Advent, Advent das Konto brennt

Wie man als Minimalist unbeschadet durch die Weihnachtszeit kommt

Ho Ho Ho, es weihnachtet schon sehr, die Kinder sind fleißig am Wunschzettel schreiben und ihre Eltern kippen sich literweise Glühwein rein. Was für eine segensreiche Zeit die Adventszeit doch ist. Frieden und Genuss stehen im Vordergrund, man kommt im Kreise der Familie endlich zur Ruhe und macht sich gegenseitig mit Geschenken eine Freude. Doch Obacht! Nicht alle unter uns vermögen diese Zeit zu genießen. Ganz im Gegenteil: Für die wachsende Anzahl an Minimalisten, Frugalisten und Konsumverweigerern unter uns ist die Weihnachtszeit ein wahrer Graus. Im letzten Jahr haben die Deutschen im Durchschnitt 274 Euro für Geschenke ausgegeben. Und diese blinden Konsumsklaven planen ihre Ausgaben dieses Jahr sogar auf 280 Euro zu erhöhen!

Doch, lieber Minimalist, du musst die Weihnachtszeit nicht fernab der Zivilisation mit Meditieren verbringen. Folgende ultimative Geschenktipps helfen dir unbeschadet durch die Weihnachtszeit zu kommen und dir dabei treu zu bleiben. Fuck You, Konsum, gell?

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Schenken oder nicht schenken, das ist hier die Frage

Modern ist es auch einen „Nichtangriffspakt“ zu schließen – man schenkt sich gegenseitig einfach nichts. Diese, im Einvernehmen getroffene Entscheidung, wäre bestimmt die optimale Lösung. Für einen solchen Pakt sind allerdings immer zwei Parteien notwendig. In einer repräsentativen Umfrage unter 1.000 frisch geschiedenen Deutschen hat sich herausgestellt, dass ein einseitig erklärter Nichtangriffspakt negative Konsequenzen auf das Sozialleben haben kann. Ist die Gegenseite also allen guten Argumenten erhaben und möchte dennoch schenken, so bleibt dem isolationsunwilligen Konsumverweigerer nichts anderes übrig, als sich auf Geschenkesuche zu begeben. Da Minimalisten aber einen unangenehmen Ausschlag bekommen, wenn sie sich im 1 Kilometer Radius einer Einkaufsstraße befinden, habe ich im Folgenden ein paar sparsame Geschenktipps vorbereitet.

 

5 Geschenktipps für Frugalisten, Minimalisten und alle dazwischen

1. Etwas Selbstgemachtes – Deine Aktienanalyse mit persönlicher Widmung

Selbstgemachtes kommt immer gut an. Schließlich kommt es von Herzen und nicht einfach vom Konto. Es zeigt, dass man sich mit den Wünschen und Sehnsüchten des Anderen beschäftigt hat. Die Zeit, die man in die Umsetzung der Geschenkidee gesteckt hat, ist doch außerdem viel wertvoller als eine teure neue Krawatte. Und das beste an dieser Geschenkidee: Sie kann dem Beschenkten in der Zukunft sogar zu großen Reichtümern verhelfen und das ohne dich einen Cent zu kosten!

Aktienanalysen selbst zu erstellen ist ja ein Hobby mit wachsender Anhängerschaft. Das macht auch Sinn schließlich kann man so im DIY-Style den nächsten großen Star auf dem Parkett identifizieren. Oder feststellen, dass SAP derzeit überbewertet ist. Puh, nochmal Glück gehabt. Das schöne ist, dass eine Aktienanalyse perfekt auf den zu Beschenkenden zuschneidbar ist. Dein Opa macht gerne Nordic Walking? Schenke ihm doch eine persönliche Aktienanalyse von Adidas! Das wird ihm einerseits Freude bereiten und ihn eventuell sogar reich machen! Du kannst dabei auf seine individuellen Vorlieben eingehen! Ist er wohl eher ein Dividendenrendite-Typ oder steht er eher auf das KGV? Hier kannst du zeigen, dass du ihn wirklich kennst und schätzt. Abgerundet mit einer schicken SWOT-Analyse und kostengünstig per Email verschickt, ist dies ein perfektes Weihnachtsgeschenk.

