Wie viele „Fucks“ kannst du dir leisten?

Warum es uns so gut geht wie nie und es trotzdem einfach nicht reicht

Zum Einstieg versuche ich mal eben den gewöhnlichen Tagesablaufs eines durchschnittlichen Mitteleuropäers zu skizzieren: Dein Wecker klingelt um 7 Uhr morgens. Das Bett ist warm und gemütlich. Doch ein Blick aus dem Fenster suggeriert böses: Regen zieht auf. Stöhnend hievst du dich dennoch aus dem Bett und rein ins Leben. Du schlurfst ins Badezimmer und gehst deinen morgendlichen Hygiene-Ritualen nach. Einem reichhaltigen Frühstück folgend, steigst du ins Auto oder in die Bahn um dich ins Büro zu begeben. Auf dem Weg bringst du eventuell noch deine 1,5 Kinder in die Schule. Deine Arbeit erfüllt dich nicht eben mit Glückseligkeit, doch der Arbeitsplatz ist relativ sicher, die Kollegen kann man aushalten. Das Gehalt wird dich nicht reich machen aber es reicht um die Grundbedürfnisse zu stillen und dennoch genügend für’s Reisen und andere Freuden des Alltags über zu haben. Um 18 Uhr trittst du den Heimweg an. Auf dem Weg nach Hause stoppst du noch kurz im Fitnessstudio und beim Supermarkt. Abends kochst du dir noch einen Happen zu Essen, guckst einen Krimi und gehst gegen 23 Uhr ins Bett.

Die meisten Leser werden jetzt denken: „Dieses skizzierte Leben klingt sehr alltäglich und irgendwie öde“. Mag sein. Der Alltag des durchschnittlichen Mitteleuropäers ist nicht von spannenden Ereignisses und unvorhergesehenen Abenteuern geprägt. Doch wenn wir uns dieses Leben mal aus einer etwas breiteren Perspektive anschauen, fällt noch etwas auf. Und zwar, dass es ein sehr gutes Leben ist. Der durchschnittliche Mitteleuropäer wacht in seiner warmen und gemütlichen Wohnung auf. Er muss morgens nicht in den Krieg ziehen, sondern darf ins warme Büro fahren und auf dem Weg dahin noch bei Starbucks halten. Er hat einen Arbeitsplatz, der ihn bequem zu ernähren vermag. Selbst Annehmlichkeiten, die vergangenen Generation als geradezu dekadent vorgekommen sein müssten, kann sich der Durchschnitt leisten. Objektiv betrachtet geht es uns im Durchschnitt also verdammt gut.

Warum nur scheint es dennoch, als ob immer mehr Menschen unzufrieden mit ihrer Situation sind? Warum streben wir nach immer Mehr, wenn es uns auf dem Papier doch so gut geht?

wie viele fucks kannst du dir leisten?

„There you go. Givin‘ a fuck when it ain’t your turn to give a fuck.“ – Dt. Moreland (The Wire)

Ein Teil der Antwort lautet: Wir geben einfach zu viele „Fucks“

Wenn dem Amerikaner etwas Wurscht ist, dann pflegt er gelegentlich zu sagen „I don’t give a fuck“. Im Umkehrschluss würde er also ein „Fuck“ geben, wenn ihm eine Sache wirklich wichtig ist. Im deutschen Sprachraum würde man vermutlich sagen „Is‘ mir scheißegal“. Dennoch fällt mir eine akurate Übersetzung des „Fucks“ geben schwer. Von daher sage ich auch „Fyou Money“ und nicht „Lass mich in Ruhe – Geld“ oder „Kümmert mich nicht – Geld“ oder vielleicht „Schleich dich – Geld“. Diese Übersetzungen vermögen einfach nicht darzustellen, was der Term für mich darstellt.

Zurück jedoch zum eigentlichen Thema. Ein Teil des Problems, weshalb viele von uns in einem ständigen Stadium der gehetzten Unzufriedenheit sind, sind die angesprochenen „Fucks“. Wir geben einfach zu viele leichtfertig weg. Wir sagen zu selten „Fuck You“, also im übertragenen Sinne natürlich. Wir kümmern uns um zu viele Dinge, die uns eigentlich nicht wichtig sind. Wir geben unsere Aufmerksamkeit her und bezahlen mit mangelndem Fokus auf unsere eigentlichen Prioritäten. Wir messen unsere Zufriedenheit an Maßstäben, die wir uns von anderen Menschen oder Gruppen setzen lassen. Maßstäbe, die einerseits absurd gesetzt sind und andererseits nie unsere eigenen waren. Wie können wir je erwarten wahre Zufriedenheit zu erreichen, wenn wir diese an Dingen messen, die uns gar nicht wichtig sind?

