaß macht und gefällt. Sie hat mich etwas verwundert angesehen, als ob sie sich noch nie Gedanken darüber gemacht hat, und dann schnell gesagt: „Ja, es macht echt Spaß.“ Ein Anderes mal hatte ich eine Kommilitonin, die ihren Studiengang gewechselt hat, um „mehr verdienen“ zu können.
        Irgendwie scheint es den Leuten egal zu sein, WAS und WOFÜR sie etwas machen. Ich denke, vielleicht sind sie daher so extrem unmotiviert, mehr zu leisten und zu erreichen?

        Einen traurigen Fall gab es aber bei der Arbeit meiner Eltern. Dort hat ein Kollege viele Jahre lang sehr hart gearbeitet und auch Überstunden gemacht, etc. Bis er seinen kleinen Sohn verloren hat (Unfall). Seitdem bleibt er niemals eine Stunde länger als vorgesehen bei der Arbeit. Ich denke, das kann man gut verstehen :/

        Schöne Grüße,
        Anna

        • Hi Anna,

          Danke für die Schilderung deiner Erfahrungen!

          Ich finde es tatsächlich traurig, wenn sich eine Mehrheit den zukünftigen Beruf nur nach Verdienstmöglichkeiten und Prestige aussucht. Klar müssen diese Rahmenbedingungen irgendwo stimmen, aber das alleine kann doch dauerhaft nicht glücklich machen und vor allem nicht motivieren. Dann wird das Gehalt schnell zum Schmerzensgeld.

          Die Situation bei dem Kollegen deiner Eltern tut mir leid. So ein schreckliches Ereignis lässt einen wahrscheinlich seine Prioritäten ebenfalls überdenken…

          Beste Grüße
          Pascal

          • Richtig, die Entlohnung ist nämlich nur ein „Hygienefaktor“, d.h. sie beseitigt Unzufriedenheit, kann aber nicht für Zufriedenheit sorgen. Außerdem ist Geld nur ein extrinsischer Motivationsfaktor. Wenn sich die Menschen aber nur darauf konzentrieren und ihre endliche Zeit gegen Geld tauschen, mit der Hoffnung, „in der Rente ist alles vorbei“, kann das nur schief gehen und wirkt sich unweigerlich negativ auf die Arbeitsmotivation aus. Nur intrinsische Faktoren führen zu mehr Zufriedenheit: Anerkennung, eine sinnvoll erachtete Arbeit, Übernahme von Verantwortung und weitgehende Mitspracherechte. Darauf achten aber leider so wenige Menschen, und wählen noch nicht mal ihr Studium nach solchen Kriterien …

            VG 🙂

      • 1 Monat frei klingt natürlich nach einem Traum! Ich möchte mir dieses Jahr mal 3 Wochen am Stück Urlaub nehmen. Ich gehöre zu den Leuten, die Anlagen mit 90% Automatisierunggrad entwickeln. Wir verdienen unser Geld mit Projektgeschäft. Dadurch wird bei uns stets mit Überlast geplant. Lieber sind die Leute 50h pro Woche beschäftigt als das man mal einen Auftrag nicht bekommt und Leute rumsitzen (aus Unternehmenssicht). Aktuell habe ich einen 40h-Vertrag, arbeite aber 45. 2016 waren es noch 50 pro Woche. Stundenabbau schaffe ich leider nicht, ist als Projektleiterin einfach schwierig, zumal ich noch viele Zusatzfunktionen im Team habe. Werde die Projektleitung wieder abgeben, weil ich die letzten Jahre meist 11-12h außer Haus bin, meine Sportkurse nicht mehr besuchen konnte und generell abends einfach zu nichts mehr zu gebrauchen bin. Ich will dieses Jahr meinen Chef von einer 35h-Woche überzeugen. So kann er mich mit weniger Stunden einplanen und falls er mich mal mehr braucht, ist das ja kein Problem. Es sollte nur kein Dauerzustand der Überlast seien. 5h mehr oder weniger in der Woche sollten durch entsprechende Motivation keinen so großen Unterschied machen, die zeitliche Flexibilität (Kundenbesprechung von 08:00 bis 19:00? Geht klar! Das muss morgen fertig sein? Dann bleib ich heute länger und mach dann dafür morgen früher Schluss!) sollte man fördern. Aber die Erkenntnis hat bei mir nun auch ein paar Jahre gedauert.

