Buch-Tipp: „Die Kunst, über Geld nachzudenken“ von André Kostolany

„Nicht reich muss man sein, sondern unabhängig“ gab André Kostolany einmal zum Besten. Durch gewiefte Spekulationen an den Börsen dieser Welt war Kostolany in der glücklichen Situation sowohl unabhängig als auch reich an Geld und Erfahrungen zu sein. In „Die Kunst, über Geld nachzudenken“ fasst er seine Erkenntnisse zum Geld, zur Spekulation und zum Vermögensaufbau zusammen. 1999, dem Jahr in dem Kostolany gestorben ist, erschienen, stellt das Buch gleichzeitig sein Vermächtnis dar. Und was für eines: Kostolany wurde 1906 in Ungarn geboren, erlebte die Weltwirtschaftskrise, floh vor den Nationalsozialisten von Paris nach New York, und spekulierte sich durch die Wirren der Nachkriegszeit. Dabei ging Kostolany mehrmals pleite und schaffte es doch am Ende ein stattliches Vermögen aufzubauen.

„Freund Grün bat den weisen Rabbi in Budapest um Rat, ob er seiner Tochter zur Hochzeitsnacht ein Nachthemd oder einen Pyjama schenken solle. „Ganz egal“, war das Urteil, „Nachthemd oder Pyjama, vernascht wird sie sowieso.““ – André Kostolany

Der Mensch Kostolany

André Kostolany wurde in Ungarn geboren und Budapest schien sein Leben lang einen besonderen Platz in seinem Herzen zu haben. Doch schon früh wurde er von seinen Eltern nach Paris geschickt. Dort sollte er von einem Freund der Familie alles über die Börse lernen. Und in der Stadt der Liebe scheint Kostolany auch seine Liebe zum Geld und zur Spekulation kennengelernt zu haben. Dabei betont er jedoch stets, dass ihm der monetäre Aspekt des Spekulierens eigentlich weniger interessiert. Geld ist für ihn eher der Weg in ein unabhängiges Leben gewesen. Wahre Freude zog er jedoch aus der Tatsache Recht behalten zu haben. Gegen den Trend und den Markt zu wetten bereitete ihm größtes Vergnügen – und wenn er Recht behielt bescherte es ihm eine Menge Geld.

Kostolany war keiner der Trader, die man im Fernsehen hektisch durch die New York Stock Exchange huschen sieht. Im Gegenteil, er drückte immer wieder seine Abscheu gegenüber Maklern und Finanzberatern aus. Für ihn war die Spekulation eine Kunst, die weder Charts noch Computer bedarf. Das Verstehen von Zusammenhängen und die Interpretation von Ereignissen politischer und gesellschaftlicher Natur bildeten die Grundlagen für seine Analysen.

Große Bekanntheit erlangte Kostolany durch seine Kolumne in „Capital“, sowie durch medienwirksame Auftritte in Diskussionsrunden. Sein bissiges, ironisches und stets wohlartikuliertes Auftreten verschafften ihm einen besonderen Stand in der Finanzwelt. Leidenschaftlich schrieb er gegen vermeintliche Börsen-Gurus an, um Anleger vor solchen Scharlatanen zu warnen. Sein letzter Kampf richtete sich gegen die Übertreibungen am Neuen Markt.

Der Investor Kostolany

Kostolany teilt den Akteuren an der Börse verschiedene Rollen zu. Spekulanten haben zwar heute in der Öffentlichkeit keinen guten Stand, doch Kostolany bezeichnet sie als „Strategen auf lange Sicht“. Ein Spekulant reagiert seiner Definition nach nicht auf jede kleine Nachricht. Er ist kein Zocker, der auf einen kurzfristigen Kurssprung wettet. Der Spekulant bedient sich der Kunst über Zusammenhänge nachzudenken und daraus seine Schlüsse zu ziehen. Ein guter Spekulant lernt zwischen den Zeilen zu lesen. Ebenso ist sich ein erfolgreicher Spekulant dem Einfluss der Psychologie der Marktteilnehmer bewusst. Das Zusammenspiel von Fakten und Emotionen (Stichwort: Behavioral Fiance) versucht er geschickt auszunutzen. Dennoch vergleicht Kostolany das Spekulieren mit einer gefährlicher Seefahrt zwischen Vermögen und Pleite. Ein seetüchtiges Boot (Geld, Geduld und Nerven) sowie ein geschickter Steuermann seien notwendig um am gewünschten Ziel anzukommen.

Eine weitere Gruppe von Akteuren sind die Anleger, zu denen auch ich mich zählen würde. Kostolany bezeichnet sie als die „Marathonläufer der Börse“. Sie seien der Gegenpart zum Zocker und Kostolany sieht in ihnen langfristig die Gewinner. Dadurch, dass sie nicht kurzfristig kaufen und verkaufen, sondern Aktien lange halten, standen sie in der Vergangenheit immer gut dar. Selbst der Altmeister der Spekulation ist in seinen späten Jahren ins Lager der Anleger gewechselt. Er ist überzeugt: Auf lange Sicht werden Aktienkurse im Schnitt immer steigen. Am Ende seines Lebens besaß der Autor noch über 500 verschiedene Aktien im Depot, verkaufte davon in den letzten Jahren aber keine einzige.