Ganz einfach: Nie. Denn hier besteht ein entscheidender Widerspruch.

Zunächst ist paradoxerweise der Fakt, dass unser Leben im Durchschnitt so angenehm und einfach geworden ist, auch Teil des Problems. Wenn wir nämlich heute von „Problemen“ sprechen, meinen wir nicht mehr, dass wir kein Essen haben, keine Wohnung haben oder es eventuell Krieg geben wird. Unsere Probleme heutzutage sind eher „spiritueller“ Art. Wir müssen uns nicht mehr um die grundlegenden Dinge sorgen, also konzentrieren wir uns auf uns selbst. Da kommen dann gerne mal Fragen auf wie: „Was ist der Sinn des Lebens“ und „Was macht mich wirklich glücklich?“. Unsere Gesellschaft ist so besessen von positiven Erlebnissen, Glück und Freude, dass wir vergessen haben, dass die negativen Seiten genauso zum Leben gehören.

Wenn wir mal nicht glücklich sind, hinterfragen wir uns schnell. „Müsste ich nicht gerade glücklich sein?“. Die ganzen Menschen auf Facebook, Instagram und Snapchat sind es doch auch. „Was ist bloß falsch mit mir?“.
Fuck, gar nichts ist falsch mit dir. Wir können nicht 24/7 glücklich sein, denn das würde das Konzept ad absurdum führen. Die negativen Seiten des Lebens müssen wir zu akzeptieren lernen, denn sonst ziehen sie uns irgendwann nur umso mehr herunter. Das andauernde Streben nach dem Überglück macht auf Dauer nicht zufrieden, wenn Glück nur in einer kontinuierlichen Folge von „Highs“ gesucht wird. Wir versuchen die negativen Momente wegzuwischen. Zu unterdrücken mit kurzfristigen positiven Erlebnissen, die uns ein kleines Glücks-High geben. Shoppen, ein lustiges Video auf Instagram, ein teures Essen, ein Nacht mit Clubs, Alk und Drogen. Egal was, Hauptsache es sorgt für einen kurzen Glücksrausch.

In unserem blinden Streben nach Glück bekommen wir dabei im Alltag andauernd vermeintlich gute Ratschläge. Man will uns allerlei Dinge andrehen, die vermeintlich glücklich machen. Die Mitgliedschaft im Fitnessstudio um endlich den sexy Body zu haben und zufrieden mit dem eigenen Äußeren zu sein. Die Heimkino-Anlage, die ein großartiges Entertainment an einsamen Abenden verspricht. Die perfekte Beziehung, die uns allen durch Hollywood vor die Nase gesetzt wird. Die harmonische Bilderbuch-Familie. Das Leben als reisender Minimalist, welches laut Instagram extrem glücklich macht. Der Nachbar hat ein neues tolles Auto. Ich brauche also auch eines, vielleicht ist dies der Schlüssel zum Glück? Warum sollte er glücklicher sein als ich? Mehr, mehr, mehr – Schritt für Schritt zum Glück.

Das Problem mit den meisten dieser Dinge ist allerdings, dass sie gar nicht unsere persönlichen Kriterien für Glück erfüllen. Wir geben zu viele „Fucks“ für Dinge, die uns eigentlich gar nicht so wichtig sind. Wir geben ein „Fuck“ nach dem anderen weg, weil uns rund um die Uhr suggeriert wird, dass diese Dinge uns glücklich zu machen haben. Wir trauen uns nicht mehr „I don’t give a fuck“ zu sagen, weil die Gesellschaft beschlossen hat, dass man ein „Fuck“ zu geben hat. Sonst setze man sein Glück leichtfertig auf’s Spiel und könne nicht erwarten es jemals zu erreichen. Man wird nur Kopfschütteln und wohlgemeinte Ratschläge ernten. „Du brauchst endlich eine harmonischere Beziehung.“ „Dir fehlen Kinder zum Glück“. „Gönn dir doch mal was von deinem Geld – ein Auto zum Beispiel“. „Mach mehr Sport und iss vegan, das wird dich erfüllen.“ Oder auch das andere Extrem: Werde Minimalist und konsumiere überhaupt nicht mehr.

