Was ist ein ETF?

…und wie funktioniert der Vermögensaufbau durch passives Investieren?

Vermögensaufbau
Einen Happen von der ganzen Welt? Mit ETFs kein Problem!

Im letzten Post zum Vermögensaufbau haben wir uns mit den drei Bestandteilen deines Portfolios beschäftigt. Wir haben festgestellt, dass Aktien eine wichtige Komponente unserer Anlagestrategie darstellen. Außerdem haben wir bereits kurz den Unterschied zwischen aktivem und passivem Investment angerissen.

In diesem Post soll es zunächst um die Vorteile von passiven Anlagestrategien gehen. Anschließend erörtere ich, wie sich diese Strategien mithilfe von ETFs für jedermann leicht umsetzen lassen.

Fondsmanager. Ich denke bei den meisten Menschen ruft dies ein Bild von mächtigen Finanzjongleuren in teuren Anzügen hervor. Experten des Geldes, die Tag und Nacht Graphen und Finanzberichte analysieren, Aktien günstig kaufen und teuer verkaufen und dafür Millionen Dollar an Provisionen kassieren. Die neuen Herrscher der Welt halt.

Diese Finanzgurus legen aber nicht nur ihr eigenes Geld an, sondern verwalten das Geld anderer Menschen. Sie verwalten Fonds. Von diesen Fonds gibt es tausende Exemplare und sie unterscheiden sich vor allem in ihrer Anlagestrategie und dem gesetzten Fokus. Auch Privatinvestoren können in solche Fonds investieren. Einige haben zwar hohe Mindestanlagebeträge aber viele kommen auch ohne aus. Das aktive Management durch den Fondsverwalter ist aber natürlich nicht kostenlos. Man bezahlt hierfür in Form eines Ausgabeaufschlags (i.d.R. von bis zu 5%) und einer järlichen Kostenpauschale.

Wie performen professionelle Fondsmanager?

Wenn man einen Fondsmanager für die Verwaltung seines Vermögens bezahlt, erwartet man natürlich etwas als Gegenleistung. Ich würde also erwarten, dass der Fondsmanager seine Expertise nutzt um mir eine bessere Rendite als der Durchschnitt aller Aktien zu bieten. Das heißt, er oder sie analysiert die Finanzdaten vieler börsennotierter Unternehmen und fischt die heraus, die das meiste Wertsteigerungspotenzial zu haben scheinen (oder je nach Investmentstrategie niedrigeres Risiko haben etc.). Meine Erwartungshaltung als Investor ist also, dass der Fondsmanager den Markt schlägt. Und zwar dauerhaft, da ich ein langfristiger Anleger bin. Schaffen Fondsmanager das?

Der „Markt“ lässt sich gut anhand von Indizes, wie beispielsweise den DAX, darstellen. Wenn also ein Fonds in deutsche Aktien anlegt, muss der Fondsmanager die Aktien, die eine bessere Performance zeigen, stärker gewichten. Der DAX wiederum gewichtet lediglich nach Marktkapitalisierung. Das Problem ist nur: Woher soll der Manager wissen, welche Aktien im DAX in der Zukunft besser und welche schlechter performen?

Die Antwort, die sich aus einer Vielzahl von empirischen Studien ableitet, lautet: Er kann es nicht wissen und er tut es auch nicht. Also Folge dessen, können nur die wenigsten aktiv verwalteten Fonds den Markt auf Dauer schlagen. Einige können es für einige Zeit aber die wenigsten über Jahrzehnte hinweg. Ein Studie von Vanguard betrachtet die Performance aller aktiven Equity Fonds in den USA zwischen 1998 und 2013. Das Ergebnis: Nach 15 Jahren existieren nur noch 55% der Fonds. Und nur 18% der noch bestehenden Fonds konnten den Markt schlagen.

Eine ähnliche Studie von Professoren der University of California Davis und Berkley stimmt dem zu: Sogar nur 1% der aktiven Finanzmanager in ihrer Studie konnten den Markt schlagen. Und je mehr sie handeln (also je aktiver sie sind), desto schlechter schneiden sie ab.

In aktiv verwaltete Fonds zu investieren macht empirisch einfach keinen Sinn!

Das heißt also, ein paar wenige Fondsmanager nur können den Markt dauerhaft schlagen. Sie im Voraus zu identifizieren ist jedoch unmöglich. Ein Fonds mag in einem Jahr ein Plus von 20% erzielt haben, das sagt jedoch rein gar nichts über seine zukünftige Performance aus! Warum also bezahlt jemand für eine so geringe Erfolgsaussicht, so hohe Kosten in Form von Verwaltungsgebühren und Ausgabeaufschlägen? Eine Wette zu extrem schlechten Quoten….

Ein weitere Lektion aus diesen Studien: Wenn es hochbezahlte Fondsmanager, mit langer Erfahrung und riesigem technischen Support nicht schaffen den Markt zu schlagen, ist es nicht ein wenig arrogant als Kleinanleger zu denken man könne es? Ja, ich weiß es gibt viele Tutorials und Youtube Videos zur Chartanalyse und vermeintliche Day Trading Strategien. Je mehr man von solchen vermeintlichen Techniken liest, desto mehr ist man überzeugt davon, dass der Markt mit diesen Analysetechniken zu schlagen ist. Bitte gib dem ein entschiedenes FYOU! Gäbe es ein narrensicheres Vorgehen, so hätten es Investmentbanken schon längst entdeckt und so lange ausgenutzt, bis sich die Chance wieder geschlossen hat (siehe Arbitrageure). Stay humble and patient, my friend.