Du weißt nicht, wie man eine Aktienanalyse anfertigt? Es ist nicht so, dass das wichtig wäre aber zur Orientierung kannst du dir die Analyse von meinem guten Freund Finn-Sören anschauen. Mittlerweile ist er schon fast Kaffeemillionär.

2. Das Weihnachtsmarkt-Survival-Kit

Sie sind das Tschernobyl des Minimalisten: Weihnachtsmärkte. Die Konsumgeilheit strahlt hier mit bedenklichen Werten und lockt das Geld aus der Tasche. Der Minimalist meiden sie darum natürlich tunlichst, doch es gibt Anlässe, denen man sich nur schwer entziehen kann. Vom Weihnachtsmarkt mit Kollegen und Familie beispielsweise kann man sich nicht immer mit einer müden Ausrede lossagen. Doch Glühwein für 3,50 Euro und Rostbratwurst für 4 Euro lassen den frugalen Mitmenschen schon Nächte vorher nicht ruhig schlafen – Das muss nicht sein!

Das Weihnachtsmarkt-Survival-Kit schafft Abhilfe und ist ebenso eine tolle Geschenkidee. Eigentlich braucht man nur diesen leichten Trinkrucksack. Er kommt inklusive einem Trinkschlauch, der sich mit 2 Liter Glühwein vom Aldi befüllen lässt. Wenn man diesen noch mit Alufolie umwickelt, so bleibt der süße Wein auch für einige Zeit warm. Bei 2 Litern amortisiert sich der Rucksack bereits nach einem Weihnachtsmarktbesuch vollständig. Außerdem passt noch eine Packung Wiener und ein trockenes Brötchen vom Vortag rein. Wenn der Bratwurststandbesitzer gerade abgelenkt ist, kann man dort noch etwas Ketchup und Senf stibitzen.

3. PennyStocks

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Beim Schenken will man sich meist nicht lumpen lassen. Selbst der Minimalist wird ungerne als Geizhals abgetan. Doch beim gemeinsamen Öffnen der Geschenke unter dem Tannenbaum, wirkt eine einzige Allianz Aktie extrem traurig. 1.000 Aktien dagegen klingen äußerst spendabel und nach großen Opportunitäten für die Zukunft. Wie das möglich ist? Na klar: Mit PennyStocks.

Diese Soon-to-be Stars der Börse sind äußerst günstig zu haben. Doch sobald sie sehr bald explodieren, sind Renditen im vierstelligen Prozentbereich absolut keine Seltenheit. Auch dies ist also eine tolle Möglichkeit seinen Liebsten zu signalisieren: Eure Zukunft liegt mir am Herzen.

Du kennst dich mit PennyStocks nicht aus? No Problemo, hermano, schau dir doch beispielsweise mal folgenden Musterkandidaten an: Die Global Hemp Group. „Global“ ist schon mal vielversprechend, schließlich deutet dies auf ein international ausgerichtetes Businesskonzept hin. Eine schnelle Googlebasierte Aktien-QuickCheck-Analyse offenbart: Die Global Hemp Group kauft Unternehmen aus der Hanf und Cannabis Industrie. Na wenn das mal kein Zukunftskonzept ist, weiß ich auch nicht mehr. Mit Cannabis legal Geld verdienen? What a time to be alive! Um dann anschließend noch die bewährte Analyse durch Betrachten des Langfristcharts durchzuführen: Wow, ein Plus von 3.300% binnen eines Jahres! Ein tolles Weihnachtsgeschenk mit Perspektive und nur 1,5 Cent pro Aktie!

