Der verrückte Hund des Herrn Kostolany

Oder: Warum das Wirtschaftswachstum einer Region kurzfristig nicht viel mit der Entwicklung des entsprechenden Aktienindex zu tun hat. Und dennoch schließen viele Menschen von der Bewegung der Indizes auf den Zustand der Wirtschaft. Das kann zu unschönen Fehlentscheidungen führen.

Wirtschaft und aktienmarkt

„Die ganze Börse hängt nur davon ab, ob es mehr Aktien gibt als Idioten – oder umgekehrt.“ – André Kostolany

Aktienindizes spiegeln die Wirtschaftsentwicklung einer Region wider….langfristig.

Warum empfehle ich Privatanlegern ETFs auf Aktienindizes als Mittel der Wahl auf dem Weg zum Fyou Money? Diese Frage haben wir bereits ausreichend beleuchtet: Weil wir darauf setzen, dass die Wirtschaft langfristig wächst und sich dies in einer positiven Entwicklung der jeweiligen Indizes widerspiegelt. Gründe für ein nachhaltig anhaltendes Wachstum (unterbrochen von mehreren negativen Ausschlägen) gibt es zur Genüge. Wir unterstellen also einen Zusammenhang zwischen Wirtschaftswachstum und Rendite am Aktienmarkt.

In der Realität werden wir jedoch häufig feststellen: Dieser Zusammenhang scheint nicht immer zu bestehen. Der DAX beispielsweise steigt über einen Einjahreszeitraum um +15%. Gleichzeitig hat sich das BIP nur um 2% verbessert. Oskar Lafontaine hatte dies Ende der 90er Jahre gerne als Teil seiner Kapitalismus-Kritik hervorgebracht: Wie könne es denn sein, dass die Wirtschaft stagniert, die Arbeitslosenzahlen hoch bleiben und gleichzeitig an der Börse Gewinne gemacht werden? Bereichern sich hier etwa Aktionäre auf Kosten der einfachen Leute? Oder auch andersherum: In Brasilien stieg das BIP in einem Zeitraum von Ende der 80er Jahre bis in die 2000er Jahre stetig an. Die Aktienkurse jedoch entwickelten sich deutlich verhaltener.

Andererseits scheinen Wirtschaftsdaten den Markt doch zu beeinflussen: Die gute Anja Kohl erklärt uns die tägliche Bewegung des DAX in der Börse vor Acht ja gerne mit neuen Arbeitslosenzahlen, oder dem ifo Geschäftsklimaindex, oder wenn es nichts besseres gibt dann halt mit der Entwicklung der Exportzahlen.

Der verrückte Hund des Herrn Kostolany

Wirtschaft und aktienmarkt

Die scheinbar widersprüchliche Beziehung der Rendite eines Aktienindex zum Wirtschaftswachstum lässt sich am besten mit einer Anekdote aus dem Buch „Die Kunst, über Geld nachzudenken“ von André Kostolany erläutern. Der erfahrene Spekulant vergleicht den Zusammenhang mit einem Hund, der mit seinem Herrchen Gassi geht. Der Mensch ist dabei die Wirtschaft und der Hund der Aktienindex. Der Mensch geht gemütlich spazieren und hat den Hund dabei an der Leine. Er geht mal schneller und mal langsamer aber im Großen und Ganzen doch sehr gemächlich. Manchmal bleibt er kurz stehen oder läuft sogar ein paar Schritte zurück, wenn er meint, etwas interessantes entdeckt zu haben.

Der Hund aber hat einen größeren Bewegungsdrang. Er hastet dem Herrchen gerne mehrere Meter voraus, bevor er von der Leine gestoppt wird. Mal geht er auch gemütlich neben dem Menschen her, um dann plötzlich etwas zu wittern und in die andere Richtung zu rennen.

Am Ende kommen Hund und Herrchen natürlich beide am gleichen Ziel an, sie sind ja mit einer Leine verbunden. Während der Mensch jedoch vielleicht zwei Kilometer zurückgelegt hat, ist der Hund sechs Kilometer gelaufen. Doch angekommen sind sie am gleichen Ort.

