Spart euch nicht arm!

Eine neue bunte Kuh wird durch’s Blogger Dorf getrieben und alle schauen staunend aus ihren Fenstern. Ihr Name: Minimalismus. Ihre Mission: Verkauf deinen Krempel, gib der Konsumgesellschaft ein freundliches „F*ck You“, spare wo du kannst. Und natürlich Regel Nummer eins: Erzähle jeden, den du triffst, dass du jetzt Minimalist bist. Ja, auch denen die dich schon seit deinem gescheitertem Veggie-Experiment und deiner Yoga-CrossFit-Selbstfindungsphase ignorieren. Wenn Finanzblogger das positive Konzept des Minimalismus unter Anwendung von größter Gewalt in ein Vermögensaufbau-Korsett zu zwängen versuchen, so kommt dabei oft Non-Sense raus. Geiz und manisches Sparen sind nicht gleichzusetzen mit Minimalismus. Spart euch nicht arm!

spart euch nicht arm

„Dem Armen mangelt viel, dem Geizigen alles“ – Publilius Syrus

Minimalismus und seine Auswüchse

Starten wir doch zunächst beschwingt mit der Minimalismus-Definition von Wikipedia: „Minimalismus bezeichnet einen Lebensstil, der sich als Alternative zur konsumorientierten Überflussgesellschaft sieht. Seine Anhänger versuchen, durch Konsumverzicht Alltagszwängen entgegenzuwirken und dadurch ein selbstbestimmteres, erfüllteres Leben zu führen“. Aha, klingt top. Minimalismus als Lebenskonzept habe ich das erste mal in „The 4 hour work week“ von Tim Ferris kennengelernt. Tim meint, dass er ohne viele Besitztümer glücklicher sei und seinen mobilen Lebensstil besser umsetzen könne. Er kritisiert die auf ständigen Konsum ausgerichtete Gesellschaft, in der „Shopping“ zum Hobby geworden zu sein scheint. Dabei würde immer mehr Hab und Gut zu vermehrten Ballast führen, der uns einengt. Seinen Klimax findet dieses Verhalten in Konsumschulden. Ein Phänomen, das in den USA längst Normalität geworden ist und auch in Deutschland auf dem Vormarsch zu sein scheint. Stück für Stück gerät man so in ein ungesundes Abhängigkeitsverhältnis. Das Hamsterrad aus Konsum und notwendigem Gehalt um diesen zu finanzieren, dreht sich immer schneller. Und einem bleibt nichts anderes übrig, als anzufangen zu rennen. Dabei bleibt immer weniger Zeit sich an den ganzen Dingen zu erfreuen, die man erworben hat. Der Job stresst und um sich abzulenken kauft man noch mehr. Eine gefährliche Spirale beginnt.

Der vermeintliche Ausweg: Flucht aus der konsumorientierten Gesellschaft. Das Leben entschlanken und sich an den kleinen Dingen erfreuen. Kurzum: Minimalismus.

Auch wenn ich mich selber nicht als „Minimalist“ bezeichnen würde, kann ich dem Konzept viel abgewinnen. Immer mehr Dinge zu erwerben macht mich nicht dauerhaft glücklich. Die anfängliche Euphorie nach dem Kauf verschwindet schnell und schreit nach einem neuen Impuls. Meine persönliche Freiheit ist mir wichtiger und der Grund, warum ich mir mein Fyou Money aufbaue. Eines ist Minimalismus für mich jedoch nicht: Geiz / Frugalismus.

Minimalismus ist das neue Vegan, das neue Crossfit, die neue Low-Carb Diät und das neue YOLO. Irgendwie ist es halt cool „Minimalist“ zu sein. Huong bloggt zum Thema, der Finanzfisch legt eine Serie zum Thema auf, die Finanzmixerin lässt sich vom Minimalismus nicht einschränken und die Exstudentin fängt an, in dem sie ihr Auto abschafft. Das sind alles löbliche Ansätze, das Konzept populär zu machen und die individuellen Herangehensweisen sind spannend zu lesen. Es wird deutlich: Minimalismus ist für jeden etwas anderes.

spart euch nicht arm

Dabei scheint das Konzept leider zunehmend in eine Kategorie mit Geiz, Sparen und Frugalismus geschoben zu werden. Der Tenor: Sparen macht glücklich, also spare wo du kannst. Investiere das Ersparte in deine Altersvorsorge.

