Die 3 Bestandteile des Fyou Money Portfolios

Eine simple Bauanleitung für dein Portfolio!

Die Bauanleitung für dein Portfolio muss nicht kompliziert sein.
Die Bauanleitung für dein Portfolio muss nicht kompliziert sein.

Wir haben uns in den letzten Beiträgen mit Fyou Money und verschiedenen Anlagealternativen auseinandergesetzt. Jetzt kommen wir endlich zu dem aufregenden Teil: Ab heute machst du dir aktiv Gedanken über deine Anlageentscheidungen und nimmst deine Finanzen in die eigenen Hände!

Aber immer ruhig Blut bewahren! Schließlich geht es beim Fyou Money um langfristigen Vermögensaufbau und darum deine persönlichen finanziellen Ziele zu erreichen. Für eine solche Zielsetzung bedarf es eine intelligente und durchdachte Anlageplanung. Oder auch eine „Investment-Strategie“, wie es immer so schön heißt.

„Oh, Investment-Strategie und so viele Produkte zur Auswahl. Soll ich da nicht erstmal meinen Anlageberater fragen?“ – Wenn du einen Teil deiner Rendite für unnütze Beratungsleistungen ausgeben möchstest und wahrscheinlich am Ende nicht einmal das für dich beste Produkt bekommst, gerne. Denk daran, wahrgenommene Komplexität von Finanzprodukten kommt nicht von ungefähr. Je komplexer der Finanzmarkt und die verfügbaren Produkte wirken, desto eher gehen die Leute zur Bank ihres Vertrauens (haha). Ergo: Finanzberater lieben Komplexität, deine Rendite hasst Komplexität. Wie du aus einigen wenigen Entscheidungen zu deinen finanziellen Zielen, eine simple und renditestarke Anlagestrategie ableitest, erfährst du in diesem Artikel.

Mach dir Gedanken zu deinen finanziellen Zielen

Gedanken zum Vermögensaufbau

Fyou Money definiert sich für jeden anders. Dennoch muss sich jeder zukünftige Investor zunächst über seine Ziele im Klaren sein. Willst du in 5 Jahren ein Eigenheim bauen oder in 15 Jahren die finanzielle Freiheit erreicht haben? Deine Investment-Entscheidungen sind in beiden Fällen grundlegend unterschiedlich. Der Zeithorizont spielt dabei eine entscheidende Rolle. Dabei ist dein Finanzstatus und der davon abhängige Zeithorizont nicht unbedingt an dein Alter geknüpft. Sicherlich, ein 55 Jähriger wird einen anderen Zeithorizont für den Aufbau seines Fyou Moneys haben, als ein 25 Jähriger. Letztendlich kommt es aber vor allem darauf an bis wann ich was erreicht haben möchte und wo ich derzeit finanziell stehe. Das ist die Grundlage für deine Anlagepolitik.

Risiko ist das hässliche Geschwisterkind der Rendite

Rendite ist untrennbar mit Risiko verbunden. Das ist so und es wird auch immer so bleiben. Wenn dir jemand 8% risikolose Rendite verspricht, lauf. Oder gib ihm ein saftiges Fyou! Wir haben im vorherigen Post unterschiedliche Anlageformen kennengelernt. Dabei haben wir festgestellt, dass die meisten Deutschen es vorziehen in renditeschwache Produkte wie Tagesgeld und Sparbücher zu investieren. Ist das dumm? Nun, nicht unbedingt. Es kommt sehr auf den Zeitraum an. Tagesgeldkonten und Sparbücher bieten zwar kaum Rendite, sind aber sehr sicher. Das gleiche gilt für das Geld unter Omas Matratze: Nach 5 Jahren wird es immer noch den selben nominellen Wert haben und kein Wallstreet-Banker wird es verbrannt haben. Leider wird der relative Wert durch die Inflation gesunken sein.

Also, wenn ich weiß ich brauche unbedingt einen bestimmten Betrag in zwei Jahren, um eine große Anschaffung zu finanzieren, mag Tagesgeld eine vernünftige Option sein. Doch hier beschäftigen wir uns mit langfristigem Vermögensaufbau. Mit deinem Fyou Money, mit deiner finanziellen Freiheit. Und hier nehme ich einen Anlagehorizont von mindestens 10 bis 15 Jahren an. In diesem Fall gilt: Ja, die Entscheidung für ein Tagesgeldkonto ist dumm.