Und genauso verhält es sich auch mit der Gesamtwirtschaft und dem Aktien-Index. Wenn die deutsche Wirtschaft in einem Jahr um 3% wächst, bedeutet das nicht, dass sich auch der DAX um 3% verbessert hat. Aber langfristig wird sich eine positive Entwicklung der Wirtschaft auch in entsprechenden Renditen widerspiegeln. Wenn die Aktien zu stark gestiegen sind, ohne das es hierfür eine wirtschaftliche Grundlage gibt, so wird der Hund zu Herrchen zurückkehren und die Kurse fallen wieder. Entwickelte sich die Wirtschaft für einen längeren Zeitraum positiv, während die Aktionäre skeptisch waren, so wird sich auch diese Situation wieder angleichen.

Der Aktienindex wird nicht nur durch die aktuelle wirtschaftliche Entwicklung beeinflusst

De facto beeinflusst die aktuelle wirtschaftliche Lage den Aktienmarkt nur sehr bedingt. Kurse werden nämlich vor allem durch eines geformt: Erwartungen für die Zukunft. Wenn Investoren erwarten, dass die Wirtschaft sich positiv entwickeln wird, wollen sie Aktien erwerben, die Nachfrage steigt und die Kurse steigen. Vice versa analog.

Somit beeinflussen natürlich neue Wirtschaftsdaten auch die Erwartungen der Investoren. Ein sinkender ifo Geschäftsklimaindex wird als ein Aufziehen dunkler Wolken gewertet und die Erwartungen werden entsprechend adjustiert. Da aber Investoren keine Glaskugel unter dem Nadelstreifenanzug versteckt haben, bleiben die Erwartungen natürlich indikativ. Sehen Investoren viele dunkle Wolken, so sinkt die Nachfrage nach Aktien und die Kurse fallen. Das bedeutet jedoch nicht, dass es auch tatsächlich regnen wird. Nach einiger Zeit werden die Wolken vorüberziehen und die Investoren stellen fest: Es ist ja doch trocken geblieben. Die Kurse steigen wieder.

Ein weiterer Faktor ist die Internationalität der Unternehmen. Die DAX Unternehmen sind allesamt global tätig. Wenn also beispielsweise China in wirtschaftliche Nöte rutscht, bricht für viele Automobilunternehmen ein wichtiger Abnehmer weg. Die Kurse sinken. Dabei sind die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Deutschland identisch geblieben. Die Weltwirtschaft ist heutzutage eben enorm verzahnt.

Da wird der Hund in der Pfanne verrückt – Das Fazit für dein Fyou Money

Wirtschaft und aktienmarkt

Die kurzfristigen Ausschläge an den Märkten spiegeln nicht die langfristige Entwicklung der Wirtschaft wider. Aber für den langfristigen Vermögensaufbau interessiert uns nur genau das: Die langfristige Entwicklung der Wirtschaft. Es lohnt sich also nicht auf kurzfristige Marktsignale zu schauen. Auch kannst du Anja Kohl auf stumm schalten (oder den Fernseher am besten gleich ganz aus). Wichtig ist nur, dass Index und reale Wirtschaft langfristig immer das gleiche Ziel haben.

Gib deinem inneren Schweinehund also wenig Leine und verfolge stur deine Anlagestrategie. Kurzfristige Ausschläge (nach oben wie nach unten) lassen dich kalt. Herr Kostolany empfiehlt übrigens einfach ein paar Qualitätsaktien zu kaufen, Schlafmittel nehmen und einige Zeit später als reicher Mann aufzuwachen. Damit möchte er Anleger vor sich selber schützen, die dazu tendieren sich durch ständiges Kaufen und Verkaufen die Suppe zu versalzen.

Aufgrund der bedenklichen Nebenwirkungen der übermäßigen Einnahme von Schlafmitteln, möchte ich dann doch vorschlagen an der eigenen inneren Stärke zu arbeiten. Dabei helfen: Börse vor Acht auf den persönlichen Index setzen, Aktien-Tipp Webseiten lächelnd schließen und wie immer: Stay humble!

Wirtschaft und aktienmarkt

Wer tiefer in die Börsenweisheiten der Spekulanten-Legende André Kostolany eintauchen möchte, dem empfehle ich sein Werk „Die Kunst, über Geld nachzudenken„. Eine ausführlichere Vorstellung folgt, sobald ich damit komplett durch bin.

Wie immer würden mich deine Kommentare und Anregungen brennend interessieren!

Cheers!

 

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