An sich bin ich ein großer Fan von einer hohen Sparquote. Der Vermögensaufbau und die finanzielle Freiheit funktionieren nun mal nur durch diszipliniertes Sparen. Doch in Verbindung mit Minimalismus scheint das Sparen zur Doktrin stilisiert zu werden. Konsum ist Teufelswerk und jeder gesparte Euro, ist ein guter Euro, koste es was es wolle. Blogs solcher selbsternannten Frugalisten gibt es wie Sand am Meer. Aber auch von mir sonst sehr geschätzte Finanzblogger wie Tim Schäfer bewegen sich teilweise am Rande des Konsum-Shaming. Was das Problem daran ist? Ganz einfach: Man kann sich auch arm sparen.

Dein Erspartes misst sich nicht nur in monetären Mitteln

Klar, die Maxime beim Sparen ist es am Ende des Tages mehr Geld in der Tasche (oder besser: im Depot) zu haben. Dafür scheinen heute viele Menschen bereit zu sein, alles zu investieren, solange es sich dabei nicht um Geld handelt. Ein Beispiel: Freunde von mir sind in den Urlaub geflogen. Der Urlaub kann ja bekanntlich zu einer kostspieligen Angelegenheit werden. Die beiden sind jedoch hin und weg vom minimalistischen Lebensstil. Also wurde der Urlaub zunächst auf eine Woche verkürzt. Dann ging es ans Buchen der Flüge. Der Zielort hat zwei Flughäfen, einen in City-Nähe und einen weit außerhalb (eigentlich schon eine andere Stadt/Dorf). Der weniger gut gelegene wird von den Billigairlines angesteuert. Nach wochenlangen Preisvergleichen entschieden sich die beiden für einen Billigflug, Abflugszeit war spät abends in Deutschland und zurück hob der Flieger bereits um 6:00 Uhr ab. Er war allerdings erstaunlich günstig. Die beiden haben sich davor auch informiert und herausgefunden: In die Stadt gibt es einen Bus vom Flughafen. Dieser ist günstig, braucht aber eine gute Stunde. Als Unterkunft haben die beiden sich eine günstige Ferienwohnung am Rande der Stadt gesichert. Das sei kein Problem, denn mit Bussen sei man in weniger als 30 Minuten im Zentrum. Auch gäbe es dort viele Einkaufsmöglichkeiten, so dass man für sich selber kochen könne.
Von ihrem Urlaub zurück wirkten die Beiden nicht eben erholt (was vielleicht am frühen Flug lag) aber berichteten stolz wie günstig der Urlaub gewesen sei. Verstehen wir uns nicht falsch: Das Paar ist keineswegs arm dran, beide haben gute Jobs. Ihr Urlaub klang für mich allerdings grauenvoll. Ja, sie haben Geld gespart. Dafür waren sie in ihrem Urlaub arm an Zeit und Genuss. Zeit ist für mich das wichtigste Gut, viele Menschen scheinen aber gerne Stunden herzugeben um ein paar Euro zu sparen. Der Urlaub ist mit einer Woche schon kurz genug gewesen, dazu nimmt man sich weitere Zeit indem man den Transport in die Länge zieht. Und wo bleibt der Genuss, wenn ich nicht einmal die lokale Küche in einem Restaurant probiere, sondern lieber Spaghetti in der Ferienwohnung koche. Klar, kann ich eine halbe Stunde Zeit aufwenden um die beste Verbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln in das Zentrum zu finden. Oder ich rufe mir schnell ein Uber und komme entspannt und schnell am Ziel an.

Vor einiger Zeit beschäftigte ich mich in einem Post mit Opportunitätskosten. Diese immer zu berücksichtigen ist wichtig, um gute Entscheidungen zu treffen. Doch Opportunitätskosten treten nicht nur in monetärer Form auf. Die Opportunitätskosten des günstigen Flughafens ist eben auch die eine Stunde Zeit, die ich entspannt durch die Altstadt flanieren könnte. Jeder muss sich dabei selber bewusst sein, wie viel seine Zeit wert ist. Diese Einschätzung wird zwischen einem Studenten und einem Arbeitnehmer sicherlich divergieren. Aber das tun die monetären Mittel ebenfalls. Spare dich nicht zeitlich arm!