        • Hi Jenny,

          3 Wochen + kann ich nur empfehlen. Persönlich sehe ich das gerade als einen großen Vorteil des Projektgeschäfts an. Während eines Projekts werden hohe Überstunden aufgebaut aber anschließend kann man auch mal länger „raus“. Natürlich nur, wenn der Arbeitgeber dafür flexibel genug ist und nicht gleich das nächste Projekt vor der Tür steht. Ich hatte in den letzten Jahren das Glück, dass sich ein Monat immer einrichten lies. Zwei Wochen Urlaube sind mir irgendwie zu wenig um mal komplett runter zu kommen und auf andere Gedanken zu kommen.
          Die zeitliche Flexibilität, die du beschreibst, finde ich ebenfalls sehr wichtig. Klar, gewisse Termine (insbesondere mit dem Kunden) lassen sich nicht verschieben, aber ansonsten lässt sich Flexibilität wunderbar in den Arbeitsalltag integrieren. In meinem Team wird das glücklicherweise gelebt. Frei nach dem Motto: „Bekomm deinen Scheiß hin, mach deine Arbeit vernünftig und dann ist uns egal wann und wie du sie machst“. Das erfordert allerdings ein gewisses Mindestvertrauen in die eigenen Mitarbeiter.

          Beste Grüße
          Pascal

      • Lieber Pascal, liebe Jenny,

        mir geht es wie Jenny, ich bin auch Jahrgang 92, also Generation Y. Ich habe allerdings schon zwei Kinder und es ist tatsächlich so wie Jenny es beschreibt. Ich will meine Kinder morgens möglichst ohne Stress in Kita und Kindergarten bringen und auch keine 10 Stunden am Tag fremdbetreuen lassen. Ich will gute Arbeit machen und nicht als Hausfrau und Mutti daheim nur meinem Mann den Rücken freihalten. Da bin ich sehr dankbar über feste, planbare Arbeitszeiten und wenig Überstunden. Das hat aber nichts mit Faulheit oder Unmotiviertheit zu tun, ich brauche das, um meinen Alltag planbar und für mich schaffbar zu gestalten.
        Insofern kommt es mir sehr zugute, wenn auch andere Arbeitnehmer Wert auf einen pünktlichen Feierabend und genügend Freizeit legen, denn so werden „die Mütter“ nicht automatisch zu den unflexiblen, nicht gern gesehenen Arbeitnehmern, sondern verbringen ihre Freizeit eben mit den Kindern und dem Haushalt statt mit Freunden oder Sport.
        Es stimmt natürlich total, am besten ist es man findet einen Job den man so gerne mag, das eine Stunde mehr oder weniger einem ziemlich egal ist!
        Der Artikel ist sehr schön geschrieben, beim Matcha-Pulver musste ich sehr lachen! Danke dafür!
        Liebe Grüße

        Maya

  5. Ach ja, die Jugend von heute…
    Eine Aussage die es wohl seit jeher von „den Alten“ über die jüngere Generation gibt. Da scheint der Autor wohl gerade festgestellt zu haben, dass er jetzt auch zu „den Alten“ gehört! 😉

    Ich bin Baujahr 1978 (keine Ahnung welcher Generations-Buchstabe das nun genau ist). Studiert habe ich nicht, sondern bin den Weg über die klassische betriebliche Ausbildung gegangen – evtl. ist da das Umfeld dann etwas anders.

    Mein Verständnis ist zwar durchaus, dass wenn es die Situation erfordert Überstunden oder Wochenendeinsätze dazu gehören. Gerade im IT-Bereich kann es da ja mal Überraschungen geben die sich nicht planen lassen (Systemausfall z.B.). Wenn Not am Mann ist, bin ich der letzte der Nein sagt.