4. Ein Leben retten

Krawatten, Socken, Spielzeug? Alles nur Kram, das den Blick von den wirklich wichtigen Dingen im Leben ablenkt. Als Minimalist betrachtet man immer wieder mit Bedauern, wie sich 98% der Menschen im Hamsterrad des Konsums befinden und niemals frei sein werden. Das ganze Zeug, das sie anhäufen droht sie langsam aber sicher zu ersticken. Trost findet man nur noch durch das fast tägliche Motivationsschreiben vom Tim. Selbst die Liebsten drohen in die Falle zu tapsen, angelockt vom süßen Versprechen der Marketingindustrie von einem erfüllteren Leben kaufen sie unablässig Zeug. Der kleine Lukas (12), dieser aufstrebende Kapitalismussklave, hat sich doch jetzt tatsächlich eine Playstation gewünscht….

Doch anstatt wegzuschauen, obliegt dir als Erleuchteter die Aufgabe diese irrgeleiteten Seelen zu retten. Ja, du predigst zwar schon täglich den Minimalismus über deinen Blog aber sein wir ehrlich: Lukas zockt am PC lieber und dein Ehemann tauscht sich in Chatportalen mit netten Damen über Modellbau aus (sagt er). Daher müssen jetzt schwerere Geschütze aufgefahren werden: Unter dem Weihnachtsbaum liegt dieses Jahr ein kostenloses Seminar. Gehalten natürlich von dir persönlich. In diesem Seminar wirst du Schritt für Schritt den Weg in ein konsumunabhängiges Leben schildern. Besonders gut kommt es an, wenn du bereits beim Verzehr der Weihnachtsgans damit beginnst. Wann bekommt man sonst schon die ganze Familie an einen Tisch? Zum anschließenden Selbststudium verschenkst du außerdem noch die Minimalismus-Bibel mit süßen kleinen Hausaufgaben, wie „fasse Kapitel 8 bis nächste Woche zusammen und präsentiere den Inhalt in Form von rhythmischer Tanzgymnastik.“

5. Spiel und Spaß für die ganze Familie

In Zeiten von Smartphone und Virtual Reality ist es so schwer gemeinsam wertvolle Zeit zu verbringen. Als Minimalist ist dir diese konsumgeile Eventbeschäftigung ein Dorn im Auge. Daher heißt es dieses Weihnachten: Back to the roots – Analog style. Es herrscht an Heiligabend ein knallhartes Smartphoneverbot. Der volle Fokus soll auf einer angenehmen Zeit mit der Familie liegen. Was passt da besser als ein tolles Gesellschaftsspiel zu verschenken, das Spaß für die ganze Familie bietet? Doch du denkst natürlich gleichzeitig an die frühkindliche Bildung vom kleinen Lukas. Spiele wie Monopoly züchten die Kleinen nur zu willigen Sklaven der Hochfinanz heran. Ein Gesellschaftsspiel kann gleichzeitig Spaß machen und wichtige Werte vermitteln. Mein Vorschlag daher: Der Spieleklassiker Geizen. Die offizielle Spielbeschreibung: „Hier wird Großzügigkeit nicht belohnt. Denn am Ende siegt der größte Geizkragen, der es schafft die meisten Chips zu horten.“ – Na, klingt das nicht vielversprechend?

 

Und jetzt du: Hast du noch weitere Geschenktipps, um unseren minimalistischen Freunden durch diese schwere Zeit zu helfen? Ich wäre dir sehr verbunden!

Cheers.

11 Kommentare

  1. 6. Ein Fest mit Freunden verbringen
    In der schnelllebigen Zeit verbringen wir viel zu wenig Zeit im persönlichen Austausch mit unseren Freunden. Voller Stolz verkündest du dem Beglückten am Weihnachtsabend daher, dass du in den letzten Wochen bereits alle Hebel in Bewegung gesetzt hast und für ihn alle seine Freunde zum Silvesterabend zu ihm eingeladen hast. Natürlich mit der Ankündigung, dass er auch über seine Vorsätze für ein minimalistisches Leben im nächsten Jahr referieren wird. Weil das – und das sei ja offensichtlich – natürlich die bessere Lebensweise für ihn und auch seine Freunde sei.

    • Sehr schön, ETF-Investor!
      Das spart den Lieben auch den Stress eine Location für die Silvester-Party zu finden. Und wer startet nicht gerne mit minimalistischen Vorsätzen ins neue Jahr?

