ETF-Ingo: Ein Wolf im Schafspelz? Der Selbstbetrug mit ETFs

ETFs sind das perfekte Vehikel für den langfristigen Vermögensaufbau – Jedoch nur, wenn korrekt verwendet

Ich will die ewige Leier, die sich durch meinen Blog wie ein roter Faden zieht, nicht immer wiederholen. Dennoch erscheint es angebracht etwas ins Detail zu gehen, um weit verbreitete Missverständnisse auszuräumen. Worum geht’s? Es geht um mein liebstes Anlageprodukt: ETFs. Exchange Traded Funds sind eine großartige Erfindung, die es endlich auch Privatanlegern ermöglichen kostengünstig in breit diversifizierte Indizes zu investieren und somit die Marktrendite langfristig zum Vermögensaufbau zu nutzen.

ETFs sind längst kein Geheimtipp mehr, sondern im Gegenteil mittlerweile in aller Munde. Nur die treuen Kunden der örtlichen Sparkasse werden wohl nie einen ETF empfohlen bekommen. ETFs haben geringe Gebühren, ermöglichen eine breit gestreute Anlage auch bei kleinen Investitionssummen und können einfach über die Börse jederzeit gehandelt werden. ETFs sind mit weltweit ca. 3.000 Milliarden US Dollar Volumen längst kein Nischenprodukt mehr. Das lockt findige Banker an, die allen möglichen Ramsch unter dem Titel „ETF“ an den ambitionierten Anleger bringen möchten. Die größte Gefahr stellt allerdings der Privatanleger für sich selbst dar – mit guten Intentionen gestartet, fallen viele nach kurzer Zeit ihrer menschlichen Psychologie zum Opfer.

ETF-Ingo: Ein Wolf im Schafspelz?

Exchange-trade funds are fine, just so long as you don’t trade them“ – Jack Bogle

Das bewegte Investoren-Dasein des Ingo T. alias ETF-Ingo

Ingo hat eine dunkle Vergangenheit. Dabei begann alles äußerst vielversprechend. Uni-Abschluss mit 23, ersten Job als Key Account Manager von seiner Bekannten Kunigunde in deren Glückskeksunternehmung vermittelt bekommen und endlich eigenes Geld verdient. Ingo lebte zu der Zeit noch im Keller seines Elternhauses und konnte somit monatlich einen stattlichen Teil seines Einkommens sparen. Da die Weihnachtszeit traditionell eine Tiefphase in der Glückskeksindustrie darstellt, da die Menschen das Produkt durch Weihnachtsgebäck substituieren, hatte Ingo viel Zeit zum Nachdenken. Als seine Chefin Kunigunde auf Dienstreise nach Shanghai ging, um sich dort über die neusten Trends im Glückskeks-Business zu informieren, begann Ingo im Internet zum Thema Vermögensaufbau zu recherchieren. Ingo nämlich, wollte sein Geld nicht einfach ohne Zinsen auf dem Girokonto verrotten lassen. Ingo war schlau.

Da Ingo sein BWL-Studium nach dem 3. Semester abbrach, er war sich sicher ein Naturtalent zu sein, hatte er noch keine Vorlesung zum Thema Finanzen gehört. Sein erster Impuls war es, sein Geld auf ein Tagesgeldkonto zu überweisen. Doch da gab es auch kaum Zinsen. Schließlich traf er auf eine Person, einem Fabelwesen gleich. Ein Charakter mit der Ausstrahlung eines Leuchtturms und der Börsenerfahrung eines alten Hasens. Er verschlang alles, was dieses Phänomen mit dem Namen „Mick Knauff“ zu sagen hatte und war begeistert. Schon schnell zuckte es in seinen Fingern und er wollte endlich selbst aktiv sein, Teil dieser aufregenden Finanzwelt werden und verdammt reich werden. Von der Glückkeksfabrik an die Wallstreet. Das sollte der Titel seiner Autobiografie werden.