Ein weiteres Beispiel, das mir häufig unterkommt, ist das Randgebiete-Phänomen. Menschen bauen sich ein Eigenheim außerhalb der Stadt, weil es deutlich günstiger ist. Das kann ich voll verstehen, doch sparen sie wieder nur monetär. Viele von ihnen benötigen jeden Tag eine Stunde morgens ins Büro und abends wieder zurück. Im Vergleich zur Mietwohnung in der Stadt, ist das locker eine Stunde pro Tag mehr, die sie gestresst im Stau stehen. Auf ein Jahr mit 220 Arbeitstagen gerechnet, sind das 220 Stunden! 220 Stunden, in denen man Sport machen könnte, mit der Familie zu Abend essen könnte oder viele gute Bücher lesen könnte. Gerechnet auf 20 Jahre wird mir dabei schwindlig. Diese Leute sparen sich zeitlich arm!
Hinzu kommen Kosten für das Pendeln in monetärer Form, vor allem für das Auto (auf Finanzleiter.com gibt es hierzu einen empfehlenswerten Artikel).

Ein letztes Beispiel zur zeitlichen Armut: Die Manie des ständigen Vergleichens. Die Preise von allem Möglichen lassen sich heute online schnell vergleichen. Eine super Sache ist das. Doch zögert es Kaufentscheidungen auch hinaus und es kostet viel Zeit. Für einige Dinge kann diese investierte Zeit viel Sinn machen. Für andere nicht. Mein Lieblingsbeispiel: Des Deutschen liebste Anlageform – Das Sparbuch / Tagesgeldkonto. Es soll Leute geben, die dauernd auf der Jagd nach dem am höchsten verzinsten Tagesgeldkonto sind. In den momentanen Niedrigzinszeiten, macht da die erste Stelle nach dem Komma schon den Unterschied aus. Und dann wechseln diese „Sparer“ ständig ihr Tagesgeldkonto. Das ist natürlich verbunden mit Anträgen, Post-Ident-Verfahren, Suchen, und so weiter. All dies kostet Zeit. Und am Ende des Jahres hat man 5 Euro mehr auf dem Konto. Habt ihr keinen Respekt vor eurer eigenen Zeit?!

Soziale Armut

spart euch nicht arm

Deinen Freunden ist es schnuppe ob du meinst jetzt Minimalist zu sein. Wenn sie Lust auf Sushi haben, werden sie nicht dir zu Liebe darauf verzichten und stattdessen vor’m Supermarkt ein Oettinger mit dir trinken. Klar muss man nicht jeden teuren Scheiß mitmachen. Konsum-Peer-Pressure halte ich für den größten Non-Sense überhaupt. Dennoch: Soziale Kontakte kosten manchmal Geld. Mal was Essen gehen, ins Kino oder in den Club. Wer immer aufgrund des Geldes absagt, der wird bald nicht mehr gefragt. Aber mit dem Tetra-Pak Wein abends das Depot bestaunen ist ja auch eine feine Sache. Ich bin kein großer Anhänger teurer Restaurant oder Clubs. Die meisten meiner Hobbies sind äußerst preiswert. Aber wenn meine Freunde mal ein paar gute Craft-Beer verköstigen möchten oder die Freundin ein neues Restaurant ausprobieren mag, dann sage ich da selten „nein“. Und bereuen tue ich es danach auch nie (außer das Bier war schlecht…). Spare dich nicht sozial arm!

Daneben gibt es auch noch die etwas verwirrende monetäre Armut. Das klingt zunächst widersprüchlich, der Gedanke dahinter ist aber einfach. Ich denke dabei an Situationen, in denen man zunächst etwas spart aber am Ende draufzahlt. Das kann das günstige Auto sein, das nach einem Monat zum Inventar der örtlichen Werkstatt gehört. Oder das Immobilien-Schnäppchen, in das man nach dem Kauf Jahre an Renovierungsaufwand in zeitlicher und eben monetärer Hinsicht investiert. Bei solchen Käufen ist es wichtig sich den „Total Cost of Ownership“ bewusst zu werden.
Aber auch im Zusammenspiel mit verpassten Opportunitäten äußert sich die durch Sparen bewirkte monetäre Armut. Ich denke da vor allem an Business-Gelegenheiten. Eine eigene Idee zu verfolgen und Geld dafür aufzuwenden, mag zunächst verschwenderisch wirken, sich aber später zehnfach auszahlen. Einen weniger gut bezahlten Job anzunehmen, der aber mehr Chancen verspricht, kostet dich heute Geld, kann sich aber bezahlt machen. Die richtigen Bücher zu kaufen, mit den richtigen Menschen zu essen oder auf die richtigen Konferenzen zu gehen sind Beispiel für Ausgaben heute, dich sich in der Zukunft mehr als bezahlt machen können. Wichtig ist es also, Konsum von Investition unterscheiden zu können.

