Smart-Beta ETFs – Die besseren ETFs?

Smart-Beta ETFs sind die neuen Stars am Anlagehimmel. Sie versprechen höhere Renditen als reine Index-ETFs bei geringerer Volatilität (1). Was aber sind Smart-Beta ETFs und können sie herkömmliche ETFs als Mittel der Wahl auf dem Weg zum Fyou Money ablösen?

smart-beta etfs

„Half of being smart is knowing what you are dumb about“ – Solomon Short

Was sind Smart-Beta ETFs?

Smart-Beta ETFs sollen Schwachstellen herkömmlicher ETFs beheben. Sie sind also quasi intelligente ETFs. Da Intelligenz ja meist mit eigenständigem Denken zutun hat, riecht das doch etwas nach aktiv verwalteten Fonds, oder? Nicht ganz. Smart-Beta ETFs lassen sich als eine Mischform aus klassischem ETF und aktivem Fondsmanagement klassifizieren. Da wir bereits feststellten, dass aktiv verwaltete Fonds nur in seltensten Fällen den Markt zu schlagen vermögen, macht das misstrauisch (2). Wie viel Fondsmanager steckt also in Smart-Beta ETFs?

Zunächst dazu zur Begriffsklärung: Das Beta (oder genauer: der Betafaktor) stellt im Capital Asset Pricing Model (CAPM) eine Kennzahl für das systematische Risiko einer Investition dar.

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Das Beta lässt sich einleuchtender auch als das Marktrisiko bezeichnen. Es drückt also aus, wie volatil eine Anlage (oder eine Aktie) im Vergleich zum Markt ist. Bei einem Beta von Null, handelt es sich um eine risikolose Anlage. Ein Beta von eins schwankt genauso stark wie das Marktportfolio und eine Anlage mit einem Beta von über eins ist volatiler als der Markt. Obwohl die Berechnung dahinter kein Rocket-Science ist, möchte ich uns mit Details verschonen. Wichtig ist nur, dass Smart-Beta ETFs versuchen beispielsweise die selbe Rendite wie ein Index bei geringerer Volatilität zu erwirtschaften. Das „Smart“ ist lediglich ein sexy Marketingbegriff.

Herkömmliche Indizes, wie der S&p 500 oder der DAX, aber auch der MSCI World gewichten die Aktien im Index nach Marktkapitalisierung. So hat das Schwergewicht Siemens einen Anteil von über 9% im DAX, während die Lufthansa nur auf 0,6% kommt. Die Wertentwicklung des DAX wird also überproportional stark durch Siemens beeinflusst. Smart-Beta ETFs meinen eine klügere Art der Gewichtung finden zu können. Beispielsweise könnten sie einfach alle Titel aus einem Index gleichgewichten. Sie erhoffen sich dadurch, einerseits Volatilität reduzieren zu können indem Klumpenrisiken vermieden werden. Andererseits sollen vermeintlich bessere Renditechancen von Unternehmen mit geringerer Marktkapitalisierung genutzt werden.

Macht das Drehen am Beta Sinn?

Es klingt toll: Vermögensaufbau-Experte Andreas Beck stellt im Capital-Interview höhere Renditen und geringere Volatilität in Aussicht. Indizes, die sich nur auf Marktkapitalisierung stützen, folgen seiner Meinung nach einer veralteten Finanztheorie. Die Überlegenheit von Mehrfaktorenmodellen und den darauf basierenden Smart-Beta ETFs ist für ihn empirisch belegt.

Mehr Rendite bei weniger Risiko? Klingt für mich sehr nach einem free Lunch. But there ain’t no such thing as a free lunch (uA Milton Friedman). Soll heißen: Mehr Rendite bei gleichem Risiko kann es am Markt nicht geben. Zumindest nicht garantiert. Also: Where is the poop?

Smart-Beta ETFs

Zunächst stellt sich jedoch die Frage: Wie smart ist denn dieses Beta? Hier gibt es, wie in der Finanzbranche üblich, mal wieder viele verschiedene Ausgestaltungen. Einige Smart-Beta ETFs gewichten einfach alle Titel im Index gleich. Andere Smart-Beta ETFs sind komplexer. Der WisdomTree Europe Equity Income ETF beispielsweise betrachtet lediglich europäische Firmen, die zu den 30% aller Unternehmen mit der höchsten Rendite in den letzten 12 Monaten gehören. Gewichtet wird im zweiten Schritt nicht nach Marktkapitalisierung, sondern nach der insgesamt ausgeschütteten Dividendensumme. Ein weiteres Beispiel ist der PowerShares EURO STOXX High Dividend Low Volatility ETF. Dieser betrachtet zunächst alle Euro-Titel aus dem Stoxx Europe 600 Index. Danach werden die 75 Aktien mit der besten Dividendenrendite der letzten 10 Monate genommen, jedoch maximal 10 pro Land. Davon wiederum finden nur die 50 Aktien mit der geringsten Volatilität Einzug.