Ingo abonnierte für einen geringeren Obolus die Analysen von MK um informiert zu investieren. Seine erste Aktie im Depot war ein Arzneimittelhersteller aus Honolulu. Es klang nach einem Geheimtipp und schon nach kurzer Zeit stieg die Aktie um 10%. Ingo verkaufte und freute sich über einfach gemachte 100€ Gewinn. Davon lud er seine Freundin Chantal zu einem feinen Abendessen ein und berichtete ihr, dass sie sehr bald nach New York City umziehen würden. Dort würde er mit seiner Investorenkarriere so richtig durchstarten.

ETF-Ingo: Ein Wolf im Schafspelz?

Von diesem Anfangserfolg begeistert, fing Ingo an Schritt für Schritt sein gesamtes Glückskeksgeld zu investieren, immer auf der Suche nach neuen Tipps und innovativen Anlageprodukten. Nach wenigen Monaten wendete sich das Blatt allerdings: Die Geheimtipps erwiesen sich als Flops und Ingos Depot wies ein Minus von 40% auf. Ingo zog die Notbremse, verkaufte alles und ging geknickt zurück in die Glückskeksfabrik. Chantal war über die Nachricht erbost, schließlich hatte sie ihren Mädels schon den bevorstehenden Umzug nach NYC angekündigt. Chantal war jetzt mit Kevin aus dem Nachbardorf zusammen. Der konnte immerhin Motorroller tunen…

Verzweifelt suchte Ingo den Rat von Kunigunde. Wie sie wohl ihren Gewinn aus der Glückskeksproduktion anlegte? Kunigunde empfahl ihm, sich doch auf den Blogs bei FBR umzuschauen und sich dort über die langfristige Vermögensbildung zu informieren. Gesagt getan, recherchierte Ingo nächtelang. Diesmal wollte er alles richtig machen und seine verbleibenden Ersparnisse langfristig investieren. Er lernte schnell das Paradigma des langfristigen, breitdiversifizierten Anlegens, er las über die unbändige Macht des Zinseszins und unter der Bettdecke schmökerte er im Buch von einem der Großen in der Szene. Ingo war motiviert: Diesmal würde er nicht zocken. Diesmal würde er langfristig denken. Diesmal würde er sein Geld verantwortlich in die eigenen Hände nehmen und Schritt für Schritt der finanziellen Freiheit entgegen schreiten. Keine Aktienanalysen mehr. Keine Charttechnik und keine Geheimtipps.

Ingo entdeckte ETFs für sich. Sie wurden von vielen Bloggern als ein tolles Vehikel für den langfristigen Vermögensaufbau gepriesen. Breitdiversifiziert und kostengünstig seien sie. Sich mit der Marktrendite zufrieden zu geben, fiel Ingo zwar zunächst schwer, doch er war von seinen schlechten Erfahrungen gebrandmarkt und wollte diesmal alles richtig machen. Ingo wurde zu ETF-Ingo.

Auch ETF-Ingo kann es einfach nicht lassen

Für Ingo lief es ganz OK. Die ETFs stiegen langsam im Wert, mal fielen sie auch ein wenig. Nach einem Jahr war sein ETF auf den MSCI World um 5% im Wert gestiegen. Tagtäglich passierte allerdings wenig. ETF-Ingo hörte auf täglich ins Depot zu schauen, denn es passierte eh nicht viel. ETF-Ingo kam sich schnell wie ein Langweiler vor. Die Aktie der Deutschen Bank stieg innerhalb weniger Monate um gute 70% und er gab sich mit mickrigen 5% auf ein Jahr zufrieden. Das konnte doch nicht alles sein?!

ETF-Ingo wusste jedoch, dass er nicht wieder anfangen sollte zu zocken. Das war schließlich schon einmal schief gegangen. Es musste doch einen Mittelweg zwischen mickriger Marktrendite und ruinösem Zocken geben!

