Der Markt, der Markt, der macht was er will … lassen wir ihn!

Was für eine Woche! Die USA haben ein neues Oberhaupt. Und stell sich einer vor: Trotz Europäischem Wunschdenken und medial herbei prognostiziertem Clinton-Sieg, ist es dann doch der Herr Trump geworden. Wie können sie es nur wagen! Ein politisch unerfahrener Mann mit absurden Ansichten, unberechenbaren Absichten und fragwürdigen Manieren zieht in zwei Monaten ins Weiße Haus ein. Auch wenn es für die Mehrheit der Europäer und viele US Amerikaner scheinbar schwer zu akzeptieren ist: So funktioniert nun mal die Demokratie.

Der Markt, Der Markt, der macht was er will

One of the funny things about the stock market is that every time one person buys, another sells, and both think they are astute.“ – William Feather

Der Markt ist ein unpolitisches Wesen

Der Wahlausgang kam unerwartet, schließlich war Klaus Kleber im Heute Journal noch sehr optimistisch bezüglich eines Wahlsiegs von Hillary. Und hey, Klaus wurde immerhin in ein Hotel gegenüber vom Weißen Haus geschickt. Wer hätte es also besser wissen können als er? Also ausgenommen vom ARD-Team, das man parallel auch nach Washington geschickt hat. Dem geneigten Konsumenten des öffentlichen Rundfunks müssen schließlich zwei parallel laufende Live Sendungen aus Washington zur Verfügung stehen. Was kost‘ die Welt?

Erstens kommt alles anders, zweitens als man denkt. Als sich am frühen Morgen deutscher Zeit dann doch tatsächlich ein Sieg Trumps abzeichnete, muss Anja Kohl wohl aus dem Bett gefallen sein. Was würde die Börse wohl zu diesem Ausgang sagen? Vom Experten bis zum Hobby-Analysten schien man sich einig: Wenn Trump gewinnt, sehen wir Kurseinbrüche noch schlimmer als beim Brexit!

Das hielt ich für eine Art Trostpflaster: Absurder Typ an der Spitze der letzten verbliebenen Weltmacht aber gute Gelegenheit zum Nachkaufen an der Börse. Schließlich hat der Brexit in dieser Hinsicht ja auch viel Spaß gemacht. Erst sind die Märkte böse eingebrochen und haben sich dann schnell wieder erholt. Von der Entscheidung der Briten war ich ebenfalls enttäuscht aber immerhin konnte ich das Absacken der Kurse nutzen, um ein paar ETF-Anteile nachzukaufen. Aber ist es vielleicht sogar unmoralisch finanziellen Nutzen aus einer Entscheidung zu ziehen, die gegenläufig zur persönlichen politischen Überzeugung ist?

Fest steht, dem Markt schienen die Prognosen herzlich egal zu sein. Morgens gab es beim DAX vorbörslich noch Verluste von gut 5% und damit schon weniger als beim Brexit. Nach dem Schock über den Wahlausgang machte sich somit bei mir auch noch Enttäuschung über mein Trostpflaster breit. Wo sind die Apostel der Finanzkatastrophe, wenn man sie braucht? Erst den Untergang der westlichen Wirtschaftshemisphäre ankündigen und mich dann mit 5% abfrühstücken? Ich war beleidigt. Als die Börse dann tatsächlich öffnete, grenzten sich die Verluste noch weiter ein. Bei -3% kaufte ich noch ein paar Anteile nach. Der große Einbruch schien allerdings nicht einzutreten.

Der Markt, Der Markt, der macht was er will

Im Gegenteil, im Laufe des Tages schienen sich die Börsianer die Forderungen Trumps genauer anzusehen und was sie sahen, schien ihnen zu gefallen. Strafzölle für China und Mexiko, Zinsanhebungen und Protektionismus schienen plötzlich vergessen. An ihre Stelle traten Deregulierung bei Banken, steigende Rüstungsausgaben und das Hoffen auf einen Bauboom. Am Ende des Handelstages stand dann ein dickes Plus zu Buche. Was für ein absurder Tag. Der Dow Jones verzeichnete am Donnerstag dann sogar ein neues Rekordhoch.

Alles gar nicht so schlimm?

Ich glaube in den Tagen nach der Wahl hatte jedes Newsportal einen Artikel zu bieten, der ungefähr so betitelt war: „Trump – Das erwartet uns jetzt“. Die Ausführungen in diesen Artikeln waren mal mehr mal weniger düster, doch stets spekulativ. Das Fazit war bei allen Beiträgen ähnlich: Man weiß es nicht. Die Politik Trumps ist zu unberechenbar. Die Börse mag solch eine Ungewissheit ja eigentlich ganz und gar nicht. Dennoch scheinen die Märkte positiv gestimmt zu sein.

Die Zeit scheint ob solcher Konfusität gar in Schizophrenie zu verfallen. Im Finanzblog der Zeitung warnt der Autor Mark Schieritz zunächst davor, dass Trump „die gesamte Weltwirtschaft in Unordnung bringen kann„.  Beinahe apokalyptische Töne werden angestimmt und bei so manchem wird der Panikmodus stimuliert: Alles verkaufen, Hüte in der Mongolei bauen und einen frugalistischen Lebensstil preisen.