Es wird deutlich: Der Komplexität sind keine Grenzen gesetzt. Als gemeinsame Linie der Smart-Beta ETFs lässt sich feststellen, dass sich die Faktoren an empirisch zu beobachtenden Marktanomalien orientieren. Davon gibt es vor allem sechs Kategorien (Quality, Value, Small Cap, High Dividend, Low Volatility und Momentum). Um es kurz zu fassen: Diese Marktanomalien ließen sich in der Vergangenheit empirisch beobachten und beschreiben Faktoren für die Wertentwicklung von Aktien. Beispielsweise der Momentum-Effekt. Es lässt sich beobachten, dass Aktien, deren Kurse steigen, auch für einen weiteren Zeitraum (<12 Monate) eher steigen werden. Ein Smart-Beta ETF könnte also Titel, die in der letzten Zeit stärker gestiegen sind, mehr gewichten. Oder Low Volatility. Hier wird geschaut, welche Aktien in der Vergangenheit marktähnliche Renditen bei geringerer Volatilität erreicht haben. Diese werden dann stärker gewichtet.

Alle diese Marktanomalien haben eines gemeinsam: Sie lassen sich (zumindest zeitweise) empirisch zeigen aber theoretisch passen sie nicht ins Finanzierungsmodell. Es dürfte sie in einem effizienten Kapitalmarkt der reinen Lehre gar nicht geben. Die herausgebenden Banken setzen also darauf, dass sich diese in der Vergangenheit zu beobachtenden Anomalien auch in der Zukunft als gültig erweisen. Dadurch sollen ihre Smart-Beta ETFs einen Vorteil gegenüber reinen Index-ETFs erzielen.

Der Mix macht’s?

Es wird also deutlich, dass wir es hier mit einer Mischform zu tun haben. Ein Smart-Beta ETF bildet im Gegensatz zu herkömmlichen ETFs nicht stur einen Index ab, sondern modifiziert diesen nach bestimmten Faktoren. Jedoch ist er auch kein aktiv verwalteter Fonds, da hier nicht ein einzelner Manager nach belieben schalten und walten darf. Die Investitionsfaktoren sind klar umrissen und müssen verfolgt werden. Jedoch können die Faktoren auch schnell sehr komplex werden.

Was ist gut…

Positiv im Gegensatz zu aktiv verwalteten Fonds ist die Transparenz bei Smart-Beta ETFs. Die Investitionsfaktoren sind klar dargelegt und unterliegen nicht der glücklichen Hand eines Managers. Zudem sind sie um einiges günstiger als ihre aktiv verwalteten Geschwister. Ein weiterer Pluspunkt könnte das Vermeiden von Klumpenrisiken und anderen Nachteilen von Indizes sein. Das Ausnutzen von empirisch belegten Marktanomalien hätte in der Vergangenheit zu höheren Renditen geführt. Doch dies ist eher eine Wette als ein echter Vorteil. Man geht implizit davon aus, dass diese beobachtbaren Anomalien sich auch in der Zukunft so zeigen werden. Eine Garantie dafür gibt es nicht.

…und was nicht.

Smart-Beta ETFs sind in erster Linie ein Marketingvehikel der Banken. ETFs sind momentan sexy und über 3.000 Milliarden US-Dollar sind bereits in ihnen angelegt. Geld, das teilweise aus aktiv verwalteten Fonds abgezogen worden ist. Das erfreut die Banken herzlich wenig, da sie mit diesen gutes Geld verdient haben. Mit Smart-Beta ETFs soll dem geneigten Anleger vor allem eines suggeriert werden: „Du kannst das beste aus beiden Welten haben. Bessere Renditen als langweilige ETFs und gleichzeitig hohe Transparenz und niedrige Kosten.“ Bezeichnung wie „Smart“ oder „Low-Volatility“ wecken dabei das Gefühl, dass man es hier mit einem besonders intelligentem Produkt zu tun hat. Höhere Renditen bei geringeren Risiken. Doch das ist schlichtweg falsch.

Sicherlich können Smart-Beta ETFs für einige Zeit besser performen als reine Index-ETFs. Eine Garantie gibt es dafür jedoch nicht. Insbesondere gilt auch hier: Kaufe nichts, was du nicht verstehst. Solche „smarten“ Produkte können schnell sehr komplex werden. Der Fantasie sind kaum Grenzen gesetzt. Der Anleger sollte sich die Zusammensetzung genau anschauen und sich fragen ob er oder sie versteht was da angeboten wird. Ebenso muss auf das Kleingedruckte geachtet werden: Wie weit darf ein Smart-Beta ETF von den sich selbst gesetzten Regeln abweichen?

Obwohl transparenter als aktiv verwaltete Fonds, muss ein Anleger sich bewusst sein, dass sich die Wertentwicklung nicht so leicht nachvollziehen lässt, wir bei klassischen Index-ETFs.

Die Kosten. Smart-Beta ETFs kosten im Durchschnitt dreimal so viel wie herkömmliche ETFs. Gerade bei sehr langfristig orientierten Investoren wie uns, kann das sehr viel ausmachen. Man muss sich darüber bewusst sein, dass man kontinuierlich eine dreimal höhere Verwaltungsgebühr für die Hoffnung auf das Outperformen des Indexes basierend auf Marktanomalien in Kauf nimmt.