ETF-Ingo tauchte tiefer in die ETF-Welt ein und erfuhr von Smart-Beta-ETFs, Nischen-ETFs und leveraged ETFs. Also ETFs, die klüger und cooler zu sein schienen, als ein langweiliger Index-ETF. Und wo ETF draufsteht, muss ja schließlich auch ETF drin sein. Ingo kaufte einen ETF auf die Drohnenindustrie und auf venezuelanische Small Cap Firms.

Dazu bemerkte Ingo, dass auch seine Index-ETFs hin und wieder kurzfristig stark schwanken. Beispielsweise nach politischen Umbrüchen und internationalen Ereignissen. ETF-Ingo dachte sich: „Vielleicht gibt es einen Weg zwar ETF-Investor zu sein aber dennoch mehr als die Marktrendite rauszuholen. Wenn ich nach einem Anstieg des Index auf hohem Niveau verkaufe und dann warte bis er wieder fällt, um dann erneut zu investieren, erziele ich eine Überrendite.“ Gedacht getan, fing Ingo an, seine ETF Anteile immer dann zu verkaufen, wenn ihm der Markt überhitzt vorkam. Wenn die Kurse etwas gefallen waren, kaufte Ingo dagegen wieder Anteile im großen Maßstab. Endlich war Ingo wieder aktiv dabei. Schluss mit lähmender Lethargie… Oh, Ingo…

Der weitverbreitete Selbstbetrug mit ETFs

ETF-Ingo: Ein Wolf im Schafspelz?

Das Beispiel von Ingo ist leider keine Seltenheit. Eine Studie der Leibniz Universität hat interessanterweise das Verhalten von über 7.000 deutschen ETF-Anlegern in den Jahren 2005 bis 2010 ausgewertet. Die Ergebnisse sagen einiges über die falsche Anwendung von ETFs aus. Zunächst aber, ist der durchschnittliche ETF-Investor männlich (80%! Müssen die Finanzblogger mal einen Female-Aktionsmonat starten?), 47 Jahre alt und sein Depot besteht zu 21% aus ETFs. Dazu kommt eine gefährliche Vorliebe für Nischen-Indizes.

Erstaunlich ist vor allem eines: Während die gesamten Depots der Anleger in dem Zeitraum eine durchschnittliche jährliche Rendite von 2,7% erzielten, erwirtschaftete der ETF-Anteil ein jährliches Minus von 0,6%. Sind ETFs also doch die falsche Wahl für den Vermögensaufbau? Sie scheinen in der Studie den anderen Anlageformen unterlegen zu sein!

Mitnichten. Denn ihre scheinbare Unterlegenheit beruht allein auf der Art und Weise, wie die Kleinanleger sie einsetzen. So zeigt sich, dass eine Anlage in einen großen Index (MSCI World), zu einer jährlichen Rendite von über 4% geführt hätte und damit alleine schon über dem Durchschnittsdepot gelegen hätte. Anstatt dessen versuchen viele Anleger scheinbar klüger als der Gesamtmarkt zu sein und picken lieber einen kolumbianischen Index oder einen Index für Drohnenhersteller. Es ist das einfache Ergebnis einer sehr menschlichen Schwäche: Wir können einfach nicht akzeptieren „durchschnittlich“ oder „langweilig“ zu sein. Wir halten uns lieber für überlegen und versuchen unseren eigenen Weg zu gehen.

Diese Selbstüberschätzung zeigt sich auch im ständigen Traden der Anleger. ETF-Anteile werden ständig ge- und verkauft. Die Hoffnung dahinter ist simpel. Ich will teuer verkaufen und günstig kaufen. Da ist nichts anderes als Market Timing. Und Market Timing funktioniert auf Dauer einfach nicht, solange du keine verdammte Glaskugel im Keller hast. Das offenbart auch die Studie: Hätten die Anleger einfach die Füße still gehalten und ihre ETF-Anteile nie verkauft, so hätten sie immerhin eine Rendite von 3,5% erzielt (wohlgemerkt im Vergleich zu -0,5%!).

