Süßer Abschied von meinen Jugendsünden

In mehreren Posts habe ich bereits meinen langfristigen Vermögensaufbau grob umrissen. Kurze Zusammenfassung: Ich halte nichts von Stock Picking, Day Trading oder Derivaten für den Aufbau meines Fyou Moneys. Der Großteil meines Depots besteht daher aus ETFs. Derzeit habe ich Index-ETFs auf den World MSCI, Emerging Markets, DAX. Dazu kommt ein Anleihe-ETF. Allerdings ist das Depot historisch gewachsen und bedarf noch einiger Anpassungen. Insbesondere habe ich mir vorgenommen, den DAX-ETF aus dem Depot zu schmeißen und ein festes Verhältnis zwischen den verbleibenden ETFs festzulegen.

Jedoch befindet sich in meinem Depot auch noch die ein oder andere „Jugendsünde“ (Johannes hatte am Anfang der Woche über seine „Anfängerfehler“ berichtet). Dabei handelt es sich um Wertpapiere, die nicht meiner langfristigen Anlagestrategie entsprechen. Ich würde sie eher in die Kategorie „Spekulation“ schieben.

Wie in einem der letzten Posts beschrieben, sehe ich persönlich für mich Einzelwerte nicht als Anlagevehikel. Ich trenne klar zwischen langfristigem Vermögensaufbau und Zocken. Doch wenn meine Investitionsquote gedeckt ist, spekuliere ich auch im kleinen Maßstab. Getreu dem Motto „practice what you preach“, konzentriere ich mich jedoch klar auf den langfristigen Vermögensaufbau mittels passiven Index-ETFs. Eine Jugendsünde musste daher weichen, doch der Abschied wurde mir versüßt…

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Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung.“ – Hans Kasper

Meine Liebschaft mit dem schwarzen Gold

Anfang 2016 fielen die Ölpreise auf ein Allzeittief. Für ein Barrel der Sorte WTI musste man um 2008 herum noch über 140 USD hinlegen. Mittlerweile waren es zeitweise unter 30 USD. Ein wahnsinniger Preisverfall.

Als Gründe schienen die sinkende Macht der OPEC, eine Förderung auf Hochtouren, politische Spielchen und die Gewinnung von Schieferöl ausgemacht zu sein. Während es Rohstoffgiganten im mittleren Osten und Russland wirtschaftlich stark belastete, freuten sich andere Industrien, die auf die schmierige schwarze Masse angewiesen sind. Der Ölpreis spielte auch eine große Rolle in den Nachrichten, Spekulationen griffen um sich. Würden sich die Förderländer auf eine Drosselung einigen können und der Ölpreis in der Folge wieder in die Höhe schnellen? Oder würde der teils politisch aufgeladene harte Wettbewerb ausgeweitet werden und Öl alsbald zur Ramschware werden?

Zu der Zeit hatte ich angefangen mich mit dem Finanzmarkt näher zu befassen und konnte es kaum erwarten mein Depot zu befüllen. Es zuckte etwas in den Fingern. Doch sollte ich wirklich mein hart verdientes Geld in den Finanzmarkt stecken? Und dann vielleicht sogar in Rohstoffe? Eigentlich hatte ich schließlich null Erfahrung mit dem Investieren gemacht und kannte auch niemanden, der aktiv handelte.

Doch der Ölpreisverfall hatte es mir irgendwie angetan. Was mich letztendlich überzeugte, war ein Artikel über die Ölförderung. Darin war zu lesen, dass die Förderung von Erdöl erst ab einem Ölpreis von über 44 USD profitabel sei. Es schien mir offensichtlich, dass damit Preise von unter 44 USD nicht von Dauer sein können. Doch woher der Artikel diese Information hatte und ob es tatsächlich so wahr? Keine Ahnung, habe ich damals nicht hinterfragt. Aber ich war erstmal überzeugt. Dabei wusste ich nicht einmal wie man mit Öl handelt. Wenn ich auf einen steigenden Ölpreis spekulieren möchte, wie mache ich das? Gehe ich zur Tanke und ordere 1.000 Liter Öl? Wie soll ich die denn lagern? Ich besitze ja nicht mal ein Auto!