 

Mein Fazit

Unser alter Schlachtruf „Stay humble, my friend“ scheint auch hier wieder angebracht zu sein.

Der Investment-Hipster scheint zu denken: „ETFs waren mal neu und cool. Aber der Weg zum Fyou Money und der finanziellen Freiheit scheint sooo weit und langweilig und super passiv. Geht da nicht noch was? Ich bin doch Individualist und möchte schneller reich werden als der Rest. Gibt’s hier nicht eine Abkürzung? Ich glaube ich schnappe mir einen Vanilla Latte und suche mal nach einer Lösung.“

5 Minuten später.

Pop-up auf Finanzen.net: „Schau hier lieber Investment-Hipster. Wir haben einen ETF aber unser ist SMART! Individueller als ein langweiliger Index. Durch Marktanomalien verschaffen wir dir einen Vorteil. Das kostet auch nur vernachlässigbar mehr Gebühren.“

Investment-Hipster: „Woah, genau die Abkürzung zum Fyou Money, die ich gesucht habe!“

Fyoumoney.de: „We talked about this....“

Investment-Hipster: „MARKTANOMALIEN!“

Fyoumoney.de: „Ugh…“

Smart-beta ETFS

Man könnte sagen, dass ich kein Fan bin. Klar, für einige mit speziellen Portfolien mögen sich Smart-Beta ETFs als Ergänzung eignen. Für alle anderen bleibe ich bei meiner Einschätzung: Keep it simple. Mein Hauptkriterium beim ETF-Kauf bleibt die Total Expense Ratio. Ich bin nicht bereit für Smart-Beta ETFs das dreifache zu bezahlen. Es erinnert mich einfach zu sehr an unnötige Komplexität und aktives Investieren.

Wer mehr zum Thema „Keep it Simple“ in Sachen Vermögensaufbau wissen möchte, dem sei das Buch „The Simple Path to Wealth“ von JL Collins ans Herz gelegt.

 

Was ist deine Meinung zu Smart-Beta ETFs? Ich freue mich über Kommentare und Fragen 🙂

 

(1) http://www.capital.de/investment/bessere-renditechancen-mit-smart-beta-etfs.html
(2) Dazu auch ein Artikel auf Finanzblogroll.de

2 Kommentare

  1. Hallo,

    erstmal Kompliment zu deinem Blog. Irgendwie anders als die anderen, aber interessant. Hier mal meine Vorgehensweise/Sichtweise:

    Ich habe insgesamt fast 2 Jahre benötigt, um meine finale Strategie zu finden. Ich habe mir den kopf zermartert: Lieber „keep-it-simple-3-ETF-Strategie“ oder doch ein Portfolio aus Einzelwerten zusammenstellen? Es gibt immer zig Vor- und Nachteile. Auch ist es eine Typsache und von der individuellen Situation abhängig. Ich habe mich für den Mittelweg entschieden. Ich bespare nach einem fest definierten System insgesamt 11 ETF („meine Mannschaft“). Der Finanzwesir würde sicherlich die Hände über den Kopf schlagen, aber für mich ist „mein System“ genau das Richtige.

    Und auch ich investiere in „Smartbeta“. Hierbei bin ich auch nicht auf „Marketing-Tricks“ reingefallen. Natürlich sind sie etwas teurer, ich kann im Gegenzug aber auch meine Anlagephilosophie umsetzen.

    Viele Grüße
    konrad

  2. Hi Konrad,
    besten Dank für deinen Kommentar!

    Letztendlich ist die Geldanlage ja immer etwas sehr persönliches. Zum Teil sogar etwas emotionales (ein Post dazu folgt morgen). Und gerade weil es nicht DEN erwiesenen Königsweg gibt, ist an einem individuellen Portfolio auch nichts falsch. Wenn du deine Interessen durch deine „Mannschaft“ am besten vertreten siehst und mit dieser Strategie glücklich bist ist das ja super!
    Nun bin ich nicht der Finanzwesir und werde daher auch meine Hände über meinem Haupt zusammenschlagen. Mir persönlich wäre es aber einfach zu komplex ohne wirkliche, erwiesene Vorteile zu erkennen. Daher tendiere ich zu 4 Bestandteilen und gut ist.

    Auch verdamme ich Smart-Beta ETFs keineswegs. Sie können je nach persönlichem Geschmack eine sinnvolle Ergänzung sein und sind bestimmt besser als aktiv verwaltete Fonds.
    Jedoch sollten sich Investoren stets bewusst sein, dass an Smart-Beta ETFs wenig wirklich Smart ist. Die Zusammenstellung der Fonds basiert zwar auf bestimmten Annahmen bzgl Marktannomalien, das garantiert jedoch keineswegs eine bessere Rendite als herkömmliche ETFs. Ich persönliche möchte daher nicht den dreifachen Preis für ein Produkt zahlen, das mir keinen objektiven Vorteil bietet.

    Beste Grüße
    Pascal

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