Wären die Anleger in der Studie also stinklangweilige Investoren gewesen, die einfach ETF-Anteile auf den MSCI World (gähn) gekauft hätten und diese dann einfach liegen gelassen hätten, so hätten sie eine jährliche Rendite von 4,4% erzielt. Diese 4,4% übersteigen sowohl die tatsächliche Rendite des Mix-Depots (2,7%), als auch die Rendite des ETF-Anteils (-0,5%) deutlich. Klar, dies ist nur eine Durchschnittsbetrachtung, bezogen auf einen relativ kleinen Zeitraum. Dennoch habe ich keinen Zweifel an der Verallgemeinbarkeit der Aussagen.

ETFs? Ja, aber richtig.

Der Papa des Index-Investing, Jack Bogle, warnte vor ETFs. Nicht etwa, weil das Produkt schlecht ist, sondern weil das durchschnittliche Anlegerverhalten sie gefährlich mache. Jack Bogles Firma Vanguard bietet sehr günstige Fonds an, die in Indizes investieren. Der Unterschied: Man kann die Anteile nicht an der Börse handeln. Für Bogle liegt der Vorteil auf der Hand. Diese Art des Index-Investments schütze die Anleger vor sich selbst. Denn allein die Möglichkeit ETF-Anteile schnell und einfach an der Börse zu handeln, wecke bei Kleinanlegern das Bedürfnis zum Zocken. Und durch diesen Versuch des Market Timings profitieren letztendlich nur die Banken.

Ebenso haben die Banken den Trend zu ETFs längst erkannt und wollen ein Stück vom Kuchen abhaben. Sie kennen die Innovations- und Selbstdarstellungssucht der Menschen und bringen immer neue, unnötige Produkte auf den Markt, die unter dem Titel „ETF“ laufen. Jack Bogle präferiert es simpel: Er findet sogar die Investition in internationale Aktien unnötig. Er argumentiert, dass durch ein Investment in den S&P 500 bereits eine ausreichende Internationalisierung bestünde. Drohnen-, Mining- und Vietnam ETFs? Bogle würde vermutlich das Frühstück wieder hochkommen.

Meiner Meinung nach sind ETFs immer noch das optimale Instrument für den langfristigen Vermögensaufbau. Nur sollten wir unsere Emotionen als Anleger dabei unter Kontrolle haben und sie einfach liegen lassen und fleißig besparen. Kein Verkaufen. Keine „innovativen“ ETFs. Keine „Sub-Indizes“. Wer dennoch ein wenig zocken möchte, dem sei das nicht vollkommen versagt. Für mich gilt, dass ich jeden Monat einen bestimmten Prozentsatz in meinen langfristigen Vermögensaufbau stecken möchte. An diesem wird nicht rumgebastelt. Dieser ist einfach und konsequent. Zusätzlich investiere ich in einem kleinen Maßstab in Bluechip Aktien. Weil es auch mal Spaß macht. Doch dies läuft bei mir nicht unter Vermögensaufbau. Mit ETFs zocke ich dagegen nicht. Market Timing kann ich nicht. Und hey, du kannst es auch nicht. Sorry.

Und wie siehst du das Thema? Verkaufst du regelmäßig ETF-Anteile? Was hältst du von „innovativen“ ETFs?

Cheers.

 

19 Kommentare

  1. Hallo,
    du hast die Psychologie der Kleinanleger hier sehr schön zusammengefasst. Tatsächlich verleiten ETFs durch ihre einfache Handelbarkeit zu Aktivem statt passivem Investieren.

    Danke auch für den Link zur Studie der Leibniz Uni.

    Grüße
    ETF-Wahl

  2. Guten Morgen und Cheers,

    genau das ist es. Wer Geld anlegen möchte und sich ansonsten nicht für Finanzen interessiert, sollte Vermögensaufbau mit ETF betreiben. Wer aktiv handeln möchte, weil er meint eine Überrendite erzielen zu können oder einfach weil es Spaß macht, sollte aktiv handeln. Man sollte nur nicht beide Formen mischen und dann die ETF schlecht machen, weil das Ergebnis nicht wie gewünscht ausfällt.