Die 3 Bestandteile deine Portfolios

Dein Fyou Money Portfolio wird auf den folgenden Säulen stehen:

  1. Aktien (in Form von ETF’s – dazu später)
  2. Anleihen (auch „Bonds“ genannt)
  3. Cash

Zunächst aber Schritt-für-Schritt:

Zu 1.: Aktien

Aktien Portfolio

Aktien verbriefen einen Anteil an einem Unternehmen. Wenn du eine Aktie kaufst, gehört dir faktisch ein Teil des jeweiligen Unternehmens. Wenn das Unternehmen gute Gewinne macht und in einer wachsenden Branche tätig ist, wird der Wert deiner Aktie folglich steigen. Wenn das Unternehmen in einen Skandal verwickelt ist, oder beispielsweise durch technischen Wandel obsolet wird, wird deine Aktie an Wert verlieren. Auch gesamtwirtschaftliche Ereignisse beeinflussen die Aktienkurse: Wenn die Erwartungen der Bevölkerung hinsichtlich der wirtschaftlichen Entwicklung pessimistisch sind, werden viele Investitionen verschieben. Die Menschen kaufen bei VW weniger Autos, und VW bestellt daraufhin bei Siemens weniger Anlagen und bei ThyssenKrupp weniger Stahl. Gesamtwirtschaftliche Ereignisse wirken sich also auf den gesamten Aktienmarkt aus.

Der Wert einer Aktie hängt also von einer Vielzahl von Einflüssen und Erwartungen ab. Die Entwicklung ist daher sehr schwankend (sprich: volatil). Dazu kommen unregelmäßig Finanzkrisen und Börsencrashs. Wer also in genau 5 Jahren sein Investment zurückhaben möchte und darauf angewiesen ist, ist schlecht beraten alles in Aktien zu investieren. In fünf Jahren könnten wir mitten in einer Krise stecken, und das investierte Vermögen könnte nur noch die Hälfte wert sein. Ist man jetzt gezwungen die Aktien zu verkaufen, weil man das Geld dringend benötigt, realisiert man schmerzende Verluste. Wer allerdings einen langfristigen Investitionshorizont von 15, 20 oder vielleicht sogar 40 Jahren hat, dem sind Krisen zunächst egal.

Genau, einem langfristigen Investor können Krisen egal sein. Solange langfristig der Aktienmarkt an Wert gewinnt (und das tut er immer – dazu ein separater Post), bleibt man auf Kurs. Ohne Frage: Es liegen unruhige Gewässer vor uns und es werden unschöne Krisen kommen. Aber: Wir wissen nicht wann, können es nicht beeinflussen und daher sind sie nicht relevant für unsere Entscheidung (siehe auch: „Time not timing„). Wichtig ist nur, in schwierigen Zeiten nicht die Nerven verlieren. Wenn die Märkte um 20% nachgeben, schreien die Experten bei ntv „Verkaufen, verkaufen!“… Es gibt aber keine dämlichere Entscheidung als während einer Krise zu verkaufen und Verluste zu realisieren. Wer in einer Krise aus dem Markt geht, wird auch nicht dabei sein, wenn es wieder bergauf geht. Im Gegenteil: Wenn du freies Kapital während einer Krise hast, ist es der perfekte Zeitpunkt um günstig nachzukaufen. Getreu dem Motto von Baron Rothschild „Buy when there is blood in the streets, even if the blood is your own.“

Ok, cool. Also langfristig Aktien! Aber welche? VW? Bayer? Etwa Telekom? Woher weiß ich welche Aktie in der Zukunft steil geht?

Du weißt es nicht, ich weiß es nicht und auch der Wallstreet Banker im 10.000$ Nadelstreifenanzug weiß es nicht. Und deswegen lautet die Entscheidung: Wir kaufen einfach alle Aktien.

Das klingt teuer und kompliziert. Deswegen geben viele ihr Geld lieber einem Fondsmanager, damit der „Experte“ die Entscheidungen trifft. Das lässt er sich allerdings gut bezahlt und schlägt dabei meist nicht mal den Markt.

Wir wollen unsere finanzielle Freiheit in die eigenen Hände nehmen und investieren lieber selber. Und zwar genau in diesen Markt, der scheinbar so schwer zu schlagen ist, investieren wir. Das bedeutet wir investieren in einen oder mehrere Indizes. Wir erhoffen uns also eine positive Entwicklung der Gesamtwirtschaft einer Region oder sogar der ganzen Welt. Und das Schöne ist, dass Ganze ist sehr einfach und sehr preisgünstig. In einen Index zu investieren, ist nämlich passives investieren. Unsere Anlage wird im Wert steigen, wenn der Index steigt und fallen, wenn der Index fällt. Wir sparen uns also den Banker. Ermöglichen tuen dies ETFs (Exchange Traded Funds). Dies sind meistens passiv verwaltete Indexfonds und können einfach über die Börse erworben werden (kein Gang zur Bank notwendig). Doch es gibt mittlerweile sehr viele und teilweise sehr spezielle. Welche für uns in Frage kommen und wie wir sie kaufen, betrachten wir ausführlich im nächsten Post.