    Wenn aber ein Arbeitgeber von vorne herein Überstunden als ganz normal einplant, dann sind das ja kein 40-Stunden + Überstunden, sondern doch im Prinzip von vorne herein z.B. eine 50-Stunden Woche.
    Ob man sich das antun will, kann jeder selbst entscheiden. Auch in jüngeren Jahren sollte man sich durchaus fragen ob man dazu bereit ist sich vom Arbeitgeber „verheizen“ zu lassen. Klar, das Geld mag locken. Aber auch wenn man sich in dem Alter vielleicht noch absolut unverwundbar fühlt, der eigene Körper kann einen da schneller auf den Boden der Tatsachen zurück holen als einem lieb ist…

    Ich würde niemandem verurteilen weil er an sich denkt. Gut so trendige Begriffe wie „Work-Life-Balance“ würde ich jetzt nicht verwenden, aber wenn jemand auch an sich selbst denkt ist das doch einfach nur vernünftig.
    Und wenn der Job mehr fordert, dann ist derjenige wohl einfach nicht der richtige dafür – oder falls es gar keinen richtigen Bewerber dafür gibt, könnte das ja auch am Job liegen. 😉

    • Hi Martin,

      da hast du leider Recht, genau den Gedanken hatte ich beim Schreiben. Vor ein paar Jahren hätte ich ob meines Artikels wahrscheinlich noch selber mit den Augen gerollt. Und habe es auch tatsächlich getan, als ich damals kritische Artikel über diese sinnsuchende „Generation Y“ gelesen habe. Naja, vielleicht gehört das einfach zum Erwachsenwerden dazu 😉

      Stimmt, für mich gibt es einen Unterschied zwischen der Bereitschaft zu Mehrleistung, wenn es ein Projekt erfordert und dem systematischen „verheizen“ von Arbeitskräften aus Kostengründen. Ich muss auch dazu sagen, dass ich (ähnlich wie Ex-Studentin) im Projektgeschäft tätig bin. Das bedeutet, es gibt immer mal Spitzen und dann wird es aber auch wieder ruhiger. Sicherlich nicht für jeden optimal, weil schlecht planbar. Für mich derzeit jedoch angenehm. Wenn ein spannendes Projekt es erfordert, machen mir 14 Stunden auch mal Spaß – würde das aber zum Dauerzustand werden, wäre ich raus.

      Beste Grüße
      Pascal

  6. Hi Pascal,
    guter Artikel, vieles erkenne ich wieder. Bin Jahrgang ’78 und habe die ersten 10 Berufsjahre ordentlich reingehauen, insbesondere mit vielen und anstrengenden Reisen, und damit meine ich Indien, arabische Welt und Südamerika und nicht USA oder ähnliche Komfort-Regionen.

    Jetzt leite ich ein kleines Team, verdiene gut Geld und habe meine Reisetätigkeit deutlich zurückgeschraubt, da jetzt Kinder am Start sind. Den Spruch mit grind, build und chill kannte ich noch nicht, finde ich aber topp, passt bei mir einigermaßen.

    Wobei ich mir gut vorstellen kann, dass wenn die Kinder größer sind, wieder etwas mehr zu grinden oder zu builden. Es sei denn, ich bin dann schon finanziell frei 😉

    Da ich mittlerweile selber Personal einstelle, kann ich auch von entsprechenden, interessanten Vorstellungs- und Personalgesprächen berichten. Natürlich ist das Lästern über die „heutige Jugend“ ein alter Hut, aber es gibt definitiv wahrnehmbare Veränderungen.

    Und um es platt zu sagen: Mit der Einstellung hätte unsere Großeltern-Generation das vom Krieg zerstörte Deutschland nach 1945 wahrscheinlich nicht wieder aufgebaut.

    Mein Opa war im Krieg gefallen, meine Oma mit meinem Vater alleinerziehend und heimatvertrieben ohne irgendetwas in Westdeutschland gestrandet. Life-Balance hieß damals, niemand verhungert. Das kann man sich manchmal in Erinnerung rufen, nur so als korrektiver Kontext. Das ist jetzt grade mal 70 Jahre her und nicht mehrere Jahrhunderte.

    Gruß
    Carlos

    • Hi Carlos,

      so ähnlich wie du es gemacht hast, stelle ich es mir auch vor. Ordentlich reinhauen um sich etwas Momentum aufzubauen und eine gewisse Position mit dem damit verbundenen Einkommen zu erreichen. Das Ganze im Optimalfall in einem Bereich, für den man eine gewisse Passion mitbringt. Wenn dann durch Kids & Co. sich die Prioritäten verschieben, etwas runterfahren. Die Frage ist natürlich, inwieweit „einen Gang runterschalten“ in der Praxis immer realisierbar ist. Da ist man immer auch in einem gewissen Maße von dem Entgegenkommen des Arbeitgebers abhängig. Ich denke aber, dass sich hierfür gute Gründe finden lassen.