    Toller Artikel, der genau beschreibt, wie es oftmals läuft.

    Schöne Grüße
    Marco

    • Hi Marco,
      danke für deinen Kommentar!

      Sehe ich genauso, ETFs sind super Instrumente – man muss sie nur korrekt anwenden. Ich kann schließlich kein Cabrio kaufen und mich anschließend beschweren, dass der Umzug damit eine Katastrophe war.

      Beste Grüße
      Pascal

  3. Wieder mal ein toller Artikel von dir, danke dafür.
    Die Ergebnisse der Leibniz Uni Studie sind ja krass, das hätte ich nicht gedacht. Wahrscheinlich gehe ich da zu sehr von mir selbst aus und dem was ich in einigen Finanzblogs, wie z.B. beim Finanzwesir immer wieder „gepredigt“ lese: „langweilige“, breit gestreute ETFs kaufen wie z.B. einen auf den MSCI World und einen auf die Emerging Markets (oder auch nur „All Countries World“), und dann liegen lassen – also nichts verkaufen.

    Ich selbst habe am Anfang meiner ETF-Investorinnen-Karriere auch mal kurz gedacht ich müsste was spezielleres kaufen: einen „select Dividend“-ETF und einen auf alternative/erneuerbare Energien. Ersteren habe ich im Zuge eines Depotwechsels verkauft (war auch nur eine klitzekleine Position), den anderen habe ich immer noch im Depot (auch eine klitzekleine Position). Immerhin bekomme ich durch diesen Nischen-ETF ab und an mal ein paar Euronen ausgeschüttet und ich werde so immer wieder daran erinnert, so einen Mist nicht mehr zu kaufen.

    Der Rest von meinem Depot ist „langweilig“, also nix mit Nischen- oder Smart Beta oder so, und ich habe seit dem Kauf auch nichts wieder verkauft. Buy and hold eben. Ich spare per Sparplan, da wird an jedem Monatsanfang eine bestimmte Summe in meine ETFs investiert.

    • Hey Julia,

      mit deiner Erkenntnis bist du den meisten Menschen schon meilenweit voraus. Wenn du jetzt noch ein Konzept für den Umgang mit Geld hast, deine existenziellen Risiken abgesichert sind und du Konsumkredite vermeidest, bist auf einen tollen Weg. Ich wünsch dir viel Erfolg mit deiner Strategie. Da wird Pascal mir sicher zustimmen.

      Schöne Grüße
      Marco

  4. Grüße!

    Tolle Storie die dahinter steckt! Eine schöne Parabel die eins Eindeutig macht. Börse ist 10 % wissen wie und 90% Psychologie.

    Nach 15 Jahren Börse mit allen Hochs und Tiefs, hatte ich auch die Nase voll vom Traden (trotz guter Rendite, jedoch schlechter als die Benchmark). Wer sich an ein System hält, wie das immer wieder erwähnte Kommer Portfolio, ist den Berufsbörsianern weit überlegen.

    Da ist es einfach noch mal wichtig auch in Krisenzeiten einen kühlen Kopf zu behalten, den da zeigt sich der wirklich kluge Investor ;-).

    Beste Grüße und weiter so!
    Michael

    • Hi Michael,

      da stimme ich vollkommen zu! Die meisten Anleger, die sich etwas mit der Materie beschäftigen wissen eigentlich was richtig ist. Ihre Emotionen lassen sie dann oftmals dennoch einen anderen Weg einschlagen. Insbesondere Krisenzeiten sind trennen da die Spreu vom Weizen. Wenn alles eitel Sonnenschein ist, ist jeder ein guter Investor 🙂

      Danke für deinen Kommentar und Glückwunsch zu deiner wertvollen Einsicht nach 15 Börsenjahren!
      Pascal

  5. Hallo Investoren 🙂

    Danke für den tollen Beitrag – kann dem aus persönlicher Erfahrung nur zustimmen. Hätte ich mit anfang 20 diesen Artikel gelesen, wäre mir ettliches erspart geblieben – tja! Mit 30 ist man dann klüger…
    Traurig… da macht jemand wie ich ABI, war zB. in Wirtschaft auch immer super, aber rennt an der Börse in einen Fettnapf nach dem andern. Aber das ist ein anderes Thema.