Zu 2.: Anleihen / Bonds

Anleihen sind verzinsliche Wertpapiere und dienen Staaten sowie Unternehmen als Finanzierungsquelle. Sie werden auch gerne als Bonds oder Pfandbriefe bezeichnet. Das Prinzip ist zunächst simpel: Man leiht einem Staat oder Unternehmen Geld und bekommt dafür Zinsen. Am Laufzeitende bekomme ich dann mein Geld zurück. Das bedeutet, man kann eine Anleihe grundsätzlich durch 5 Eigenschaften kategorisieren: 1. Die geliehene Summe, 2. Die vereinbarte Laufzeit, 3. Die Zinsen (variabel vs. fest), 4. Den Rang bei einer Pleite des Schuldners und 5. Die vereinbarte Währung. Gerade Staatsanleihen galten in der Vergangenheit als sehr sichere Bank. Wie wahrscheinlich ist es schon, dass ein Staat pleite geht? Zu meiner Studienzeit haben wir Anleihen in Kalkulationen sogar als risikolos angesehen. Seit der „Euro-Krise“ um Griechenland und Co. wissen wir: Diese Daumenregel gilt nicht mehr.

Folgende Risiken bestehen bei Anleihen im Wesentlichen:

  1. Ausfallrisiko – Im schlimmsten Fall geht der Schuldner pleite und ich sehe mein Geld nicht wieder.
  2. Zinsrisiko – Hier liegt die Krux. Der Marktzinssatz beeinflusst den Wert der Anleihe. Anleihen werden zwar zum Nennwert zurückgezahlt, der Marktzinssatz beeinflusst aber den Kurs der Anleihe bei Verkauf vor Fälligkeit. Der Marktzinssatz ist vor allem politisch beeinflusst. Die Geldpolitik hat hier einen direkten Einfluss und ist momentan äußerst relevant. Steigt der Marktzinssatz, fällt der Anleihekurs weil andere Anlageoptionen attraktiver sind. Vice versa für einen fallenden Marktzinssatz.
  3. Wechselkursrisiko – Kauft man eine Anleihe in einer fremden Währung, ist man zusätzlich dem Risiko von Wechselkursänderungen ausgesetzt.

Es bestehen also auch bei Anleihen gewisse Risiken. Und die Schwankungen bei den Anleihekursen sind längst nicht nur abhängig vom Marktzinssatz. Beispielsweise beeinflussen aktuell große Ankaufprogramme der Zentralbanken die Kurse. Inflation spielt ebenfalls eine Rolle: Mehr Inflation führt zu höheren Zinsforderungen und sinkenden Kursen. Außerdem spielt der Aktienmarkt eine Rolle: In turbulenten Zeiten flüchten sich viele Anleger in vermeintlich sichere Anleihen. Als Folge steigen die Kurse.

Eine Anleihekomponente im Portfolio zu haben kann Sinn machen. Wie oben erwähnt entwickeln sich die Kurse oft gegensätzlich zum Aktienmarkt. Dadurch federn sie negative Entwicklungen etwas ab (eine Art „Hedging“). Außerdem sind gerade Staatsanleihen von großen Industrienationen auch heute noch eine recht sichere Anlage. Folglich zahlen diese (siehe negative Zinsen für Staatsanleihen der BRD) allerdings nur geringe oder gar keine Zinsen.

Auch Anleihen kann man bequem als ETF kaufen. Jedoch gibt es viele verschiedene Produkte und auch die Anleiheformen reichen von Staatsanleihen über Pfandbriefe hin zu Unternehmensanleihen. Wir beleuchten dieses breite Feld in einem nächsten Post.

Zu 3.: Cash

cash

Was man hat, hat man. So einfach ist das bei Cash. Ein (kleiner) Bestandteil unseres Portfolios wird Bargeld sein. Dies ist ein gewisser Betrag, der schnell verfügbar ist. Beispielsweise auf dem Tagesgeldkonto. Dieser Betrag wirft zwar kaum Rendite ab, und ist deshalb klein zu halten, aber ist notwendig um alltägliche und auch unvorhergesehene Kosten zu decken.

 

Auf den richtigen Mix kommt es beim Portfolio an!

Jetzt stellt sich die Frage: In welchen Prozentsätzen investiere ich in Aktien (Indexfonds) und Bonds (beispielsweise Staatsanleihen)?

Nun, jetzt kommt der angesprochene Zeithorizont ins Spiel! Je länger mein finanzielles Ziel entfernt liegt, desto eher kann ich ins Risiko gehen. Wenn ich heute 25 Jahre alt bin und mein Ziel eine Altersvorsorge ist, mit der ich in 35 Jahren in Rente gehen kann, kann ich mehr Risiken eingehen. Mein Investitionshorizont ist in diesem Fall so weit, dass ich mehrere Finanzkrisen bequem aussitzen kann. Ich bespare einfach immer weiter meinen Finanzplan und mach mir um Krisen und Hochzeiten keine Gedanken. Ich würde in diesen Fall also einen höheren Anteil meines Vermögens in Aktien stecken. Diese sind volatiler aber werfen auf lange Sicht mehr Rendite ab.