      Beste Grüße
      Pascal

  2. 7. Ein Aufenthalt im Aussteiger-Camp
    Konsumgeilheit lässt sich nur durch harte Maßnahmen kurieren. Sogar Alcatraz und Guantanamo wären für diesen Zweck zu wenig. Schnell informierst du dich bei deinen Brüdern im Geiste, welche Möglichkeiten es für die Anhänger des Materiellen noch gibt. Neben der „Minimalismuswoche mit Karli“, der „Konsumgeschichte zum Zwecke der Aufklärung“ und dem „6-Wochen-Programm für Minimalisten – werde Konsumfit“ wird dir das „Aussteiger-Camp – Wir machen die Konsumseele kaputt“ empfohlen. Überzeugst kaufst du die VIP-Tickets mit Heilungsgarantie, weil du auf deine Familie besonders acht gibst. Und auf dich selbst. Und überhaupt.

    • Hahaha, großartige Geschenkidee, Johannes! Danke dafür!
      Also beim „Aussteiger Camp – Wir machen die Konsumseele kaputt“ werde ich ja auch schwach. Das tolle an den VIP Tickets ist ja, dass sie einen die Sorge über das Geld abnehmen. Dein Geld ist dann ohnehin weg und du musst dir keine Gedanken mehr machen über all die Dinge, die du nicht konsumieren solltest.

      Beste Grüße
      Pascal

    • Hi Dominik,
      über eine geschenkte Allianz Aktie würde ich mich in der Tat auch nicht beklage. Obwohl 1.000 Aktien von der Global Hemp Group ebenfalls sehr gut klingen 😉

      Beste Grüße
      Pascal

    • Oha, das sind schwere Geschütze. Aber wem das minimalistische Glück seiner Lieben am Herzen liegt, der muss auch zu solchen greifen! Da greift man zur Brieftasche um den Glühwein zu bezahlen und plötzlich zwinkernd einen der Tim zu. Voller Scham und Reue flüchtet man sich nach Hause, verwendet den Teebeutel von heute morgen zum dritten mal und sagt sich „zu Hause is immer noch am schönsten“. Und weil Heizung zu verschwenderisch ist, wärmt man sich mit einem Blick ins Depot. Ach, du seelige Weihnachtszeit. Wunderbare Geschenkidee 🙂

      Beste Grüße
      Pascal

  3. Ich als Konsumverweigerer fühle mich bei dem Text etwas auf meinen vergilbten Schlips getreten. Auch wir haben Spaß an Weihnachten!

    Dazu noch eine kleine Anekdote aus meinem Frugalistendasein: Meine 87-jährige Großmutter wollte mir zu Weihnachten tatsächlich ein paar warme Wollsocken schenken, weil ich seit 2 Jahren ohne rumlaufe. Ich lachte beherzt und erwähnte, dass sie doch lieber die 6-7 Stunden Arbeit in ihr Humankapital investieren und das gesparte Geld für die mittlerweile sündhaft teure Wolle stattdessen in mein breit di­ver­si­fi­zie­rtes Weltportfolio stecken sollte. So hätten wir beide etwas davon. Hach das Leben! Wer geht mit mir zum Schuhladen und macht Fotos von elenden Kapitalismussklaven, die da naiv durch ihr Hamsterradleben stolpern?

  4. Hi Sebastian,
    das ist eine wahrlich rührende Weihnachtsgeschichte! Der echte Geist der Weihnacht lebt auf, wenn ich sehe wie sehr du deine Großmutter vor den Klauen des Kapitalismus schützen möchtest.
    Wenn sie die Wollkosten in das Weltportfolio steckt, dann kann daraus nach nur 20 Jahren eine beträchtliche Summe werden. Zudem würden die Wollsocken als zusätzliches Eigentum doch nur schwer auf deinen Schultern lasten. Sprecht mir alle nach „Konsum macht unglücklich“.

    Danke für deine Weihnachtsgeschichte und eine karge Weihnacht dir 🙂
    Pascal

    P.S. Die Fotos von den Leuten in den Schuhläden sind großartig. Ich frage mich immer, ob er die selber macht. Und denn Leuten danach zuruft „Foooools, Foooools!“

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