    Ich lege seit längerem STINKLANGWEILIG über einen kostenlosen Sparplan auf den MSCI World an – BASTA. Läuft.
    Ein kleines ABER habe ich dennoch schon länger im Hinterkopf…
    Folgendes Szenario:
    Bei einem ETF Volumen von ca. 20.000€ erziele ich zB. +1000€ Wertsteigerung im Jahr. Jetzt habe ich 801€ Steuerfreibetrag.
    Würde es jetzt Sinn machen soviele ETF Anteile zu verkaufen, dass ich genau auf diese 801€ komme um dann im nächsten Schritt die Anteile+801€ wieder anzulegen?
    Ja, dabei fallen Transaktionskosten an, allerdings könnte ich
    a) so meinen jährlichen Steuerfreibetrag voll ausnutzen
    b) reduziere dadurch doch auch meine Steuerlast in der Zukunft, weil ich die Rendite quasi schon rausgekauft habe.

    Bisher bin ich noch nie so vorgegangen, aber die Frage stellt sich mir seit einer kleinen Diskussion im Familienkreis, bei der mir genau das empfohlen wurde.

    Danke für Eure Antwort 🙂
    Andi

    • Hallo Andi,

      ich bin zwar kein Steuerfachmann aber schreibe derzeit an diesem Thema.

      Wenn du Lust hast, meld dich gern kurz über die Kontaktfunktion dann können wir das besprechen. Ich habe noch ein paar Verständnisfragen zu deinem Beispiel.

      Unser Ergebnis könnten wir anschließend hier der Allgemeinheit zur Verfügung stellen.

      Schöne Grüße
      Marco

    • Hi Andi,
      keine Sorge, das passiert den Besten und du hast es ja noch früh genug berichtigt 🙂
      Deine Frage ist sehr interessant und ich habe schon öfter mal drüber nachgedacht. Dieses Jahr habe ich damit kein Problem gehabt, da ich durch den Verkauf von Einzelaktien, die ich neben den ETFs als „Zockanteil“ im Depot habe, über die 801 Euro gekommen bin. Hach, hier würde es sich mal lohnen verheiratet zu sein 🙂

      So aus der Hüfte geschossen würde ich sagen, dass es sich lohnen könnte. Wenn man 800€ Kursgewinne realisiert, spart man sich quasi die Kapitalertragssteuer + Soli, was ca. 200€ sind. Transaktionskosten wären dagegen so ca 20€. Würde 180€ Ertrag bedeuten.
      Man könnte langfristig auch überlegen ausschüttende ETFs mit ins Depot zu nehmen, da durch die kontinuierliche Dividendenausschüttung der Freibetrag ebenfalls verwendet wird. Um auf 801€ zu kommen, müsste das Investment allerdings entsprechend groß sein. Spontan würde ich also sagen, dass sich eine Realisation von Kursgewinnen zur Nutzung des Freibetrages auszahlt. Müsste hier aber noch ein wenig Nachforschungen anstellen.
      Bin auch gespannt was Marco dazu schreiben wird!

      Beste Grüße
      Pascal

    • Hi Andi, hi Pascal!

      Pascal, dein Gedanke ist genau richtig. Warum sollte man den jährlichen Freibetrag verfallen lassen? Wer transaktionskostenlose Fonds- oder ETF-Anteile hält, könnte diese zurückgeben und kurze Zeit später nachkaufen. Dann müsstest du nichtmal die 20 Euro abziehen.