Wer wahres, dauerhaftes Glück sucht, der muss tiefer graben. Es ist schwieriger zu erreichen, als die kurzen „Highs“, die sich mit Geld erkaufen lassen. Wer Zufriedenheit erreichen will, muss sich lange mit sich selbst und seinen am tiefsten verankerten Werten auseinandersetzen. Man muss lernen, die negativen Aspekte des Lebens zu akzeptieren und nicht wegzudrücken. Sie nutzen und aus ihnen lernen, anstatt sie zu betäuben. Das Etablieren von eigenen Werten und Vorstellungen ist ein langer Prozess. Eine schwere und lange Reise, die eventuell auch unliebsame Wahrheiten ans Tageslicht bringt und die wahrscheinlich nie komplett abgeschlossen sein wird.

Was man auf dem Weg lernt ist jedoch ungleich wertvoll. Man lernt zu welchen Dingen man ruhig „Fuck You“ sagen kann und für welche Aspekte im Leben man sich seine wenigen „Fucks“ aufheben sollte. Sowohl unsere Aufmerksamkeitsspanne als auch unsere Zeit ist zu begrenzt um „Fucks“ zu geben, als hätten wir davon einen unerschöpflichen Vorrat.

Weniger „Fucks“ zu geben ist nicht gleichbedeutend mit Gleichgültigkeit

Wer sich um alles und jeden einen Dreck schert und jegliche Verantwortung von sich weist, der wird dadurch nicht glücklicher. Eher noch ist das Gegenteil der Fall. Weniger „Fucks“ zu geben, ist daher nicht mit Gleichgültigkeit zu verwechseln. Vielmehr geht es um die Akzeptanz und Filterung. Im ersten Schritt muss akzeptiert werden, dass unsere Ressourcen begrenzt sind und wir daher nicht in jeglichen Bereichen unseres Lebens perfekt sein können. Wir müssen ebenso akzeptieren, dass es das perfekte Glück nicht gibt. Es wird immer auch weniger zufriedene Momente im Leben geben. Im zweiten Schritt müssen wir filtern. Zu welchen Dingen sagen wir „Fuck You!“ und zu welchen Dingen sagen wir „Fuck Yeah!“? Das herauszufinden klingt vermutlich einfacher als es ist. In den kommenden Artikeln dieser Serie wollen wir gemeinsam versuchen, Wege zu finden, die das Filtern erleichtern.

Fyou Money

Wie passt Fyou Money in dieses Konzept? Macht Geld automatisch glücklich?

Mitnichten. Das kann ich jedenfalls für mich persönlich sagen. Für dich wiederum kann die Antwort darauf natürlich anders lauten. Fyou Money nimmt für mich eher die Rolle eines Katalysators ein. Fyou Money gibt mir die Freiheit zu mehr Dingen, die mich stören, „Fuck You“ zu sagen. Fyou Money gibt mir eine gewisse Freiheit und Gelassenheit, die mich beim Filtern unterstützen.

Sein wir ehrlich: Im wirklichen Leben können wir nicht immer einfach „Fuck You“ sagen. Deinem Chef zum Beispiel möchtest du vielleicht mal die Meinung geigen, doch auf der anderen Seite brauchst du den Job. Wenn einige dieser Barrieren durch Fyou Money jedoch geringer werden, so fällt es leichter sich auf die Dinge zu fokussieren, die langfristig Zufriedenheit generieren.

Bis zum nächsten Artikel in der Reihe, kann ich folgendes Buch empfehlen, welches ich momentan lese:


The Subtle Art of Not Giving a F*ck: A Counterintuitive Approach to Living a Good Life

Cheers.

 

Und jetzt du. Ich würde mich über etwas Feedback freuen. Ich plane in unregelmäßigen Abständen weiterführende Artikel zu dem Thema zu schreiben. Ist das von Interesse für dich oder gibst du da eher ein „Fuck You“? Danke!