Die alternative: Vermögensaufbau mit ETFs

Wir entscheiden uns also in den Markt zu investieren, da sich dieser scheinbar kaum schlagen lässt. Wählen wir als Marktindex den DAX, so können wir nicht Aktien aller 30 DAX-Unternehmen mit entsprechender Gewichtung kaufen. Das wäre teuer und wir müssten ständig die Gewichtung anpassen.

ETF steht für Exchange Traded Fund. Und der Name ist Programm. Bei ETFs handelt es sich nämlich börsengehandelte Indexfonds. Sie werden nicht aktiv verwaltet, sondern bilden stur die Entwicklung des zugrundeliegenden Index (z.B. DAX) ab. Steigt der DAX um 5%, so steigt der Wert des ETF um 5%, fällt der DAX, so fällt der Kurs des ETF entsprechend. Ein ETF kauft also Aktien entsprechend ihrer Gewichtung im Index und passt sein Portfolio fortlaufend an um möglichst Präzise die Entwicklung abzubilden. Du kannst also beispielsweise mit nur 100 Euro in den gesamten DAX investieren.

Die Vorteile von ETFs

  1. Kostengünstig
    ETFs werden nicht aktiv verwaltet und sind daher deutlich günstiger. Die jährliche Verwaltungsgebühr liegt meistens unter 0,5% (Total expense ratio). Ein Ausgabeaufschlag entfällt in der Regel komplett, da die Anteile nicht über eine Fondsgesellschaft gekauft werden. Zudem bieten viele Anbieter günstige Sparpläne auf ETFs an.
  2. Transparent
    ETFs verfolgen keine Investmentstrategie, die sich irgendein Manager ausgedacht hat. Sie bilden stur einen Index ab. Dadurch kannst du die Wertentwicklung in Echtzeit nachverfolgen. Dagegen legen normale Fonds den aktuellen Preis nur einmal täglich fest.
  3. Liquide und flexibel
    ETFs werden an der Börse gehandelt. Daher gibt es zu den Öffnungszeiten der Börse immer einen aktuellen Preis und du kannst deinen Anteil am Fonds jederzeit verkaufen oder neue Anteil erwerben.
  4. Sondervermögen
    Genau wie normale Investmentfonds auch, sind ETFs Sondervermögen. Das bedeutet, die Anlegergelder sind rechtlich von dem Vermögen der Fondsgesellschaft getrennt und so bei einer Insolvenz der Fondsgesellschaft geschützt.

Das ETF Volumen ist in den letzten Jahren stark gestiegen. Mittlerweile gibt es nicht nur ETFs auf bestimmte Indizes. Einige ETFs fokussieren sich auf bestimmte Regionen (z.B. Asien oder Entwicklungsländer) oder Branchen (es soll sogar ETFs auf Drohnenhersteller geben). Abzugrenzen von ETFs sind ETCs, welche die Entwicklung von Rohstoffpreisen darstellen sollen. ETCs sind jedoch kein Sondervermögen. Die Bandbreite an ETFs ist riesig und die Auswahl fällt schwer. Daher werden wir uns im nächsten Post mit der ETF-Auswahl befassen!

Wenn ETFs wirklich so viele Vorteile haben, warum habe ich dann noch nie davon gehört?

Ich erinnere mich an mein erstes Gespräch mit einem Anlageberater. Ich habe gerade meinen ersten richtigen Job nach dem Studium angenommen. Dazu hatte ich ein paar tausend Euro angespart und von Verwandten geschenkt bekommen. Das waren keine großen Beträge aber ich wollte sie dennoch sinnvoll anlegen. Der Berater schien äußerst nett und um meine Altersvorsorge besorgt. Er zeigte mir verschiedene Produkte und legte mir eine Art Kapitallebensversicherung nahe. Diese sollte gleichzeitig der Altersvorsorge dienen. Er zeigte mir eine Reihe von Fonds, in die mein Geld investiert werden würden. Alle diese Fonds hatten in den letzten 5 Jahren erstaunliche Renditen erwirtschaftet. Und sogar eine Garantierendite versprach mir der Experte. Das klang alles nach toller Rendite bei wenig Risiko.

Kleingedruckt standen da auch so Begriffe wir „Verwaltungsgebühren“ und „Ausgabeaufschläge“ sowie Mindestlaufzeiten. Auf Nachfrage was diese Begriffe denn für mich bedeuten, reagierte der „Anlageberater“ zunehmend genervt. Das sei halt so, das könne man nicht ändern und sei bei der Altersvorsorge ganz normal. Besonders schön fand ich die Aussage, dass die Verwaltungsgebühren auf lange Sicht nicht ins Gewicht fallen würden. Ich beschloss mich daraufhin erstmal selber etwas Zeit zu investieren und mich mit dem Thema näher zu befassen. Und ich bin überzeugt, dass dies die beste Investition in meine Altersvorsorge überhaupt war. If it is too good to be true, it probably is. Fyou, Anlageberater!

Ein Anlageberater oder die Bank um die Ecke wird dir ETFs aus einem einfachen Grund nicht anbieten: Sie leben von Provisionen. Für die Vermittlung von ETFs gibt es jedoch keine Provision. Aus der Sicht der Anlageberater existieren ETFs daher nicht.

Wie angekündigt, beschäftigen wir uns im nächsten Beitrag damit, welche ETFs in dein Portfolio gehören! Brauchst du wirklich einen ETF auf Schwellenländer oder reicht der DAX? Außerdem später: Was hat es mit Anleihe-ETFs auf sich und welchen sollte ich kaufen? Halt alles was du zum Thema Vermögensaufbau wissen musst!

Bis dahin, danke für’s Lesen und ich würde mich wie immer über Kommentare und Anmerkungen freuen.

Cheers.

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