Was sind deine Gedanken zum Minimalismus? Wo hört für dich das Sparen auf? Was gönnst du dir?

Cheers.

22 Kommentare

  1. Hallo,
    Ich kann nur sagen endlich. In den den letzten Monaten kam mir beim herumstöbern in den verschiedenen Finanzblogs immer mal wieder der Gedanke das es scheinbar in ist auf Konsum zu verzichten. Jeder schreibt darüber und beschreibt auf was alles verzichtet wird. Ich habe mir oft gedacht ob da der Spaß nicht auf der Strecke bleibt.
    Ich bin immer fürs Sparen und Vermögenaufbau aber doch nicht unter allen umständen. Zustimmen möchte ich allen die zum Verzicht von Schulden aufrufen. Das ist völlig richtig und wichtig zum Vermögensaufbau. Aber wie bei allem sollte das gesunde Mittelmaß im Vordergrund stehen. So auch beim Sparen und dem Vermögensaufbau.

    Gruß Klaus-Dieter

    • Danke Klaus-Dieter!
      Ich stimme dir da voll zu, Konsumschulden sind dumm und zu vermeiden. Aber Konsum in Maßen ist kein Teufelszeug sondern Privileg.

      Beste Grüße
      Pascal

  2. Geht es nur mir so, oder gehen euch diese bewegten Bilder innerhalb der Artikel auch so mächtig auf den Sack? Die nerven ungemein beim Lesen und lenken unnötig ab! Bitte, bitte, lieber Pascal, kannst Du diese Dinger nicht weglassen? Denn ansonsten sind Deine Artikel nämlich erste Sahne…!

  3. Find die Gifs meist lustig und passend! (sorry DerMitnörgler)
    Den Abschnitt über die soziale Armut find ich äußerst zutreffend. Meine Freunde und Mitmenschen werden es in der Hinsicht nicht mitbekommen, ob ich mir zuhause jeden Tag Essen liefern lasse oder selber koche. Ob ich lieber zuhause ein Buch lese oder Geld für die neuesten Filme oder Spiele ausgebe. Meiner Erfahrung nach fällt es niemandem auf, wenn man im Alltag beispielsweise bei Essen spart.
    Wichtig ist hierbei, wie du zutreffend sagst, dass man bei gemeinsamen Aktivitäten nicht den Geizhals raushängen lassen soll und sich nicht krank sparen soll und muss. Ich selber schmeiß auch mal gerne ne Kneipenrunde, lauf nicht in einem Kartoffelsack rum und habe sogar ein Auto. Trotzdem liegt die Sparquote hoch und ich bin zufrieden! LG

    • Hallo Sebastian,
      Danke für deinen Kommentar!
      Absolut, Prioritäten setzen ist das A und O. Unter der Woche lebe ich eher auf kleinem Fuß. Aber wenn es am Wochenende etwas zum feiern gibt oder es einfach eine nette Zusammenkunft von Freunden ist, bin ich da nicht knauserig. Wofür machen wir den den ganzen Spaß mit der finanziellen Freiheit, wenn man dann am Ende mit seiner Freiheit nichts mehr anzufangen weiß:)

      Beste Grüße
      Pascal

  4. Ich denke jeder sollte für sich selbst entscheiden, was einem wichtig ist und auf was verzichtet werden kann.
    Alle Leute, die sich mit den eigenen Finanzen beschäftigen, keine (schlechten) Schulden haben und jeden Monat einen bestimmten Anteil ihres Einkommens investieren, machen schon viel mehr als 90% der Bevölkerung.
    Die Frage ist dann inwieweit die Vorteile des höheren Sparbetrags die Nachteile des Konsumverzichts ausgleichen.