Anders verhält es sich, wenn mein Ziel immer näher rückt. Angenommen, ich plane in 5 Jahren die komplette finanzielle Freiheit erreicht zu haben und von meinen Investitionen zu leben. In diesem Fall sollte ich einen wachsenden Teil meiner Anlage in risikoärmere Bonds stecken.

Butter bei die Fische: Wie viel Prozent?

Eine alte Grundregel lautet: Subtrahiere dein Alter von 100 und erhalte als Ergebnis den Prozentsatz deines Geldes, den du in Aktien anlegen solltest. Ein 25 jähriger Jungsspund würde also 75% Aktien in Form von Indexfonds und 25% sichere Anleihen halten. Ein 60 jähriger Investor dagegen hält nur noch 40% Aktien.

Leider muss ich dieser alten Regel ein FYOU geben. Gerade in jüngster Zeit bieten sichere Anleihen nicht mal einen Schutz vor der Inflation. Weniger vertrauenswürdige Schulder haben kein geringeres Risiko als Aktien. Das ein 25 Jähriger trotzdem 25% seiner Anlagesumme in Anleihen stecken soll, erscheint aus diesem Blickwinkel viel zu konservativ. Sein Investitionshorizont ist sehr weit und Aktien bieten langfristig erwiesenermaßen eine bessere Rendite. Gerade in diesen Zeiten halte ich einen Aktienanteil von bis zu 100% für nicht verkehrt. Mit zu viel Anleiheanteil werden Renditechancen für vermeintliche Sicherheit vergeben. Sicherheit, die in diesem Stadium noch nicht notwendig ist. Der geschätzte Autor JL Collins argumentiert hier ähnlich und die Gründe erscheinen schlüssig.

Wer sein Portfolio langsam absichern möchte aber dennoch Chancen für Wertentwicklung bewahren will, kann zu einem 80%/20% Aktien zu Anleihe Mix übergehen. Je mehr Gewicht auf Sicherheit gelegt wird, und je mehr man auf Renditepotenziale verzichten kann, desto höher sollte der Anleiheanteil werden. Letztendlich ist es eine persönliche Entscheidung aber die zugrunde liegenden Annahmen sollten klar geworden sein.

Alternativ oder ergänzend zu Anleihen, werden auch beispielsweise REITs diskutiert, die in Immobilien anlegen und sicherer als Aktien sein sollen aber eine bessere Rendite als Anleihen versprechen. Ich bin bisher kein großer Fan. Warum erkläre ich in einem späteren Post.

In den nächsten Teilen dieser Investment-Serie geht es aber zunächst darum die beiden wichtigsten Anlageformen auf dem Weg zu unserem Fyou Money näher zu beleuchten: Indexfonds und Anleihen. Insbesondere werde ich ETFs vorstellen. Hier ist entscheidend zu klären, wie sich unser Aktienportfolio zusammensetzen soll. Brauchen wir Aktien aus der ganzen Welt? Reicht vielleicht der DAX? Und was ist mit Schwellenländern? Außerdem gilt zu klären wie man überhaupt ETF-Anteile erwirbt und was man hier zu beachten hat.

Das alles in den nächsten Posts!

Bis dahin würde ich mich wie immer über Kommentare und Anregungen freuen!

Cheers.

 

4 Kommentare

  1. „Ein (kleiner) Bestandteil unseres Portfolios wird Bargeld sein. Dies ist ein gewisser Betrag, der schnell verfügbar ist. Beispielsweise auf dem Tagesgeldkonto…“

    Geld auf einem (Tagesgeld-)Konto ist defacto kein Cash, sondern stellt lediglich einen Anspruch auf Cash dar. Bargeld ist und bleibt nur Bargeld in Form von Scheinen (Münzen hingegen halte ich in einer echten Krise für keine gute Idee).

    • Hallo Mitleser und danke für deinen Kommentar!

      Per Definition hast du sicherlich recht. Worauf es mir in diesem Punkt ankommt, ist jedoch einfach die schnelle Verfügbarkeit des Geldes. Hier ist ein Tagesgeldkonto gewiss nicht schlecht.
      Einen richtigen Vorteil von Scheinen unter der Matratze kann ich, ohne Weltuntergangsszenario, nicht erkennen.

      Beste Grüße
      Pascal

1 Trackback / Pingback

  1. Was ist ein ETF? Wie funktioniert passiver Vermögensaufbau?

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