12 Kommentare

  1. Hey Pascal,

    „I don’t give a fuck“ zu sagen ist extrem wichtig. Ganz besonders liebe ich es bei kleinen Problemen & wenn ich mir bei etwas nicht ganz sicher bin. „Scheiß drauf“ und los gehts. Speziell durch mein gewerbliches Treiben ist diese Filterung noch stärker geworden. Nach Glück streben ist eine andere Sache. Ich bin der Meinung, man sollte nach Leidenschaften streben und das Glück kommt von selbst. Aber wie du geschrieben hast gibt es eben auch Zeiten in denen es nicht so rund läuft. Annehmen und weitermachen. Es heißt nicht umsonst Lei-den-schaft.

    LG
    Johannes

    • Hi Denkfabrik,

      ich finde die unternehmerische Selbstständigkeit unterstreicht schön, wie wichtig es ist „Fuck you“ zu sagen. Danke also für das Beispiel. Wenn man als Selbstständiger nicht lernt zwischen „Fuck Yeah!“ und „Fuck you!“ zu unterscheiden, wird man schnell an seine Grenzen kommen.
      Was das Streben nach Glück angeht, bin ich voll bei dir. Glück an sich ist eine hohle Phrase. Passion erfüllt sie mit Leben.

      Beste Grüße
      Pascal

  2. Hallo Pascal,

    einer der besten Artikel, die ich in letzter Zeit gelesen habe – und das, obwohl er nichts oder nur indirekt mit Finanzen zu tun hat. Was vermutlich daran liegt, dass ich mich selbst ganz gut in der Beschreibung des durchschnittlichen Mitteleuropäers wiedergefunden habe.

    Ich hoffe, ich kann in den Folgeartikel noch Einiges mitnehmen, was das Leben mit einem (leider noch notwendigen) „Nine to Five“ Job erleichtert. Ein simples „I don’t give a fuck“ ist derzeit (noch) nicht drin. Die Unzufriedenheit ist trotzdem da.

    Dein Blog wird ab jetzt jedenfalls fester Bestandteil auf der News Section bei mir.

    LG Götz

    • Hallo Götz,

      vielen Dank für’s Vorbeischauen und die Aufnahme in deine News Section!

      Ich freue mich, wenn du etwas für dich mitnehmen konntest und die Reihe weiterhin verfolgst 🙂

      Beste Grüße
      Pascal

  3. Die Gründe kann man auch in den Urspüngen des Gehirns suchen. Das Gehirn sucht Gefahren. Dafür ist es da. Es soll uns am Leben erhalten. Früher war es wichtig den Säbelzahntiger auszutricksen. Heute gibt es kein Tier mehr was uns bedroht. Das Gehirn sucht also weiter und findet unterbewusst ganz alltägliche Dinge, die es als Bedrohung ansieht – so im Übrigen auch die Ungewissheit über unsere finanzielle Zukunft!

    • Hi Bankenmärchen,

      sehr guter Einwand, gefällt mir.

      Sich ständig zu sorgen, ist bestimmt ein menschlicher Reflex. Umso schöner, dass wir uns heute um das Sorgen machen können, was in 30 Jahren auf unserem Konto ist. Ein paar Generationen vor uns, hatte man bestimmt Sorgen von unmittelbarerer Natur.
      Die Zukunft ist stets ungewiss und die Sorgen kann man daher nie ganz abstellen. Doch ich denke mit der richtigen Anlagestrategie kann man der Zukunft, zumindestens in finanzieller Hinsicht, etwas gelassener entgegenblicken.

      Beste Grüße
      Pascal

  4. Hi Pascal,
    toller inspirierender Beitrag! Der schlägt genau in meine „Gedankenkerbe“! Uns wird so viel suggeriert, dass wir unsere eigenen Bedürfnisse gar nicht mehr kennen. Wir wissen nicht wo unser Kopf steht und auch nicht was wir wollen. Also ich freue mich über alle weiteren Beiträge in dieser Kategorie!
    Liebe Grüße
    Florian

    • Hi Florian,

      freut mich sehr, dass der Artikel Resonanz bei dir findet!

      Bei all den Eindrücken heutzutage ist es in der Tat schwer seine eigenen Prioritäten zu finden. Ich hoffe im Rahmen dieser Artikelserie können wir gemeinsam etwas „Licht ins Dunkle“ bringen.