Aber wartet, bringt das Zelt zurück in den Keller und stellt die Konserven wieder in die Kammer. Denn Mark Schieritz schreibt nur fünf Stunden später einen neuen Blogpost. Sein Ausblick auf die Zukunft unter Trump scheint sich 360 Grad gewandelt zu haben: „rein konjunkturell betrachtet könnte es nach oben gehen“. Aha, ein Schelm, wer hier einen Zusammenhang mir der Kursentwicklung sieht. Tenor des Artikels ist, dass Trump zwar schlecht für Umwelt und Geopolitik sei aber die Wirtschaft freut’s. Na dann, kräftig einkaufen, oder?

Am nächsten Tag scheint Mark nun beinahe begeistert zu rufen „The Donald bringt den Zins zurück„. Der Zins? Was ist denn das? Kenne ich nur aus Legenden, die mir mein Großvater erzählt. Von den goldenen Zeiten, als man mit einer Bundesanleihe 7% Rendite bekam und das bei beinahe null Risiko. Das Sparbuch hat noch richtig was abgeworfen, in der Spree floss Honig und jeden Tag schien die Sonne. Und der Donald bringt diese paradiesische Zustände zurück? Ich dachte es kommt die Wirtschaftskrise? Und ist die Zinsanhebung nicht negativ für die Aktienkurse? Ich bin fast genauso verwirrt wie der Autor aber was soll’s! Gepriesen sei der Retter des deutschen Sparers! Gepriesen sei der Lord of Sparbuch! Die Knechtschaft des deutschen Sparers ist vorüber!

Ohren zu, Augen zu und durch

Der Markt, der Markt, der macht was er will

Was wir aus dieser Woche lernen können? Wer am lautesten schreit hat selten Recht und Prognosen sind leider häufig von Wunschdenken geprägt. Was die Präsidentschaft eines Donald Trump für die Börse bedeutet? Ich habe keine Ahnung. Glücklicherweise haben die vermeintlichen Experten ebenso wenig Ahnung. Der Markt, der Markt, der macht was er will und die Berichterstattung und die Prognosen scheinen nur darauf zu reagieren. Gestern prophezeite der Spiegel erneut den Wirtschaftscrash unter Trump. Eine solche apokalyptische Analyse, basierend auf Vermutungen, ist aber nur der traurige Versuch in einem Teich voll mit verwirrten Anlegern nach Lesern zu angeln.

Was wir aus der Wahlentscheidung für unseren Vermögensaufbau mitnehmen? Das musst du selbst entscheiden. Ich persönlich nehme nichts mit. Ich mache so weiter wie bisher. Mein Vermögensaufbau ist langfristig ausgerichtet. Mein Depot wird weiter gefüttert und wird Donald kommen und gehen sehen. Es wird den nächsten Präsidenten (oder auch die Präsidentin) kommen und gehen sehen und den danach. An meiner Erwartungshaltung einer langfristig immer wachsenden Wirtschaft, kann weder Trump noch Clinton etwas ändern.

Wird es kurzfristig zu Turbulenzen kommen? Aber sicher! Vermutlich wird das Depot in den nächsten Jahren und Jahrzehnten ein halbes Dutzend Crashs erleben. Das rot tut dem Auge dann weh, doch wenn der Kurs gehalten wird, bin ich überzeugt davon, am Ende belohnt zu werden.

Wem seine Nerven und Gesundheit lieb ist, der sollte getrost auf das Lesen von Prognosen und Ausblicken verzichten. Sie basieren auf wilden Annahmen und bewahrheiten sich selten. Und da sich mit schlechten Nachrichten nun mal mehr Leser locken lassen, scheint die Zukunft immer schwarz. Kein Wunder, dass die meisten Deutschen den Gang an den Kapitalmarkt fürchten und lieber konsumieren (und vielleicht noch ein Tagesgeldkonto befüllen). Der Markt macht kurzfristig was er will. Lass ihn machen, verfolge deine Anlagestrategie und lehn dich zurück.

 

Hast du als Reaktion auf Trump etwas in deinem Depot verändert oder hast es noch vor? Welchen Einfluß haben „Expertenanalysen“ auf dein Investitionsverhalten?

Cheers.

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2 Kommentare

  1. Hi Pascal,
    Ich habe den kurzfristigen untertäglichen Kursrutsch nicht genutzt. Meine Sparpläne laufen einfach automatisch weiter. Es wird sich auch nichts an meinen Sparplänen ändern, nur weil Trump jetzt Präsident ist.
    Die Veränderungen, welche Trump dann durchsetzen wird, sind für mich nicht abzuschätzen. Ich bin auch gespannt, ob überhaupt radikale Veränderungen folgen werden. Alleine in seiner ersten Pressekonferenz nach der Wahl hat er öffentlich ja schon zurück gerudert.
    Also mal Abwarten und stetig weiter investieren. Denn ich bin noch jung genug auch 2 Trump Perioden aussitzen zu können 😉
    Liebe Grüße
    Florian

    • Hi Flo,
      absolut gesunde Einstellung zum Thema. Für mich sollte der langfristige Vermögensaufbau vor allem passiv und konsequent geschehen. Gelegenheiten wie die Wahl nutze ich höchstens um meine bestehenden Positionen aufzustocken. Verkaufen aufgrund von kurzfristigen Effekten tue ich dagegen nie.
      Genau, auf den nächsten Präsident und seinen Nachfolger und dessen Nachfolger… 🙂
      Beste Grüße
      Pascal

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