      Um steuerrechtlich sauber zu bleiben und dem Finanzamt keinen Anlass für den Verdacht einer missbräuchlichen Steuernutzung zu bieten, sollte eine gewisse Zeit zwischen Kauf und Verkauf verstreichen lassen. In der Zwischenzeit kann eine neugewonnene Information zu einer erneuten Kaufentscheidung geführt haben. Da ist etwas Fingerspitzengefühl gefragt. Mit etwas Pech würden aber zwischenzeitlich steigende Kurse die Ersparnis schmälern. Das sollte man Bedenken.

      Ich hoffe, ich konnte helfen!
      Viel Erfolg!
      Marco

    • Hallo Andi,

      ich verstehe die Idee irgendwie nicht. Auch bei thesaurierenden ETF’s müssen die Erträge die von der KAP wieder angelegt werden (Ertragsthesaurierungen) versteuert werden. Das sind die sogenannten Ausschüttungsgleichen Erträge. Diese Beträge kann ich mit meinemmSparerpauschbetrag verrechnen und habe damit auch meinen Freibetrag genutzt. Kannst du oder jemand anderer mir nochmal erklären was der Vorteil ist die ETF-Anteile zu verkaufen? Verstehe den Vorteil nicht ganz.
      Danke!

      • Hallo Toni,

        deine Anmerkung ist genau richtig. In Andi’s Beispiel ging es um die Fälle in denen die Kapitalerträge deutlich unter dem Sparerpauschbetrag liegen.

        Ich muss dazu sagen, dass ich kein Steuerfachmann bin. Aber meines Wissens nach, werden nur die Erträge thesauriert. Also Zinsen und Dividenden. Keine Kursgewinne der enthaltenen Papiere. Wenn Andi’s Erträge den Sparerpauschbetrag also deutlich unterschreiten, kann er durch den Verkauf von Anteilen Kursgewinne realisieren, die seinen Freistellungsauftrag vollständig ausfüllen.

        Ich hoffe, dass ich helfen konnte.

        Schönen Gruß
        Marco

        • Hallo Pascal, Marco,

          ja danke für euren Beitrag – jetzt habe ich es verstanden. Allerdings lohnt sich das doch nur wenn man die Kosten vermeiden kann.
          Wenn ich 10€ für An- und Verkauf und etwas für den Spread und Maklergebühren berücksichtigt können dan ca. 25€ an Kosten für ein Papier anfallen. Bei einem max Sparerpauschbetrag von 800 € sind das fast 3% Rendite die einem durch die Lappen gehen können.

          • Hi Toni,

            am ehesten bieten sich natürlich Anteile an, die kostenlos an eine Fondsgesellschaft zurückgegeben werden können. Die Gebühren solltest du immer im Auge halten und schauen, ob es sich lohnt. Verzichtest du auf diese Option, würden in deinem Beispiel später mehr als 25 Prozent Steuern abgeführt. Dann lieber die drei Prozent finde ich.

            Schöne Grüße
            Marco

      • Hi Toni, hi Marco,

        ich sehe das so, wie Marco schön beschrieben hat. Es ging hier vor allem um Fälle in denen die Dividenden und Zinsen weit unter dem Pauschbetrag liegen. Das dürfte für viele Sparer zu Beginn der Fall sein. Wenn ich dennoch in dem Jahr Kurssteigerungen zu verzeichnen habe, könnte ich einen Teil davon realisieren um den Pauschbetrag auszunutzen.

        Beste Grüße
        Pascal

  6. Hi Pascal

    wow! Ich hätte nicht gedacht, dass so viele Anleger auch bei ETFs zu traden beginnen und aktiv Handeln. Das macht alleine schon von der Zusammensetzung der Wertpapiere keinen Sinn. Die Nischen-ETFs kann ich noch verstehen. Man hat eine bestimmte Erwartungshaltung an die Zukunft und kauft deshalb einen xyz ETF. Wahrscheinlich falle ich zum ganz kleinen Teil auch in diese Kategorie, weil ich minimal in erneuerbare investiert bin. Obwohl, naja, ganz so die Nische ist es nicht. Aber die Erwartungshaltung ist da.

    LG
    Johannes

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