      Danke für den Kommentar!
      Pascal

  7. Passend zum Thema:

    Ein 34jähriger Beamter, der sich in seinem Job krankgelangweilt hat, seit mittlerweile über drei Jahren zuhause sitzt und nun noch mal umschulen will. Zumindest hat er die Mindestpension (1660€) schon im Sack:

    http://www.zeit.de/arbeit/2017-12/beamter-verwaltung-gehalt-ruhestand-burnout

    Ich muss zugeben, da wundere ich mich als alter Sack (49) doch auch schon ein wenig. Und auch ich habe den Eindruck, jüngere Kollegen haben eine sehr verschiedene Arbeitseinstellung als wir sie in dem Alter hatten. Allerdings war die Situation auf dem Arbeitsmarkt damals auch etwas angespannter. Wenn ich nicht gespurt hätte, hätte ich beim nächsten Sozialplan weit oben auf der Abschussliste gestanden. Daher ist es natürlich auch ein Vorteil, nicht mehr jeden Scheiß mitmachen zu müssen.

    Gruß, Tino

    • Hi Tino,
      ich glaube da sprichst du auch einen wichtigen Faktor an. Die Arbeitsmarktsituation ist derzeit so blendend, dass sich junge Absolventen kein „Bein ausreißen“ müssen um einen Job zu erlangen und diesen auch zu halten. Gewissermaßen eine Luxussituation. Fraglich ist, wie schnell diese Leute umschalten können, wenn sich die Zeiten ändern. Zudem meine ich, dass intrinsische Motivation langfristig glücklicher macht als Sicherheit des Arbeitsplatzes.

      Beste Grüße
      Pascal

  8. Hallo Pascal,
    bist Du wirklich schon so alt, das ist doch meine Schallplate 😉
    Dem Jungvolk sei gesagt: Nutzt die Kraft und Reilienz der Jugend und haut rein.
    Spätestens mit 50 werdet ihr dazu weder köperlich noch mental in der Lage sein.

    – Körperlich: Ich würde das möderische Yahoo! Deutschland aus dem Boden stampfen heute einfach körperlich nicht mehr durchhalten. Heute gibt’s den geheiligten Mittagsschlaf, damals gab’s Schlaf nach Mitternacht.
    – mental: Als junger Mitarbeiter glaubt man vielleicht doch noch daran, dass diese Reorg alles zum bessern wendet und einfach notwendig ist. Mit 50 hat man genug Erfahung und hält alle Chefs erstmal pauschal für sinistre Schwachköpfe. Da hat dann der Chef die Bringschuld zu beweisen, dass er nicht evil ist.

    Aber: Wer mit 50 als Silberrücken akzeptiert werden will, muss in der Jugend etwas
    geleistet haben. Und nach wie vor gilt: Die Stunden im Job sind – mit Ausnahmen – ein recht guter Proxy für die Leitung. Wenn halbwegs Talent vorhanden ist gilt: Wer mehr trainiert läuft schneller.

    Hier ein Link mitten ins Reich Mordor: Die Karrieretipps von Heiko Mell
    https://www.ingenieur.de/karriere/arbeitsleben/heiko-mell/

    – Mit 20 habe ich sie gehasst
    – Mit 30, als jemand, der selbst einstellt musst ich zugeben, dass er nicht ganz unrecht hat
    – Mit 50, als jemand der an der Seitenliene steht mehe ich sie amüsiert zur Kenntnis und danke dem Herrgott, dass es mich nichts mehr angeht. Aber Recht hat er doch, der gute Mell 😉

    Gruß
    Finanzwesir

    • Hallo Finanzwesir,

      danke für einen Blick auf die Dinge aus dem Blickwinkel eines „Silberrückens“ 😉

      Inhaltlich stimme ich dir zu. Das man mit 50 einerseits nicht mehr auf dem Zenit körperlicher Leistungsfähigkeit ist und andererseits sich Prioritäten verschieben, ist den meisten wohl klar. Gerne würde man in dem Alter einen Gang zurück schalte. Doch um das zu tun und einerseits finanziell nicht in ein Loch zu fallen und andererseits ohne Reue auf sein eigenes Arbeitsleben zurückzublicken, muss man in den ersten Jahren erstmal ranklotzen.
      Wobei der mentale Aspekt hier für mich gar einen höheren Stellenwert einnimmt, als der finanzielle. Wenn ich etwas gefunden habe, an dem ich gerne und mit Leidenschaft arbeite, dann macht mich das auch bei anstrengender Mehrarbeit glücklicher, als nach einer lethargischen 35-Stunden Woche.