Das Ei des Kostolany

Wer auf konkrete Anlage-Tipps des Großmeisters hofft, wird enttäuscht. Doch der Wert des Buches liegt ohnehin eher im Verständnis der sich wiederholenden Zyklen an der Börse. Es wird einem beim Lesen bewusst: Es hat alles schon mal gegeben und die Geschichte an der Börse wiederholt sich. Es ist ein ewiges hoch und runter. Es gibt rasante Aufstiege und schmerzliche Krisen. Diese vorauszusagen, darin liegt die Kunst, die kaum einer zu beherrschen vermag.

Das Ei des Kostolany ist ein Modell um die Anatomie der Auf- und Abwärtsbewegungen am Markt besser zu verstehen. Für Kostolany bewegt sich der Markt immer um dieses gedankliche Ei herum, wobei sich Hausse (steigende Kurse) und Baisse (fallende Kurse) gegenseitig die Klinge in die Hand geben. Die Phasen können jeweils unterschiedlich lange andauern, doch im Grunde bleiben sie immer gleich. Hausse und Baisse durchlaufen dabei jeweils drei Phasen:

Hausse:

Phase 1 – Korrekturphase (kleiner Umsatz an der Börse, Zahl der Aktienbesitzer gering) -> hier am besten Kaufen
Phase 2 – Phase der Begleitung (Umsatz und Zahl Aktienbesitzer steigen) -> hier halten und abwarten
Phase 3 – Phase der Übertreibung (Euphorie, Kurse explodieren) -> am höchsten Punkt verkaufen.

Baisse:

Phase 1 – Korrekturphase (kleiner Umsatz, Zahl der Aktienbesitzer geht zurück) -> verkaufen
Phase 2 – Phase der Begleitung (Umsatz steigen, Zahl der Aktienbesitzer nimmt schneller ab) -> abwarten
Phase 3 – Phase der Übertreibung (großer Umsatz, Kurse brechen ein) -> Kaufen

Klingt logisch und einfach – doch die Schwierigkeit liegt mal wieder darin, zu wissen wo man sich derzeit befindet. Sind wir momentan in der Hausse Phase 2 oder 3? Oder gar schon wieder Baisse Phase 1? Man weiß es nicht. Und würde es ein einfaches Mittel geben, es herauszufinden, so wäre man schnell ein reicher Mann, bzw. eine reiche Frau. Dennoch veranschaulicht das Modell sehr schön das ewige Auf und Ab an der Börse.

Fazit für dein Fyou Money

„Die Kunst, über Geld nachzudenken“ von André Kostolany ist ein tolles Standardwerk für jeden Anleger. Auch wenn man selber nie Spekulant werden möchte, so lassen die Erfahrungen von Kostolany tief in die Anatomie der Börse und ihrer Akteure blicken. Es schafft ein besseres Verständnis für Zusammenhänge und lehrt uns aus der Vergangenheit zu lernen. Kostolany kommt als bodenständiger Mensch rüber, er verschweigt nicht, dass auch eine Portion Glück immer dazu gehört. Er gibt nie vor, den Markt nach Belieben schlagen zu können und warnt vor jedem der dies behauptet. Hokus-Pokus wie der Chart-Technik erteilt er eine Absage und vertritt seine Überzeugungen offensiv. Dabei schafft es Kostolany nie zu technisch zu werden. Seine Ausführungen basieren auf vielen Anekdoten aus seinem Leben. Mit Witz und Ironie bringt er dem Leser die Welt der Börse etwas näher.

Kostolany schreibt: „Wer viel Geld hat, kann spekulieren; wer wenig Geld hat, darf nicht spekulieren; wer kein Geld hat, muß spekulieren.“ Wer schnell sehr reich werden möchte, kann dies durch waghalsige Spekulationen erreichen. Gleichzeitig muss man sich bewusst sein, dass die Pleite dabei ebenso möglich ist. Langfristiger Vermögensaufbau funktioniert anders, das sieht auch Kostolany so und wurde im letzten Abschnitt seiner Karriere zum Anleger. Wer ein wenig zocken möchte, dem sei dies gegönnt. Das Fundament des Vermögensaufbaus sollte aber weiterhin aus Index-ETFs bestehen, die langfristig gehalten und gefüttert werden.

„Die Kunst, über Geld nachzudenken“ ist für 9,99 Euro bei Amazon erhältlich.

Wie findest du das Buch? Was sind deine Gedanken zum Spekulieren? Sind Spekulanten Künstler oder Heuschrecken?

Cheers.

 

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