    Ich glaube viele Leute versuchen den Sparbetrag maximal zu erhöhen ohne dabei die Nachteile zu berücksichtigen.
    Dein Beispiel mit dem Paar im Urlaub kann ich gut nachvollziehen. Urlaub ist für mich Luxus und da solltest Du nicht so extrem auf die eigenen Ausgaben achten. Schließlich bist Du von 52 Wochen im Jahr vielleicht 4 Wochen im Urlaub und da willst Du Dir doch auch mal was gönnen.
    Ich kenne auch so ein Paar, welches ihre Getränke im Urlaub grundsätzlich im Supermarkt kauft, weil sie dort viel günstiger sind als in einem Cafe oder einer Bar. Wenn wir dann unterwegs waren, sind sie häufig nicht mitgekommen, weil es schließlich so teuer sei.

    So nimmt man sich den ganzen Spaß nur um vielleicht 100€ zu sparen.
    Durch einen günstigeren Handyvertrag oder einen anderen Stromanbieter kannst Du ohne Aufwand locker das 5-fache jedes Jahr sparen.
    Es gilt hierbei immer ein gutes Verhältnis von Aufwand (auch zeitlich!) zu Ertrag beizubehalten.

    Schöne Grüße

    Dominik

    • Hi Dominik,

      Absolut richtig, es gibt so viele einfache Wege zu sparen, die mich nicht in meiner Lebensqualität einschränken. Wenn dazu eine stabile Sparquote und ein vernünftiger Investitionsplan besteht, ist schon viel erreicht.
      Vermögensaufbau ist ein tolles Thema aber es muss nun wirklich nicht jeden Aspekt des Lebens dominieren.

      Beste Grüße
      Pascal

  5. @ Sebastian

    „DerMitnörgler“, auch nicht schlecht! Vielleicht sollte ich mal über eine Namensänderung nachdenken… Danke für diesen Denkanstoß.

  6. Die Finanz-Blogs erinnern mich in letzter Zeit doch immer mal wieder an die herkömmliche Presse im Sommerloch – und die aktuell „durchs Dorf getriebene Sau“ heißt hier: „Alles was Geld kostet ist Pfui – Sparen über alles“.

    Ich finde man sollte sich einfach vernünftig überlegen und abwägen welche Ausgaben man tätigen will und welche nicht. Man kann sich doch ruhig auch mal was gönnen und muss nicht gleich die finanzielle Enthaltsamkeit zur Religion erheben.

    Aber auch der Trend geht vorbei und hinter der nächsten Ecke wartet bestimmt schon die nächste in freudiger Erregung grunzende Sau… 😉

    • Hallo Martin,
      da musste ich schmunzeln 🙂
      Momentan scheint alles en vouge zu sein, was mit extremer Doktrin und Einschränkung zu tun hat. Als Beispiel dieser ganze vegan, low carb, no gluten, high protein Schwachsinn. Man kann sich auch ausgewogen ernähren ohne ins extreme zu flüchten und sich dann mit Supplements zu versorgen. Vielleicht steckt dahinter die menschliche Sehnsucht zu einer Gruppe zu gehören und trotzdem möglichst individuell zu sein. Daher ist man derzeit halt „Minimalist“.

      Ich bin gespannt auf die nächste grunzende Sau 😉

      Beste Grüße
      Pascal

  7. Hallo,

    naja zwischen vollständiger Askese und Konsumterror gibt es immer noch einen Mittelweg. 🙂 Wenn man es übertreibt, egal welche Richtung, wird es schlecht. Gesundes Mittelmaß. Kein ausufernder Konsum, sowie keinen kompletten Konsumverzicht.

    Für mich heißt das einfach, ich überlege jeden Kauf gründlich. Im Gegensatz zu früher, als der DHL-Bote jeden Tag was von Amazon brachte.

    Dinge die nicht mehr benötigt werden fliegen auch wieder raus. So sammelt sich nix an und liegt sinnlos herum. Ich weiß mittlerweile was ich benötige und was nicht. Das schützt hin und wieder nicht vor Spontankäufen, aber was solls.

    Vielleicht ist Minimalismus das falsche Wort und „bewusster Konsum“ ist angebrachter.

    Urlaub und gesellschaftliche Unternehmungen sind wieder eine andere Baustelle. Hier gönne ich mir gerne etwas mehr. Erlebnisse sind wichtiger als Dinge. Überteuerte Restaurants können mir aber auch gestohlen bleiben. Letztendlich geht es auch hier um die Leute, nicht um die Lokalität.