      Beste Grüße
      Pascal

  9. Wenn die Generation Y nicht ganz auf den Kopf gefallen ist, hat sie bei den älteren Brüdern, Schwestern & Bekannten mitbekommen, dass Überstunden & Samstagsarbeit vielleicht früher mal als Merkmal engagierter Mitarbeiter galten und ziemlich sicher den Weg zu besserer Bezahlung und guten Aufstiegschancen geebnet hat, aber schon seit einiger Zeit in den allermeisten Fällen nichts außer einem feuchten Händedruck des Arbeitgebers bringen (http://www.daedtech.com/the-beggar-ceo-and-sucker-culture/).

    Da ist es mehr als verständlich, wenn die Work-Life-Balance hinterfragt wird.

    • Richtig! Die meisten Konzerne denken nur noch ein Jahr nach vorne und es kann dir passieren, dass dein Werk trotz Gewinns geschlossen und ins Ausland verlagert wird. Wieso soll man da als Arbeitnehmer langfristig denken??

    • Hi Leser,

      das mag sein und ich verstehe, wenn solche Erfahrungen auf Dauer demotivieren.

      Letztlich wollte ich die Sache allerdings gar nicht so sehr durch die Karriere-Brille sehen. Ich glaube einfach, dass es auch persönlich befriedigender ist, hart an einem Projekt zu arbeiten, welches einem Freude bereitet. Wenn man das tut, folgt der Erfolg für gewöhnlich auf dem Fuße.

      Beste Grüße
      Pascal

  10. Ich kann den Grundtenor der meisten Kommentatoren nicht nachvollziehen. Im Gegenteil, wenn sich die Möglichkeit ergibt, werde ich gleich nur 20-30 Stunden/Woche arbeiten. Was bringt’s denn konkret, sich so zu verausgaben? Von fetten Gewinnen für den Arbeitgeber abgesehen.

    • Auch wenn die 20-30 Stunden an Monotonie kaum zu überbieten sind? Für mich gilt: Lieber 50 Stunden mit Begeisterung an etwas schuften, als 20-30 Stunden die Woche zu verschwenden.

      • Dann am liebsten mit Begeisterung die 20-30 Stunden Woche.

        Die Zeiten haben sich geändert und daher sind 40-50 Stunden nicht mehr sinnvoll. Zum einen ist die Arbeit dichter geworden, sodass ich nach 6 Stunden intensiver Arbeit so verausgabt bin, dass ich gar nicht mehr in der Lage bin effizient zu arbeiten. In dem Zustand kritische Aufgaben auszuführen wäre sogar eher kontraproduktiv. Wenn mein Arbeitgeber von mir verlangt mehr zu arbeiten muss ich meinen Arbeitsprozess auf Kosten der Produktivität Entschleunigung. Ich bin mir sehr sicher dass das die meisten die kontinuierlich 40+ Stunden arbeiten auf die ein oder andere auch Art tun.

        Das andere ist dass sich auch die Beziehungen geändert haben. 40-50 Stunden sind vermutlich noch gegangen, wenn man eine Frau hat, die einen den Rücken frei hält. Dieses Model gibt es auch immer seltener. Für Singles stellt sich dann zusätzlich die Frage für sollen sie sich eigentlich den Arsch aufreisen wenn, wenn sich auch mit zwei Dritteln ihres Einkommens sehr komfortabel leben lässt.

  11. Die Einstellung finde ich nachvollziehbar, teile sie aber nicht, da sie aus meiner Sicht an weiten Teilen der Realität vorbei geht.

    Beruf = Berufung ist zwar eine nette Formel, geht aber nicht auf, da die Anzahl der Stellen pro Beruf und die Träume der Menschen nun mal nie deckungsgleich sind.

    Ich kenne so gut wie niemanden, der davon träumt Müllmann oder Kanalreiniger zu werden, jemand der täglich Toiletten schrubbt hat vielleicht auch mal andere Träume gehabt. Gemacht werden muss diese Arbeit aber nun mal auch.