      Beste Grüße
      Pascal

  5. Danke für diesen Artikel! Ich bin mir nicht sicher, ob es „den Mitteleuropäer“ in der Form heute noch gibt. Der von der Ausbildung bis zur Rente das Immergleiche auf demselben Bürostuhl tut. Und dann bei Verrentung nichts mit sich anzufangen weiß (wobei – das wußte er davor auch nicht und kaschierte diesen Umstand durch die alltägliche Routine). Normalerwerbsbiografie nennt sich das und die ist zunehmend weniger anzutreffen. Und das ist auch ganz gut so. Nur tun wir alle so, als ob es diese Norm noch gäbe. Dabei gibt es heute die Fabrik als gesellschaftliches Leitmotiv nicht mehr. Und andere Institutionen halten das Leben auch nicht mehr auf Kurs: die Kirche z.B.
    Und vielleicht fehlen uns einfach die Vorstellungen, wie so ein Leben heute abläuft und wie es sinnvoll zu gestalten ist. Ich weiß nur, dass ich nicht immer dasselbe tun werde. Ich weiß aber nicht, was ich in meiner Zukunft stattdessen tun werde. Das war früher anders. Heute gibt es die Freiheit, die eigene Biographie selbst zu gestalten. Aber wie?

    Wenn mich mein Chef stört, habe ich alternativ aber auch ohne Fyoumoney jederzeit die Option zu kündigen und selbst eine Firma zu gründen. Die wenigsten Menschen machen aber von dieser Freiheit Gebrauch. Nur wird die Sache auch mit Fyoumoney nicht einfacher: ich kann meinem Chef „Fyou“ sagen (I did that already) – aber was tue ich dann? Dann gibt es immer noch 365 Tage im Jahr, in denen ich etwas mit mir selbst anfangen sollte. Ich kann freudig in meiner Bude vor mich herwerkeln (da wären wir wieder bei der Einsamkeit), aber das wird sehr schnell langweilig. Denn irgendwie hat dieses Ich auch immer etwas mit dem Gegenüber, den Anderen zu tun.

    Geld kann ich zwar nur für mich alleine anhäufen und bunkern, Glück aber eher nicht. Es ist einfach über Geld zu sprechen denn es ist als Äquivalent vergleichbar. Zufriedenheit und was ich unter meinem gelungenen Leben verstehe, ist dagegen nicht vergleichbar (zumindest nicht in einer pluralistischen Gesellschaft). Vor allem fehlt uns das Vokabular, zu artikulieren, was Glück und Sinn individuell bedeutet.

    • Hallo Chris,

      starker Kommentar – danke dafür!

      Absolut richtig, die Normalerwerbsbiografie ist mittlerweile nur noch selten anzutreffen. Ich merke das auch an meiner eigenen Vorstellung von Karriere. 40 Jahre lang dasselbe zu machen, kann ich mir ganz und gar nicht vorstellen. Es würde mich vermutlich nicht glücklich machen.

      Einerseits ist es super, dass wir heute so viele Möglichkeiten haben. Wenn mir mein Job nicht gefällt, kann ich ihn recht unkompliziert wechseln. Dazu brauche ich in der Tat kein Fyou Money, wie du sagst. Die Frage bleibt in diesem Fall, ob mich der Jobwechsel glücklicher macht oder es dasselbe in blau ist. Andererseits stellt diese ständige Veränderung viele Menschen auch vor große Probleme. Es besteht halt nicht nur die Möglichkeit zur ständigen Fortentwicklung, sondern auch ein gewisser Drang dazu. Doch nicht jeder möchte ständig flexibel sein, nicht jeder kann das. Wie du bereits erwähnst, werden immer mehr „Pfeiler“ unserer Gesellschaft (zum Teil zu Recht) in Frage gestellt. Es fällt dann vielen schwer noch Halt zu finden.

      Dein zweiter Punkt geht in die Richtung: „Macht finanzielle Freiheit wirklich glücklich“. Ich habe mich besonders über diesen Einwand gefreut. Er ist extrem wichtig und ich behandele ihn in einem separaten Post, den ich gerade veröffentlicht habe. Glück, finanzielle Freiheit und Zufriedenheit lassen sich in der Tat nicht in einen Topf schmeißen. Dazu sind vor allem Glück und Sinn, wie du sagst, zu komplex. Wir machen es uns hier häufig zu einfach, wenn wir die finanzielle Freiheit mit Glück vergleichen.

      Beste Grüße
      Pascal

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