    Gruß
    Fuseboroto

    • Hi Fuseboroto und Danke für deine Ansichten!
      Bewussten Konsum finde ich einen guten Begriff, der die Wichtigkeit unterstreicht Prioritäten zu setzen. Sich also bewusst zu machen, was man wirklich braucht, was einen glücklich macht und worauf man getrost verzichten kann. Aber sich auch den Folgen monetären Sparens (zum Teil in Form von Zeit) bewusst zu sein.
      Finde ebenfalls Erlebnisse wichtiger und stecke lieber Geld in einen gelungenen Urlaub als schicke Kleidung.

      Beste Grüße
      Pascal

  8. Hallo Pacal,
    was die GIFs angeht: Die sind zu klein. Man kann den Text kaum lesen. 😉 Meine persönliche Meinung: Wenn Du Dich für das Stilelement des animierten GIFs entscheidest, dann steh dazu und gibt ihnen den Platz, den sie verdienen.
    Gut gemachte Animationen sind nicht bloß blinkender Zierrat, sondern bringen noch mal eine zusätzliche Aussage für den Artikel.

    „Momentan scheint alles en vouge zu sein, was mit extremer Doktrin und Einschränkung zu tun hat.“

    Einspruch, bei mir nicht. Zu Extremismus hat der Finanzwesir noch nie aufgerufen und was die Einschränkung angeht, so möchte ich auf das Phänomen der wandernden Nulllinie verweisen.
    Vor 30 Jahren, als ich so alt war wie Du und viele Deiner Leser, hatte ich 10 Möglichkeiten, 5 mal habe ich nein gesagt. Damit war ich ein vernünftiger junger Mann, der nicht jeden Scheiß mitmacht. Also ein Normalo.
    Heute gibt es 50 statt 10 Möglichkeiten. Wenn ich heute aber 45 mal nein sage – einfach weil mir die 5 Möglichkeiten reichen – bin ich eine ultrafrugale Spaßbremse.
    Es geht nicht ums absolute Niveau, sondern um mich, relativ zu den anderen.

    Was die Möglichkeiten angeht: Alleine die Kombi Smartphone & Billigflieger eröffnet Optionen und Möglichkeiten, die wir einfach nicht hatten.
    Früher war nicht immer alles besser. Viele von den neuen Möglichkeiten haben das Leben verbessert und ganz neue Qualitäten gebracht.
    Doch aus meiner Sicht kommen auf jede neue Möglichkeit, die mein Leben bereichert 5 nutzlose Möglichkeiten, die das Marketing mir aufdrängen will, weil sonst die Vertriebsziele in Gefahr sind.
    Will sagwen: Vielleicht gehst Du mit Deinen Altersgenossen zu hart ins Gericht. Da wo in meiner Jungend noch ein Gentleman-Lächeln und ein freundliches „Nein Danke“ gereicht haben, muss man heute die Kettensäge auspacken, um sich der ganzen „Koof mich!“- ,“Nee, koof mich“-Schreier zu erwehren.
    Vielleicht ist das nur eine besonders heftige Abwehrreaktion, die frühere Generationen einfach nicht nötig hatten.

    Gruß
    Finanzwesir

  9. Hallo Finanzwesir,

    besten Dank für deine Schilderungen!

    Zu den gifs: Stimmt, die sind manchmal zu klein, werde ich bei der Auswahl in der Zukunft drauf achten. Muss man nur schauen, wie es dann mit der Ladezeit ausschaut. An sich finde ich gifs aber auch als Stilelement sehr geeignet um ein eher trockenes Thema auflockern oder eine Meinung hervorzuheben.

    Zurück zum eigentlichen Thema: Dem Finanzwesir würde ich nie Extremismus unterstellen 😉 Deinen Punkt mit der wandernden Nulllinie finde ich sehr interessant. Sicherlich gibt es heute zig mal mehr Möglichkeiten zu konsumieren und sein Geld mit Schaufeln aus dem Fenster zu werfen. Doch im Grunde verbleiben zwei Konstanten: Zeit und Geld.
    Ich werde heute zwar häufiger mit „Kauf-mich“-Vorschlägen zugespamt, habe aber damals wie heute nur ein begrenztes Budget zur Verfügung. Das führt dazu, wie du sagst, häufiger „nein“ sagen zu müssen. Dazu kommt, dass ich heute nicht mehr Zeit für Konsum / Genuss habe, als damals. Ich kann mich nicht häufiger auf ein Bier mit Freunden treffen oder in den Urlaub fahren. Doch wenn ich Zeit dazu habe, kann ich aus einem bunteren Strauß an Möglichkeiten wählen. Das ist an sich etwas sehr positives.