    Daher kann ich die Einstellung: Geld für verlorene Lebenszeit bis zu einem gewissen Punkt nachvollziehen, sogar in vielen Berufen, wenn nicht sogar in einem überwiegenden Teil.

    Was oftmals nicht passt ist die Einstellung zum Beruf und die Nachvollziehbarkeit der Sinnhaftigkeit. Das gilt aber weniger für Frisöre oder Krankenschwestern, als für jemanden der als Bürohengst Zahlen von A nach B schiebt und sich aber Ende des Tages fragt ob das alles Sinn macht.

    Auch die Reduktion der Arbeitsbelastung ist für mich vollkommen nachvollziehbar. Ich habe viele Hobbies neben dem Beruf. Keines davon würde ich gerne 40 Stunden die Woche machen, geschweige denn, wenn ich dazu gezwungen wäre. So sehe ich das mit dem Job ähnlich. Ich hasse ihn nicht, mag auch Teile davon und mache sie gerne. 40 Stunden die Woche und mehr darin zu investieren sehe ich aber nur ein weil ich dafür entlohnt werde und mir der Perspektive irgendwann mal weniger arbeiten zu müssen.

    Gleichzeitig sehe ich aber auch, dass das ein reines Luxusproblem ist, welches weite Teile der Berufe nicht haben. Home Office ist in den meisten Berufen eine Randerscheinung oder gar nicht vorhanden, außer man ist klassischer BWL, Ingenieur- oder IT-Bürohengst. Eine Krankenschwester, eine Kassiererin im Supermarkt, ein LKW-Fahrer oder ein Frisör hat überhaupt nicht die Wahl und muss sich von daher auch keine Gedanken darum machen. Auch nicht über finanzielle Freiheit, über Teilzeit ab 50 oder die 30-Stunden-Woche.

    Unterm Strich ist die Generation Z für mich einfach ein Weiterentwicklung einer privilegierten Minderheit der Vorgängergenerationen. Sie optimiert sich (minimale Arbeitszeit bei maximalem Lohn) aufgrund ihres persönlichen Marktwertes. Dabei geht es nicht um die reine Maximierung des Humankapitals (das Ziel der vorigen Generationen), sondern um eine Genügsamkeit bei der Ausnutzung des selben, zu einer Fokussierung weg zu Dingen im Leben die einem mehr persönlichen Nutzen bringen. Wie geschrieben ein Luxusproblem weniger Privilegierter, aber ein vollkommen nachvollziehbares Ziel.

    • Hi Alex,

      danke für deine Meinung zu dem Thema!

      Ich kann sehr gut nachvollziehen, dass nicht jeder „Sinn“ in seiner Arbeit sieht. Und auch ich möchte Zeit für meine Hobbies und Interessen haben. Das Beispiel mit dem Müllmann und Toiletten-Schrubber, habe ich schon erwartet 🙂 Und klar, sind das Arbeiten, für die kaum jemand eine Passion haben wird.
      Dennoch finde ich es traurig, wenn junge Absolventen gleich mit einer solchen Einstellung auf den Arbeitsmarkt gehen. Es gibt nämlich auch Menschen, die sehr gerne zur Arbeit gehen. Sinn ist dabei relativ und häufig Einstellungssache. Du nennst Frisöre. Klar werden die wahrscheinlich nicht die Welt verändern. Doch mit der richtigen Einstellung, kann man trotzdem Sinn in seiner Arbeit erkennen und jeden Tag das beste geben. Das ist alleine auch schon ein Selbstzweck. Wird dieser Sinn erkannt, geht man lieber zur Arbeit, leistet bessere Arbeit und fördert den Sinn.

      Luxusproblem? Klar! Nachvollziehbares Ziel? Teilweise 🙂

  12. Hi Pascal,

    interessante Erfahrungen und schön leicht überspitzt unterhaltsam ausgedrückt. Schön vor 50 Jahren reichte es für die FF 6 richtige Kreuze in 49 Kästchen zu machen. Jetzt halt die optimale Kryptowährung zum idealen Market-timing auszuwählen.