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Zum Glück gibt es ja die Börse. Sie sorgt dafür, dass ich mir meine Hände nie würde schmutzig machen müssen mit dem klebrigen Schwarz. Auch Öldämpfe muss ich nicht in meine Lungen lassen. Ich muss nur die richtigen Wertpapiere kaufen. Dennoch bieten sich auch hier verschiedene Möglichkeit, unter denen die passende zu wählen ist. Direkt kann ich nicht in Öl investieren, da ich als Privatanleger nicht ohne weiteres Kontrakte auf Öl erwerben kann. Jedoch kann ich über Umwege an einem steigenden Ölpreis partizipieren. Dafür habe ich damals zwei Möglichkeiten ins Auge gefasst:

  1. Aktien von Ölfirmen 
    Der wirtschaftliche Erfolg und damit auch der Aktienkurs von Unternehmen der Ölindustrie, ist natürlich an den Ölpreis gekoppelt. Dieser bestimmt schließlich, wie viel deren Output wert ist. Im Zuge des Ölpreisverfalls kam es so auch zu einem Einbruch bei den Kursen von Unternehmen wie Exxon, Chevron, BP und Royal Durch Shell. Sobald der Ölpreis wieder längerfristig anzieht, dürften also auch die Kurse dieser Unternehmen wieder steigen.
    Mittlerweile gibt es auch ETFs, die sich aus Unternehmen aus der Energie-Branche zusammensetzen.
  2.  Exchange Trade Commodities
    Während meiner Recherchen bin ich damals auch auf ETCs gestoßen. Bei ETCs handelt es sich, wie auch bei bei ETFs, um börsengehandelte Wertpapiere. Das „C“ für Commodities deutet jedoch an, dass es hier um Rohstoffe geht. Anders als bei ETFs sind ETCs jedoch keine Fondsanteile und daher auch kein Sondervermögen. Es handelt sich vielmehr um unbefristete, besicherte Schuldverschreibungen eines Emittenten. Einer der größten Emittenten in dem Bereich ist die ETFS Commodity Securities Limited mit Sitz in Jersey.

Ich entschied mich schließlich für die zweite Option, genauer genommen für einen ETC mit der WKN A0KRKD. Das Wertpapier trägt die Bezeichnung „ETFS Energy DJ-UBSCI“ und beabsichtigt die Preisentwicklungen der dem Dow Jones-UBS Commodity Index zugrunde liegenden Energie-Futures widerzuspiegeln. Dabei ist der ETC beschränkt auf die Rohstoffe Rohöl, Erdgas, Brent-Öl, Benzin und Heizöl. Die Wertentwicklung des ETC wird dabei durch das Rollen der Futures auf diese Rohstoffe bestimmt.

Ein Future ist im Allgemeinen ein Vertrag über die Lieferung eines Gegenstands zu einem festgelegten Preis an einem bestimmten Zeitpunkt in der Zukunft. Beispielsweise kann Bäcker A einen Future auf Mehl abschließen. Dazu geht Bäcker A zu Bauer B und schließt mit ihm einen Vertrag über die Lieferung von 1.000 Tonnen Mehl in 3 Monaten zu einem Preis von 100 Euro pro Tonne. Beide Parteien können sich so gegen unvorhergesehene Preisschwankungen absichern (auch Hedging genannt). Nach 3 Monaten wird die Lieferung fällig. Wer vom Vertrag profitiert hat, hängt letztendlich vom Marktpreis. Sollte der Marktpreis für Mehl mittlerweile bei 120 Euro liegen, so hat der Bäcker profitiert, da er jetzt Mehl unter dem Marktpreis erwerben kann. Der Bauer muss das Mehl unter seinem aktuellen Wert abgeben. Anders herum verhält es sich, wenn der Preis in der Zwischenzeit auf 80 Euro gefallen ist. Das praktische daran ist: Es muss gar nicht zur physischen Lieferung des Mehls kommen. Wenn der Marktpreis jetzt bei 120 Euro liegt, kann der Bauer dem Bäcker auch einfach die Preisdifferenz von 20 Euro überweisen und dieser kann sein Mehl dann irgendwo auf dem Markt kaufen. Das nennt sich auch glattstellen.

Mit dem ETC meiner Wahl verhält es sich ganz ähnlich: Ständig werden Terminkontrakte gekauft und dann kurz vor Fälligkeitstermin glattgestellt. Anschließend werden neue Terminkontrakte gekauft. Dabei sind die neuen Kontrakte entweder teurer als die alten und es entsteht ein Verlust (Contango) oder sie sind günstiger und es entsteht ein Gewinn (Backwardation). Das Ergebnis dieses ständigen Hin und Her wird auch Rollrendite genannt. Die Rollrendite beeinflusst den Wert des Dow Jones- UBS Commodity Index und damit wiederum meinen ETC.