    Auf der anderen Seite scheint es einen Effekt namens „Fear of missing out“ hervorzurufen. Viele Menschen scheinen sich nicht entscheiden zu können zwischen all den Dingen, die ihnen angeboten werden. Prioritäten setzen fällt ihnen schwer aus Angst etwas zu verpassen. Das führt scheinbar häufig zu zwei Extremen: Entweder zu kopflosem Konsum inkl. Schulden oder der kompletten Abwendung vom Konsum.

    Beide Alternativen erscheinen mir als wenig sinnvoll und würden mich auf Dauer nicht glücklich machen. Die eingehende Beschäftigung mit den eigenen Werten und Prioritäten, würde hier eventuell Abhilfe schaffen. Wenn ich mir über die Dinge bewusst werde, die mir am wichtigsten sind, sollte mir die Allokation meiner Mittel leichter fallen. Ich muss mir grundlegend überlegen was bspw. das Hobby ist, für das Geld auszugeben mich glücklich macht. Wer die Menschen sind, die ich gerne um mich habe und es sich lohnt in diese Beziehungen (auch indirekt monetär) zu investieren.

    Ich gebe dir Recht: Mehr und mehr Möglichkeiten, die auf uns einhämmern, machen es nicht einfacher. Doch wer sich gewisse Prinzipien zurecht legt (und deine angesprochenen Dinge findet, die das Leben bereichern), der kann auch die Kettensäge im Keller lassen 😉

    Danke für den interessanten Punkt und beste Grüße
    Pascal

  10. Ich sollte nicht mehr so lange Artikel schreiben.. Bei meinem Artikel „Ein Leben ohne Auto – Geht das?“ ging es nicht um die Abschaffung eines Autos, sondern um den Kauf. Ich habe meiner Familie finanziell ausgeholfen, weil mein kleiner Bruder ein neues Auto gebraucht hat (Land lässt grüßen). Ich selbst habe noch nie ein Auto besessen, weil ich mitten in der Stadt wohne und mit dem Rad zur Arbeit fahre. Beruflich kann ich bei Bedarf den Firmenwagen nutzen.

    Ich beschreibe meinen Lebensstil gerne als „minimalistisch angehaucht“, weil ich an sich weit weg davon bin, die Idee dahinter aber trotzdem gut finde. Man muss im Leben ein gesundes Mittelmaß für alles finden. Ich stimmte dir zu, dass Zeit unser kostbarstes Gut ist. Aber man sollte manche Aktionen deswegen nicht als Zeitverschwendung sehen: Lange Bahnfahrten kann man z.B. prima zum Lesen oder für Podcasts nutzen.

    • Hallo Ex-Studentin,
      Danke für deinen Kommentar und die Klarstellung! Die Referenz zu deinem Auto-Artikel war auch keineswegs als negatives Beispiel gemeint. Im Gegenteil: Ich finde die Überlegungen spannend, weil ich ebenfalls für einige Zeit mit dem Gedanken an ein Auto gespielt habe. Da ich aber, wie du, ebenfalls in der Stadt wohne, habe ich die Überlegung ad acta gelegt. Ein Freund von mir hat gerade wieder 500 Euro für die kaputte Klimaanlage bezahlt. Dafür kann ich ja acht Monate mit den Öffentlichen fahren (häufig allerdings bei kaputter Klimaanlage)!
      „Minimalistisch angehaucht“ klingt doch vernünftig und auch dem Podcast-hören kann ich viel abgewinnen. Momentan gerne die Tim Ferris Show.
      Beste Grüße
      Pascal