    ich führe auch recht viele Vorstellungsgespräche und kann da Deine Erfahrungen der Generation Z noch nicht beobachten. Allerdings sind das auch Gespäche, nach denen eine Entscheidung fällt, so ungezwungene Events haben wir seher selten. Ich mache öfters mal die Erfahrung, das die gesetzlichen und tarifvertraglichen Regelungen, an die sich meine Firma auch streng hält, den Sturm- und Drang mancher neuer Mitarbeiter eher ausbremsen.
    Aber wie schon Vorredner schrieben, sind wohlbalancierte Wochen mit 35 h oder weniger und gleichzeitig die Möglichkeit, was zu sparen und an finanzielle Freiheit auch nur zu denken, ein Luxusthema einer kleinen Gruppe in Mitteleuropa. Meine asiatischen Freunde haben da andere Standards z.B. war ich zufälligerweise noch um 21:30 in einem Großraumbüro eines japanischen Lieferanten (um nach den business dinner mein Gepäck zu holen) und noch 30 % der der 1 m breiten Schreitische in 10er Reihen besetzt. Oder eine koreanische Freundin, die gerne mal nach Europa käme, aber nur 5 Tage Urlaub bekommt. Auf meinen Hinweis, das man das mit Freitagnachmittag bis – Sonntagabend der Folgewoche vielleicht hinbekäme, meinte sie 5 Tage seien incl. Samstag / Sonntag ! Ich frage mich manchmal, wie wir in Mitteleuropa (noch !) gegen solche Arbeitstiere wettbewerbsfähig sind. Meine Meinung ist: Durch die vielen Freiraume (auch was das Äußern von Meinungen angeht), Freizeit, Sicherheit schaffen wir Raum im Kopf für Kreativität und kompensieren damit die deutlich geringere Jahresarbeitszeit. Wie Jenny schon sagte, manche schaffen in 20 h mehr als manche in 40.
    Wenn ich mit freiem Kopf kreativ an was rangehe, dann spüre ich keine Uhr mehr und bin auch nicht gestresst, wenn es 8, 10 oder 14 h dauert. 4 h fremdbestimmter Blödsinn können da viel mehr Nerven und Lebensfreude kosten.
    Das ist auch das, was eien selbstbewusste junge Generation suchen sollte. Kreative Arbeit, die vom Hirn gar nicht als solche wargenommen wird. Solche leute gibts auch und nicht nur in den Start-ups. Das Gegenteil ist die Generation J, die viel Zeit damit verbringt, sich zu beklagen, dass doch in der Firma, im Umfeld, in Deutschland, … alles so schlecht ist und dass nicht sie sondern Chefs, Unternehmer, Politiker, Ausländer, … daran schuld sind.

    • Bei dem Vergleich mit anderen Arbeitskulturen muss man vorsichtig sein, es gibt es viele Tücken und was es heißt zu arbeiten ist sehr unterschiedlich. In Japan z.B. ist es unter Umständen akzeptiert, während der Arbeit zu schlafen (Inemuri).

  13. Super interessanter Artikel!
    Ich selbst bin Jahrgang 1986 und seit gut zwei Jahren in der Promotion. Das bedeutet konkret ca 55 Stunden Arbeit pro Woche, bezahlt werden davon 27 Stunden. Was mich immer wieder verwundert, ist, dass die meisten meiner deutschen Kollegen ununterbrochen jammern, wie schrecklich ungerecht das alles doch ist, wie schlecht die Bezahlung ist, wie wenig Freizeit man doch habe etc. Von meinen indischen, chinesischen, französischen Kollegen hingegegen höre ich solche Aussagen eigentlich nie.
    Aber auch mein privates Umfeld reagiert in der Regel verständnislos, wenn sie von meiner Arbeitszeit erfahren. Dabei erwähne ich noch nicht einmal, dass ich von meinen sechs Wochen Jahresurlaub nur drei Wochen nehme. Für mich ist es irgendwie eine Selbstverständlichkeit, mein Projekt nach vorne zu treiben, neues zu lernen und auch in meiner Freizeit nicht die ganze Zeit auf dem Sofa abzuhängen und mich vom Junk TV berieseln zu lassen.
    Nach Lesen dieses Beitrags stelle ich also fest: Ich bin auf mindestens zweierlei Art ein Außenseiter.
    1.) Ich arbeite gerne viel und gebe
    2.) nicht mein ganzes Geld für Konsum aus, sondern investiere es in ETFs

    Allerdings beruhigt mich das vorherrschende „Generation Z-Verhalten“ innerlich ungemein, denn es wird in bestimmten Situtation nicht zu meinem Nachteil sein…

    Ciao,
    Kai

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