Merci OPEC

Anfang März kaufte ich Anteile am ETC für 2,75 Euro das Stück. Im Sommer berappelte sich der Ölpreis dann wieder und die positiven Rollrenditen ließen auch den Wert meines ETCs ansteigen. Im Juni stand der Ölpreis kurzzeitig sogar wieder bei über 50 USD. Ich entschied mich die Anteile zu halten und auf eine weitere Steigerung zu spekulieren. Leider stürzte der Ölpreis aber wieder auf unter 40 Euro ab…

Ende September beschloss die OPEC ihr letztes bisschen Macht zu nutzen und eine Drosselung der Förderung zu beschließen. In der Folge zog der Ölpreis wieder an und kletterte auf knapp über 50 USD. Wo die Reise noch hingeht? Keine Ahnung.

Aber da ich ohnehin beschlossen hatte, das Depot aufzuräumen schien jetzt der Zeitpunkt zum Verkauf gekommen zu sein. Ich verkaufte also und die Rendite kann sich sehen lassen:

öl etf

Meine Lehren aus dem Geschäft

jugendsünden

Warum bezeichne ich so eine tolle Transaktion als „Jugendsünde“? Der Gewinn ist doch sehr ansehnlich!

Sicherlich freue ich mich riesig darüber, das Geschäft mir einem Gewinn abschließen zu können, keine Frage.

Dennoch hinterfrage ich den Kauf kritisch. Im Nachhinein macht ja alles immer Sinn und es fällt leicht, sich selber auf die Schulter zu klopfen. Doch es hätte genauso gut auch schmerzlich für das Portemonnaie werden können. Wenn ich mich ins Jahr 2014 zurückdenke, könnte ich mir auch vorstellen, die Ölpreisentwicklung zu betrachten und zu denken „Wow, ein Minus von 25% innerhalb eines halben Jahres. Das könnte eine Übertreibung sein.“ Wenn dann noch ein schlauer Artikel gesagt hätte: „Ein Ölpreis von unter 80 USD ist auf Dauer nicht realistisch“, hätte ich dann anders gehandelt als im März 2016? Keine Ahnung.

Ich versuche meine Entscheidung durch die „Behavioral Finance“ – Brille zu betrachten um zu beurteilen, wie mich meine Emotionen zu einem schlechten Investor machen könnten. Das Overconfidence-Phänomen könnte dazu führen, dass ich von mir selber jetzt als Ölpreis-Guru denke. In der Zukunft würde mich diese Überschätzung meiner hellseherischen Fähigkeiten vielleicht dazu verleiten, immer größere Risiken einzugehen. Vielleicht sogar in einem Maße, die mein Fyou Money gefährden.

Daher betrachte ich das Ergebnis als das was es ist: Ein glücklicher Spekulationsgewinn. Das Ergebnis einer Zockerei.

 

Welche Jugendsünden schlummern in deinem Depot?

Cheers.

2 Kommentare

  1. Hallo Pascal,

    Gratulation zum Gewinn! Solche Renditen verleiten sicher stark einen weiteren Versuch zu starten, deshalb habe ich großen Respekt vor deiner Reflexion. Von ETCs habe ich bis dato noch nichts gehört, wieder etwas gelernt.
    Du bist langfristig unterwegs. Wirst du deshalb in Zukunft – wenn deine Investitionsquote gedeckt ist – noch einmal in Futures investieren, oder war das der Anfang vom Ende?

    Danke fürs Verlinken & LG
    Johannes 🙂

    • Hi Johannes,

      besten Dank 🙂
      Das ist eine gute Frage auf die ich dir nur schwer eine Antwort geben kann. Planen tue ich es nicht, da ich momentan mit meinen ETFs ganz zufrieden bin und es mir um den langfristigen Vermögensaufbau geht. Alternativ könnte ich mir vorstellen, im kleinen Umfang Einzelaktien zu kaufen. Das dann aber auch unter der Kategorie „Zocken“ und nicht als Vermögensaufbau. Rohstoffe eher nicht mehr, einfach weil die Preisentwicklung sehr undurchsichtig ist und ich, wenn ich ehrlich bin, gar keine Ahnung davon habe. Aber fehlendes Wissen hat an der Börse ja noch niemanden abgehalten 😉

      Beste Grüße
      Pascal

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