  11. ich bin mal so frei und bezeichne mich als minimalist…nach meiner definition und ich bin es schon gut 3 jahre. ich bin von 2 auf 1 auto gewechselt, von einer 2.5zi-wohnung in ein studio, habe meine kleine sammelleidenschaft (uhren) verkauft und überlege mir 3x was ich brauche und was nicht. kurzum…ich lebe intensiver, habe eine viel höhere sparrate und fühle mich freier – das was halt so die minimalistenblogger von sich geben.
    das problem ist einfach, dass wir in einem überkonsum leben und nicht wirklich nachdenken was wir kaufen und wofür. wir werden allein schon nur durch werbung dermassen abgelenkt und auf neue konsumideen gebracht, die uns im normalfall nicht einfallen würden. irgendwann steht der ganze bamms in der wohnung und man braucht es nicht – er nimmt platz, zeit, energie ohne das uns das richtig bewusst ist. würde aber jeder von uns mal anfangen richtig auszusortieren, das zeugs zu verkaufen oder zu spenden und den neukonsum einschränken, erhöht sich die sparquote gewaltig – ohne geiz. du musst dich um weniger dinge kümmern, auch wenn es nur im unterbewusstsein stattfindet. so kannst du dich auf das wirklich wichtige konzentrieren, bist weniger abgelenkt und könntest dadurch mehr erfolg haben. bei 20 verschiedenen hobbys hast du nur wenig zeit für alle. darum lieber auf 2-3 beschränken und dafür intensiver zeit investieren….wieos schreib ich das grad alles? hab den faden verloren. ich geh erstmal mein imitiertes kalbswurstimitat essen und meditieren. servus

  12. Hi Rockefeller,
    danke für deinen Kommentar, war sehr nett zu lesen!
    Es freut mich, dass du einen Lebensstil gefunden hast, der dich glücklich macht.
    Was ich mich bei deinen Ausführungen aber gefragt habe, ist folgendes: Bist du wirklich zum Minimalisten geworden oder bist du eher vom Konsum-Getriebenen zum bewussten Genießer mit festen Prioritäten geworden?
    Ich kritisiere ja gewiss nicht die Ablehnung einer verschwenderischen Konsumgeilheit, im Gegenteil. Auch finde ich Minimalismus gut. Aber halt nicht seine extremen Formen, die momentan „in“ zu sein scheinen. Wer sich bewusst macht, dass einfach immer Mehr einen nicht glücklich macht und man daher sinnvolle Prioritäten zu setzen lernt, der geht meiner Meinung nach einen guten Weg. Und gewiss einen längerfristigen als derjenige, der sich aus Prinzip einschränkt und Dingen generell entsagt.

    Ich hoffe das Kalbfleischimitat hat gemundet und lag beim anschließenden Meditieren nicht so schwer im Magen 🙂

    Beste Grüße
    Pascal

  13. Moin Namensvetter!
    Grade deinen Artikel gelesen und muss sagen, es stimmt! Mir kommt es mittlerweile so vor, als wäre das ein neuer Hype unter Finanzbloggern. Vor allem der gute Tim klärt ja fast täglich über seinen Minimalismus auf 🙂

    Ich finde zwar, man muss nicht wirklich jeden Mist kaufen und haben, aber sich komplett dem Konsum zu verschließen sehe ich auch als schlecht an. Man muss halt einen gesunden (!!) Mittelweg finden. Nur 3 T-Shirts und 3 Schuhe (einer als Ersatz) finde ich genauso übertrieben wie 30 Paar Schuhe zu bunkern.

    • Hey Gurki,
      ja es ist ein Trend, der wunderbar in die Zeit passt. Clean-Eating, Crossfit und dazu Minimalismus. Passt wunderbar zusammen.
      Soll ja auch jeder machen wie er lustig ist. Was mich nur nervt ist der dogmatische Ton, den die Minimalismus-Jünger dabei anschlagen. Allzu häufig wird dann auch der Zeigefinger ausgepackt. Ich lese den Tim gerne, doch in letzter Zeit kommt es mir so vor als würde ein Algorithmus immer die selben Absätze in unterschiedlicher Reihenfolge posten. Doch glücklicherweise gibt es dazu ja manchmal noch ein Selfie-Video, dann weiß ich, dass die Roboter den Tim noch nicht übernommen haben. Puh.

      Ich finde den von die angesprochenen Mittelweg auch immer am scharmantesten. Extreme liegen mir ohnehin nicht so. Wobei ich die Idee mit dem dritten Schuh gut finde. Doch die Frage ob ich wohl meinen linken oder meinen rechten Schuh eher verlieren würde, bedarf wieder tiefgehende Analysen…

      Beste Grüße
      Pascal

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